Tawern, Tempel und Merkur

TAWERN. Mit der bedeutungsvollen römischen Herkunft von Trier kann das kleine Tawern nicht mithalten. Aber: Von der Hand zu weisen ist die römische Geschichte des Ortes ganz und gar nicht. Der Verein "Römisches Tawern" hält die Historie wach.

Nicht alles, aber doch vieles dreht sich bei dem Verein "Römisches Tawern" um die Tempelanlage aus der Römerzeit hoch oben auf dem Metzenberg. Die arbeitsintensiven Monate liegen in der Sommerzeit, wenn Führungen "zu allen Tages- und Nachtzeiten" (Vorsitzender Gerhard Michel) von Besuchergruppen nachgefragt werden. Da könnte Michel so manche Zusatzschicht einlegen in seinem ehrenamtlichen Engagement und sein häusliches Domizil gleich auf dem Metzenberg aufschlagen. Herumgesprochen haben sich die Führungen bis nach Luxemburg, die Niederlande oder Ostdeutschland. Teilnehmer sind Schulklassen mit Latein-Hintergrund sowie Gruppen jedweder Couleur. Den größten Spaß hat Geschichtsführer Michel mit Kindergarten-Gruppen, weil die Kleinen in dem Alter so spontan reagieren oder Fragen stellen. Im Winterhalbjahr kann sich Gerhard Michel mehr den Dingen widmen, die nicht in ganz unmittelbarem Zusammenhang der Führungen durch den historischen "Römischen Tempelbezirk Tawern" stehen. Über mangelnde Beschäftigung klagen muss er keineswegs. Die in der Hauptsaison aufgeschobenen Dinge gilt es aufzuarbeiten, und auch die bevorstehende Saison will gut vorbereitet werden. Dabei wird wiederum das ganze Organisationsgeschick des früheren Filialeiters einer großen Versicherungsgruppe verlangt. Alles alleine stemmen muss Michel natürlich nicht: Unterstützung kommt vom acht Leute umfassenden Vereinsvorstand. 107 Mitglieder zählt der Verein derzeit. Gründungsvorsitzende war Annemie Greif. Nach acht Jahren reichte sie das Amt an ihren Nachfolger weiter. 20 Jahre sind es her, da die großflächige Tempelanlage vom Trierer Landesmuseum freigelegt und teilweise rekonstruiert wurde. Der Gott Merkur war (und ist) die zentrale Figur der Anlage. Viele Münzen und Weihegaben, die auf dem Metzenberg gefunden wurden, seien den Gelübden von Händlern und Reisenden zu verdanken, die ihr Reiseziel, das römische Trier, von hier aus erstmals im Blickfeld hatten, für die bis hierher glückliche Reise dankten oder Opfer für gute Geschäfte und eine glückliche Heimkehr darbrachten. Darauf weist Gerhard Michel auch bei seinen Führungen hin. Den Zweck des Vereins beschreibt er zusammengefasst so: "Förderung des römischen Kulturgutes, Freilegung, Konservierung, Sicherung und Pflege von vorgeschichtlichen Denkmalen, Öffentlichkeitsarbeit und die Durchführung von fachkundigen Führungen." Merkur steht im Mittelpunkt

Einen Hauptpunkt dabei bildet das aufgestellte Ebenbild des römischen Gottes Merkur. Die 2,08 Meter große Statue wurde im Vereinsauftrag von dem Saarbrücker Künstler Frank Schneider nach dem Vorbild des gefundenen Merkurkopfs hergestellt. Der Bildhauer ergänzte dann noch die restlichen Körperteile und malte die Figur, angelehnt an die ursprünglichen Erdfarben, aus. Michel: "Am Ende des Rundgangs sind die Leute oft begeistert und geben zu, dass sie so etwas nicht erwartet hätten." Ein großes Tempelfest gab es in der Vergangenheit, und auch Eheschließungen oder "ausschweifende Essen nach Art der Römer" wurden bereits veranstaltet. Geöffnet ist die Tempelanlage ganzjährig. Die geführten Rundgänge werden allerdings nur in den Monaten Mai bis September angeboten. Führungen von Mai bis September jeweils sonntags von 14 bis 16 Uhr. Sonderführungen oder Gruppenführungen nach Absprache jederzeit. Kontakt: Gerhard Michel, Tawern, Telefon 06501/17969.