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Tausende von Gästen strömen zum Viezfest

Tausende von Gästen strömen zum Viezfest

Merzig. (red) Von wegen, nur die Münchner können Oktoberfest feiern! In Merzig ging es eine Woche lang genau so zünftig rund. Und weil sie in der Kreisstadt noch zusätzliche Kraft zum Feiern übrig hatten, wurde das 37. Merziger Viezfest einfach in die Festwoche integriert.

"Guten Morgen", hieß es bei den Standbetreibern des Merziger Viezfests in der Merziger City. Aber nicht "Wie geht's?" wurde weiter gefragt, sondern "Seid Ihr gerüstet?" Das waren sie, angefangen beim Malteser Hilfsdienst, der mit 50 Helfern seine Zelte am Seffersbach aufgeschlagen hatte bis hin zu den 80 Merziger Schrebergärtnern der Bahn-Landwirtschaft Saarbrücken, die schon am frühen Vormittag ihren legendären Scampi-Salat aufgetischt hatten. Überhaupt zum Thema Essen: Menschen mit einem erhöhten Cholesterinspiegel waren gut beraten, um dieses Fest einen Bogen zu machen. Allein schon der Duft ließ sie hier leiden, allen voran der verlockende Geruch gebratener Blutwurst mit Zwiebeln, ein Wahrzeichen des Viezfestes mit seinen 37 Ess-Ständen, genauso viele, wie das Fest Jahre auf dem Buckel hat. Doch das war Zufall. Kein Zufall war hingegen, dass kaum Essenswünsche offen blieben. Auch kein Zufall: Bis Mitternacht war zeitweise kein Durchkommen mehr in der Feststraße, so viele Tausende und Abertausende von Besucher kamen nach Merzig - zum Viezen und Schlemmen. Der Samstag hatte ziemliches Sprachengewirr in die Poststraße gebracht. Saarländische Dialekte vermischten sich mit Letzeburgisch und Französisch beim Rundgang der Viezkönigin und ihrer Prinzessinnen von Stand zu Stand - mit viel Prominenz im Gefolge. Doch vorher stand vorm Stadthaus die Inthronisation der neuen Viezkönigin an. Pünktlich hatte es zu regnen aufgehört, gegen Mittag erschien endgültig die Sonne. Bembelmäßig ausgestattet, das heißt mit "Viezkrug am Bande" um den Hals, erschienen die Ehrengäste vor dem Stadthaus. In Festgewändern tummelten sich königlicher Hofstaat, Linsen-, Freeschen- und Weinköniginnen in der Merziger Innenstadt, um der Krönung einer weiteren Majestät beizuwohnen. Die Wartezeit verkürzte zackige Musik von den drei Bühnen in der City. Der frühere ARD-Sportkoordinator Werner Zimmer begrüßte als Moderator des Vormittags eine große Schar von Festbesuchern, Gäste und natürlich den Schirmherrn desViezfests, Bürgermeister Serge Lamaison aus Merzigs Partnerstadt St. Médard-en-Jalle in der Nähe von Bordeaux. Zimmer warnte: Er habe in Merzig beim Viezfest schon manchen Schirmherrn straucheln sehen, aber die meisten hätten doch heldenhaft durchgehalten. Der 85-jährige Merziger Hotelier Alfred Merll als einer der Gründer des Viezfests wurde von OB Alfons Lauer mit einer Ehrenurkunde ausgezeichnet, und endlich erhielt die 36. Merziger Viezkönigin Melanie I. ihre Insignien der Macht, Krone und Schärpe, und dazu noch einen Dienstwagen für das Jahr ihrer Herrschaft. Der Merziger Schützenverein eröffnete das 37. Viezfest mit einer Salve von Böllerschüssen und die Sonne verwandelte eines der größten Volksfeste im Südwesten in einen Wohlfühltag.