Tante Emma heißt jetzt Welter

BEUREN. Während die Infrastruktur vor allem in kleinen Orten zunehmend verloren geht, blüht Beurens Dorfmitte weiter auf. Mit dem 1974 eingemeindeten 180 Seelen-Ort Prosterath zählt die Gemeinde eintausend Einwohner.

Nach den warmen Sommertagen prasselt der Regen im Hochwald nieder. Die gelblich leuchtenden Stoppelfelder am Beurener Ortsrand setzen helle Akzente in das Grau des Tages. Die Hauptstraße, die durch den Ort führt, wird von meterhohen Bäumen gesäumt. Natur pur, auch inmitten des gepflegten Hochwalddorfes - das ist es, was Hannelore Faust an Beuren so sehr schätzt.Brot, Post-Pakete und ein kleiner Plausch

Vor sechs Jahren ist sie mit ihrer Familie vom zehn Kilometer entfernten Hermeskeil hierher gezogen. Ihre einstige Befürchtung, dass sie irgendwann für jede Kleinigkeit ins Auto steigen muss, hat sich nicht bewahrheitet. Nachdem der ehemalige Pächter des Supermarktes in der Dorfmitte die Segel gestrichen hat, wagte Ludwig Welter aus Lorscheid den Sprung in die Selbstständigkeit. Seine Rechnung - Qualität zu fairen Preisen anzubieten, die Grundversorgung zu sichern und einen Raum für ein Schwätzchen zu bewahren - ging auf. Welter versorgt die treuen Käufer mit Fleisch- und Wurstprodukten des Reinsfelder "Eichhofs", frischen Backwaren, Dingen des alltäglichen Lebens und einem Paketservice. Bei einer kostenlosen Tasse Kaffee am runden Stehtisch ist vor allem für die älteren Bürger ein Dorfmittelpunkt bestehen geblieben, der nebenbei Kontakte schafft. Auch aus den umliegenden Ortschaften finden Leute den Weg ins "Herz" des Dorfes. Der ansässige Arzt und die Apotheke locken Kunden von außerhalb.Viel Platz im Bürgerhaus

Am Donnerstag eröffnet in den benachbarten Räumlichkeiten ein zusätzlicher Laden: Frischobst, Gemüse, Blumen und Getränke wird es dort zu kaufen geben. Das Geheimnis des lebendigen Beurener Ortskerns ist für Bürgermeister Manfred Köhl, der seit 25 Jahren die Geschicke der Gemeinde leitet, dass ganz bewusst "nicht ausgelagert" wurde. "Wir haben kein Gemeindehaus am Ortsrand gebaut", sagt Köhl. Auch das Konzept des so genannten "dreigeteilten Bürgerhauses" stärkt das Miteinander. Die Jugendlichen haben ihren eigenen Raum in dem schmucken Gebäude. Eine integrierte Gaststätte zieht Menschen an und in dem großen und dem kleinen Saal finden Veranstaltungen von Hochzeiten bis zur Vereins-Versammlung statt. Zur Attraktivität der Gemeinde tragen weiter der Kindergarten, die Grundschule und das vielfältige Angebot der Vereine bei. Der Gemeindechef beobachtet seit einiger Zeit einen neuen Trend: "Immer häufiger richten die Bürger Ferienwohnungen ein, das fördert den Fremdenverkehr." Doch jedes Idyll birgt seine Tücken in sich: Den Vereinen fehle häufig der Nachwuchs und die Gemeinde stehe weit in den roten Zahlen. Seit zwei Jahren kämpft Köhl für die Windräder, um Beuren durch die Gelder, die durch eine Windkraftanlage in die Gemeindekasse fließen würden, finanziell aus der Misere zu helfen.Fahrt nach Trier nehmen viele in Kauf

Ein Hoffnungsschimmer in Sachen Windkraftanlage sei, dass in den kommenden Tagen eine Entscheidung über Veränderungen bei der Naturpark-Verordnung Saar-Hunsrück durch die Struktur- und Genehmigungs-Direktion in Koblenz fallen wird. "Ab vom Schuss" zu sein, macht den Beurenern nichts aus. Die 30 Kilometer nach Trier nehmen viele gerne in Kauf. Denn: "Wir haben hier eine Dorfgemeinschaft ohne gleichen", sagt ein Mittvierziger und verschwindet im Supermarkt - zum Einkauf oder zum Plausch.