Tausche Teller gegen Bettwäsche

Ab sofort hält ein Umsonstladen, eine Art Tauschbörse für Haushaltswaren, in der Hermeskeiler Kindertagesstätte Adolph Kolping seine Türen für Interessierte offen. Der Bedarf dafür ist da, wie erste Erfahrungen zeigen.

Hermeskeil. Die ersten Kunden in der Hermeskeiler Kindertagesstätte Adolph Kolping schauen sich noch etwas zögerlich um. Noch ist es ungewohnt, dass sie sich in dem neuen "Umsonstladen", der insbesondere Hausrat vorhält, einfach so bedienen können. Selbst die Kinder stürmen nicht gleich los, obschon es sie unweigerlich zu dem Regal mit den Spielsachen zieht sowie zu den Trolleys und den Fahrrädern samt Zubehör.
Eltern sollen Laden übernehmen


Tanja Schneider, eine der Mütter der Kindergartenschützlinge, begrüßt die Initiative, die einer Tauschbörse ähnelt: "Das Angebot ist sehr gut - und man hat immer etwas, das man hergeben kann, und es gibt auch immer etwas, das man gebrauchen kann." Eine andere Frau, Mutter von fünf Kindern, hat sich schon einige Gläser gesichert. Die fehlten derzeit im Küchenschrank, sagt sie. Aber auch für Kinder gebe es schöne Sachen im neuen Umsonstladen.
Vorerst wird der von der Interkulturellen Fachkraft Irina Konrad betreute Laden, um den sich langfristig Eltern kümmern sollen, zeitgleich mit dem Elterncafé einmal im Monat öffnen. In dringenden Fällen werden sich Eltern dort aber auch zwischendurch mit Geschirr und Bettwäsche oder Elektrogeräten, für die es immer Abnehmer gibt, eindecken können. Denn dafür hat das Team um Leiterin Katja Ludes die Initiative ins Leben gerufen. Eine Familie hatte dringend ganz alltägliche Haushaltsartikel benötigt, die dank der Spendenbereitschaft der Kindergartenmitarbeiter binnen weniger Tage beisammen waren.
Als Eltern weiterhin Haushaltsartikel abgaben, die immer Abnehmer fanden, war der Weg für den Umsonstladen im Obergeschoss geebnet. Manchen Familien, wie sozial schwachen oder Migrantenfamilien, fehlten einfach die notwendigsten Dinge, begründet Ludes. Es gebe zwar Kleiderkammern oder die Hermeskeiler Tafel. Doch eine Möglichkeit, sich mit dem üblichen Hausrat einzudecken, habe den Eltern des Kindergartens, der 75 Kinder aufnehmen kann, bisher gefehlt. Nun hofft sie, dass möglichst viele Spenden eingehen für den Laden, der über einen separaten Eingang verfügt. Eltern, die Dinge bräuchten, müssten nicht durch das ganze Haus laufen. Welche Artikel am meisten benötigt werden, kann sie nicht sagen. Dafür fehlten noch ausreichende Erfahrungswerte.
Ludes hatte schon länger nach einer Lösung gesucht, Familien in Notlagen helfen zu können. Die Realisierung ermöglichte laut Sandra Steffens, Leiterin des Trägers, der Trierer KiTa gGmbH, das Programm "Mittel.Punkt - die Familienkitas" (siehe Extra). Die Initiative der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) und der Nikolaus Koch Stiftung habe "die Vision" wahr werden lassen. Mit Carolin Schmidt von der DKJS hatte der Kindergarten das passende Förderpaket-Paket (siehe Extra) geschnürt. So profitieren Kinder beispielsweise von zusätzlichen Bewegungs- oder Sprachangeboten. Eltern können Vor-Ort-Sprechstunden nutzen, die Ärzte, Sozialpädagogen, Lebens- und Schuldnerberater anbieten. Außerdem können ihre Kinder sie einmal im Monat zum Mittagessen im Kindergarten einladen. Mittel.Punkt, DKJS und Nikolaus Koch Stiftung: Seit 1994 gibt es die gemeinnützige Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS). Die Bildungsstiftung setzt sich für gute Startbedingungen von Kindern und Jugendlichen ein. Sie sollen optimal aufwachsen, lernen und ihre Stärken entwickeln können. Die DKJS hilft, Zuständigkeiten und Verwaltungsebenen zu überbrücken und bringt Nutzer (Kinder, Jungendliche und deren Begleiter), Entscheider (Politiker, Förderer, Verwaltungen) und Unterstützer (Wissenschaft, Medien, Privatpersonen) zusammen. Mit der Nikolaus Koch Stiftung hat die DKJS das Programm "Mittel.Punkt - die Familienkitas" ins Leben gerufen. Es unterstützt fünf ausgewählte Kindertagesstätten - Adolph-Kolping (Hermeskeil), Leuchtturm (Trier), Bombogen (Wittlich), St. Marien (Niederprüm), Emmaus (Gillenfeld) - im Interesse frühkindlicher Bildung mit Eltern und Bildungspartnern zu kooperieren. Ziel ist, Kinder in ihrem sozialen Umfeld bestmöglich zu fördern, sie "auf ihrem Weg zum Mittelpunkt" zu begleiten. urs