Teil der Geschichte

Zum Artikel "Hauptbahnhof Konz blockiert Gleis in die Zukunft" (TV vom 10. Oktober) schreibt diese Leserin:

Es wundert schon sehr, wie negativ Herr Jaspers in seinem Artikel die beiden Konzer Bahnhofsgebäude wertet. Er beschreibt den Konzer Hauptbahnhof als "irgendwann einmal imposant gewesen", aber "heute ein verkommenes Bauwerk", das bestenfalls noch "ein Stückchen Folklore darstellt". Der Bahnhof in Karthaus wird gar als nur noch "abbruchreifer Schandfleck" dargestellt. Sind diese durchaus immer noch imposanten Gebäude nicht eher ein Teil der Geschichte einer Stadt, deren Identität zum großen Teil durch die Eisenbahn geprägt wurde? Die Entwicklung des Ortsbildes und der Bevölkerung ist seit dem Ende des 19. Jahrhunderts eng mit der Ansiedlung der Eisenbahn an dieser Stelle verknüpft. Dass Konz die "Erblast" gleich zweier solcher großer, aber auch prächtiger Bahnhöfe tragen muss, unterstreicht noch einmal, wie wichtig die Stadt (bzw. früher einmal die beiden Ortschaften Konz und Merzlich) als Standort für die Eisenbahn waren.Die Stadt Konz hat keine Vielzahl von römischen Bauwerken, keinen mittelalterlichen Stadtkern, mit dem sich ihre Bewohner identifizieren können. Sie hat aber zwei herausstechende Gebäude aus der Jahrhundertwende, die in der Denkmaltopographie Kreis Trier-Saarburg mit ganz anderen Worten beschrieben werden, als im Artikel.Von der "malerische Gesamtkomposition", dem "großen Seltenheitswert" von Einzelteilen und "Authentizitätswert des Stationsgebäudes" ist beispielsweise beim Karthäuser Bahnhof die Rede. Abgesehen davon, dass der abrissreife Zustand übertrieben scheint, zerfallen die Gebäude, weil sie sich selbst überlassen und keiner Nutzung zugeführt werden. In zahlreichen kleineren Städten gibt es das Problem der aufgegebenen Bahnhöfe und ihrer Umnutzung. Wenn dies auch eine schwere Aufgabe zu sein scheint, kann aber das Ergebniss letztendlich nur ein Gewinn für die Stadt sein.Christina Beck, Trier Kommunalpoilitik