Tausende Bäume sollen für Ortsumgehung fallen
Besseringen · Dass rund 120 000 Quadratmeter Stadtwald der geplanten Besseringer Ortsumgehung zum Opfer fallen sollen, ist für den Besseringer Dieter Jennen ein Unding. Mit aller Macht will er die Ortsumgehung verhindern.
(mst) Dieter Jenne hat sich mit Gleichgesinnten zu der Interessengemeinschaft (IG) Kreimetsberg/Schinderberg zusammengeschlossen. Nicht nur die Sorge um die Wasserqualität, die er durch den Bau der Ortsumgehung in Gefahr sieht, treibt ihn um - sondern auch die Angst vor der Abholzung des Waldes. Durch den Bau der Straße werde der Wald zerschnitten, sagt er.
"Die Trasse durch die hügelige Waldlandschaft zu bauen ist für ihn "ein gigantischer Eingriff in die Natur", der nie und nimmer ausgeglichen werde könne. Alte Baumbestände, "ein ökologisches Erbe", wie Jennen sagt, gingen unwiederbringlich verloren.
Seine Befürchtung stützt er auf die Umweltverträglichkeitsprüfung, die im Auftrag des Landesamtes für Straßenbau verfasst worden ist. Darin kommen die Fachleute zu dem Schluss, dass ein 3,4 Quadratkilometer großes Waldgebiet belastet werde. "Trotz aller Ausgleichsmaßnahmen entsteht ein sehr gravierender Eingriff in die einzelnen Vegetations- und Biotopkomplexe", so die Experten. Vorbelastet sei das Terrain durch die Querspange, die im November 2000 fertiggestellt worden ist.
Nicht nur wegen des totalen Verlustes des Landschaftsbildes empfehlen die Fachleute, auf den Straßenbau zu verzichten. Sie sehen auch die Gefahr, dass sich die Luftqualität in dem als Luftkurort ausgezeichneten Merziger Stadtteil verschlechtere.
"Zu dem Verkehr in der Bezirksstraße, der beträchtlich bleiben wird, kommt dann noch ein gesteigertes Verkehrsaufkommen auf der Umgehungsstraße", meint Jennen. "Vor allem bei ruhigen Wetterlagen werden die Kaltströme aus dem Waldgebiet die belastete Ortslage nicht mehr - wie bisher - mit Frischluft versorgen können. Stattdessen werden ihr Schadstoffimmissionen von der Umgehungsstraße zugeführt."
In der September-Sitzung des Merziger Stadtrates hatte eine Mehrheit dem Verkauf des Bürgerwaldes an den Bund zugestimmt. Die Fraktion der Grünen stimmte dagegen - mit Verweis auf Umweltschutz und Trinkwassergefährdung.
"Bereits 1993 haben die Stadtwerke Bedenken geäußert, da sie eine Gefährdung für die regionale und überregionale Wasserversorgung befürchten," sagt Grünen-Fraktionschef Klaus Borger. Für ihn ist die Ortsumgehung "ein ökologischer und ökonomischer Wahnsinn". Die Grünen lehnten daher die Verantwortung für die Folgeschäden für die Allgemeinheit ab.
Für Borger unverständlich: Die Alternative zu der jetzt geplanten Trassenführung sei gar nicht diskutiert worden. Diese verlaufe vom Mettlacher Gewerbegebiet Haardt bis zur Britter Straße, der L 158. "Zusammen mit der Nordumgehung könnte diese eine Entlastung für die gesamte Stadt bringen", ergänzt Borger.