Saar-Riesling-Sommer 2019: Tausende auf Saar-Wein-Tour

Saar-Riesling-Sommer 2019 : Tausende auf Saar-Wein-Tour

Mehr als 4000 Besucher verzeichnet der neunte Saar-Riesling-Sommer, ein Rekordansturm. Warum die Reihe ihre Erfolgsgeschichte fortschreibt – und warum die Veranstalter trotzdem eine Manöverkritik ankündigen.

Die Kelterhäuser, Probierstuben, Fasskeller, Orangerien, Lagerräume, Wohnzimmer, Terrassen, Zelte, Gärten, Parks, Innenhöfe und Außenanlagen von dreizehn der renommiertesten Weingüter an der Saar zwischen Konz und Saarburg sind am Samstag und Sonntag überwiegend pickepackevoll, keineswegs jedoch überfüllt. Der Rekordansturm von über 4000 Besuchern beim neunten Saar-Riesling-Sommer sorgt daher bei gleißendem Sonnenschein für strahlende Gesichter bei den Winzern und ihren Verkostern.

Die sind aus aller Herren Länder in die Region gekommen, um in einer wahren Tour de Force ihre Standfestigkeit und Probenhärte einer echten Prüfung zu unterziehen, gibt es doch über 300 Weine vom jungen Saar-Kabinett bis zum gereiften Roten aus Portugal oder Spanien zu degustieren. Oder sie lassen es langsam angehen und probieren in einigen als besonders interessant angesehenen Weingütern die Palette. So wie die vier jungen Niedersachsen, die am Samstagmittag im neuen Weingut Van Volxem sitzen und gar nicht mehr wegwollen: „Hier ist es so schön, wir bleiben jetzt erst mal.“

Die architektonisch spektakuläre Weinmanufaktur von Star-Winzer Roman Niewodniczanski ist zum ersten Mal Etappe der Tour und wie erwartet der Besuchermagnet, die vielfach ausgezeichneten Weine tun ein Übriges. Das neidet dem „Niewo“ übrigens niemand – der Zusammenhalt der Saarwinzer ist stark. Johannes Fischer vom Bocksteinhof, der wiederum auf seinem Gut den jungen Winzern Apel aus Nittel, Rinke aus Mertesdorf und Philipps aus Ayl Probierstände bietet, sagt zum Erfolg des Kollegen: „Ja, toll, das muss so sein!“ Aber auch an den anderen Stationen herrschst Hochbetrieb, und deren Weine brauchen sich hinter den Van-Volxem-Gewächsen nicht zu verstecken. „Exzellente Säurestruktur, mineralische Töne, eingebundene Restsüße und exotische Fruchtaromen“ bescheinigt ein schwedischer Weinexperte und Sommelier aus Stockholm beispielsweise den Weinen von Dorothee Zilliken aus Saarburg, die er zusammen mit Kollegen aus Deutschland probiert. Daneben sind viele privat interessierte Weinfreunde aus der Region dabei, denen der Spaß an der Sache ins Gesicht geschrieben steht. Sogar eine Gruppe junger Damen, die einen Junggesellinnen-Abschied feiern, ist zu bestaunen. Alterslos und klassenlos ist die Riege der Genießer.

Und sie kommen auch kulinarisch auf ihre Kosten. Das Angebot ist wegen der starken Nachfrage der vergangenen Jahre deutlich gewachsen, mittlerweile gibt es an zwölf von 13 Stationen Food-Angebote: Pizza, Baguette, Roastbeef, Sushi, Burger, regionaler Käse, Pasta, Eis, so lautet ein kleiner Auszug aus dem mehr oder weniger umfangreichen Angebot. Dass es hier und da etwas dauert oder das Sushi zu spät am Start ist? Geschenkt!

Über Promillegrenzen oder mangelnde Ortskennnisse braucht sich niemand Sorgen zu machen, 40 Shuttlebusse mit freundlichen und bestens informierten Fahrern chauffieren die Menschen im Minutentakt hin und her. Das funktioniert, die Gäste sind voll des Lobes.

Am Rand der Veranstaltung gab es allerdings auch kritische Stimmen von Stammgästen zum gastronomischen Konzept des Eröffnungsdinners am Freitagabend. So erschienen einigen Besuchern beispielsweise die Portionen als zu klein, allerdings hätten sie sich auch einen Nachschlag holen können. Die insgesamt sehr zufriedenen Veranstalter versprechen eine gründliche Manöverkritik.

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