Technische Informatik: Schüler lieben's praktisch

Konz/Trier/Schweich · Die Fachoberschule (FOS) Technische Informatik in Konz hat die ersten Monate hinter sich, im neuen Schuljahr startet die FOS Schweich mit den Zweigen Wirtschaft und Gesundheit. Berufsbildende Schulen sehen die praxisorientierten neuen Schulformen im Kreis mit Skepsis.

Diese 39 Jungen sind im Sommer an der FOS in Konz eingeschult worden. Heute besuchen noch 37 Jugendliche die Schule. TV-Foto: Archiv/Christian Kremer

Konz/Trier/Schweich. Im August 2013 ist die erste FOS im Kreis gestartet. Sie ist der Realschule plus in Konz angegliedert und hat die Fachrichtung "Technische Informatik". Man habe positive Rückmeldungen der knapp 40 Schüler und der Lehrer, sagt Schulleiterin Gabriele Schmidt. Praktikumsstellen zu finden, sei kein Problem gewesen. Neben Konzer Firmen (etwa Volvo) und Bilstein (Mandern) hätten auch Betriebe in Mettlach und im Industriepark Region Trier in Föhren Stellen zugesagt. Einer der Schüler ist Timo Greißl (16) aus Langsur. Er schaut derzeit an drei Wochentagen den IT-Leuten beim Trierischen Volksfreund über die Schulter und ist vom Praktikum begeistert: "Das ist viel spannender als Schule." Die FOS Konz und die Berufsbildende Schule Wirtschaft Trier haben vereinbart, ihre Oberstufenkonzepte an der jeweils anderen Schule vorzustellen. Die Realschule plus Konz lädt für Samstag, 30. November, alle Viertklässler mit ihren Eltern zum Tag der offenen Tür eine (siehe Extra). "Konkurrenzdenken bringt keinem was", sagt Reinhold Hoffmann von der Berufsbildenden Schule Wirtschaft (BBS) in Trier, "das Wichtigste ist doch, dass die jungen Leute den für sie richtigen Weg finden."
Dennoch ist er der Auffassung, dass die Fachoberschulen wegen ihres beruflichen Angebots an eine Berufsschule gehören und nicht an Realschulen. Sie dort anzugliedern, sei politisch gewollt gewesen, benachteilige aber die Berufsschulen. So verlören Oberstufenschüler der Berufsbildenden Schule Zeit, weil sie ihr viermonatiges außerschuliches Praktikum meist erst nach Erlangung der FH-Reife absolvieren könnten und verpassten dadurch - im Gegensatz zu den FOS\'lern - den Studieneinstieg im Herbstsemester.
An der Realschule plus in Schweich laufen die Vorbereitungen für die FOS auf vollen Touren. In diesen Tagen bereist Schulleiter Jürgen Nisius das potenzielle Einzugsgebiet der FOS; es ist groß und reicht von Wittlich bis Saarburg. Zwei Klassen mit den fachrichtungen Wirtschaft und Verwaltung sowie Gesundheit und Soziales mit Schwerpunkt Gesundheit werden an der Realschule Schweich gebildet. Mit der Fachoberschule Technische Informatik in Konz werde er sich eng abstimmen, sagt Nisius. Einige frühere Schüler von ihm seien zur Technik-FOS nach Konz gewechselt, nun hofft er auch auf Zuwachs aus der Region Konz für seine FOS-Zweige.Meinung

Wettlauf um den Nachwuchs
Fachoberschulen gibt es mittlerweile bundesweit. Das eng verzahnte duale System von Unterricht und Berufspraxis hat sich also offenbar bewährt. Auch Rheinland-Pfalz ist auf diesen Zug aufgesprungen. Der Grund liegt auf der Hand: Die Realschulen plus, in denen die Realschulen und die ungeliebten Hauptschulen zusammengeführt wurden, sollen gestärkt werden. Damit nimmt man allerdings in Kauf, dass der Wettbewerb mit den Berufsbildenden Schulen forciert wird und das Bildungssystem aus dem Gleichgewicht gerät. Eine Schulform in einer Zeit draufzusatteln, in der die Schülerzahlen abnehmen, kann nur bedeuten: Der Kampf um Schüler und Schulstandorte wird noch härter werden. Die Fachoberschule trägt zur weiteren Akademisierung im Bildungssystem bei, sie wildert im Revier der Berufsbildenden Schulen. Wenn Realschüler bis zum Fachabi im gewohnten Umfeld bleiben können und gleichzeitig die Möglichkeit haben, praktische Erfahrungen in Betrieben zu sammeln, wird die Bereitschaft sinken, nach der Mittleren Reife erst einmal eine Berufsausbildung anzustreben. Kein Wunder, dass die Kammern das kritisch sehen und um den Handwerkernachwuchs fürchten. a.follmann@volksfreund.deExtra

Fachoberschule (FOS): Prinzipiell können alle Schüler mit Sekundarabschluss I, also dem Zeugnis der zehnten Klasse, zur FOS. Voraussetzungen: Der Notendurchschnitt sollte mindestens 3,0 betragen, wobei in Deutsch, Englisch und Mathe keine 4 (ausreichend) auftauchen darf. Weitere Zulassungsbedingung ist der Nachweis einer Praktikumsstelle. Schon nach zwei Jahren haben Schüler die Fachhochschulreife in der Tasche und damit die Möglichkeit, an einer Fachhochschule (FH) zu studieren. Ein angehängtes Jahr an der Berufsoberschule II (BOS) in Trier bringt die allgemeine Hochschulreife und damit die Zulassungsvoraussetzung für eine Uni. Tag der offenen Tür: Einblick ins Schulleben und ihre Angebot (inklusive Fachoberschule und Wahlpflichtfächer) bietet die Realschule plus Konz am Samstag, 30. November, von 9 bis 12.15 Uhr. Alle Schüler der vierten Grundschulklassen und deren Eltern sind eingeladen. Von 10 bis 11.30 Uhr gibt es ein Betreuungsangebot für Kleinkinder. alf