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Temmelser Metzger eröffnet Paketstation für Frischfleisch (Video)

Temmelser Metzger eröffnet Paketstation für Frischfleisch (Video)

Innovation ist im Fleischerhandwerk besonders wichtig, weil die Konkurrenz zu Supermärkten sehr hart ist. Ein Metzger aus Temmels (Kreis Trier-Saarburg) hat zur Erweiterung seiner Öffnungszeiten ein deutschlandweit einzigartiges Konzept mit gekühlten Schließfächern entwickelt. Kunden können ihr Grillfleisch dort jederzeit abholen.

Es ist 15 Uhr, die Sonne scheint, die Lust auf eine spontane Grillparty am Abend steigt. Leider ist der Kühlschrank leer, und der Tag im Büro dauert noch bis 18 Uhr. Dann hat der Metzger mit den guten Schwenkern schon geschlossen. Was tun? Auf die Grillparty verzichten, oder Ware aus dem Supermarkt kaufen?

Vor diese Alternative werden in der Grillsaison wohl nicht wenige Arbeitnehmer gestellt. Fleischereifachbetriebe und oft auch die Kunden sind damit nicht glücklich.

"Es ist nicht leicht, als Fachgeschäft den Supermärkten standzuhalten", sagt Fleischermeister Peter Klassen. "Wenn ich mich von den Öffnungszeiten her gleichwertig aufstellen will, wird das extrem schwierig." Wenn er so redet, hat Klassen vor allem den Norma-Markt im Kopf, der am Montag, 11. April, in Temmels eröffnet wird.

Doch der findige Metzger steckt nicht den Kopf in den Sand, sondern geht in die Offensive gegen die Discounter-Konkurrenz. Einerseits hat er Wurst- und Fleischautomaten mit abgepackten Produkten vor seinem Geschäft aufgestellt, wie es sie schon häufiger in der Region gibt - zum Beispiel in Trier-Euren. Andererseits hat er ein Konzept ausgearbeitet: eine gekühlte Paketstation für Fleisch- und Wurstprodukte.

Seit Mitte März stehen vor seinem Laden 40 durchnummerierte rote Fächer. Sie erinnern an eine Paketstation. Klassen hat 80.000 Euro für das Projekt samt Überdachung investiert. In den Fächern sieht Klassen eine optimale Lösung, um sich gegen den neuen Supermarkt zu behaupten: "Wir bieten eine Dienstleistung an, die sonst keiner hat, ohne die Mitarbeiter zu triezen."

Zugleich bietet der Metzger seinen Kunden ein Stück Flexibilität: Sie können ihre Ware vorbestellen und abholen, wenn sie Zeit haben - auch lange nach Ladenschluss um 16.30 Uhr. Und es geht ziemlich einfach: Die Kunden rufen an und bestellen ihre Ware.

Am Telefon bekommen sie einen Code, mit dem sie später das Fach öffnen können. Auf dem Heimweg von der Arbeit machen sie kurz Halt an der Paketstation. Dort zahlen sie, geben den Code ein und nehmen ihre Ware aus dem Fach, das sich automatisch öffnet.

Gekühlte Schließfächer gehören nicht gerade zum Serienangebot. Doch Klassens Suche war erfolgreich. Mit Locktec hat er im bayrischen Weißenbrunn eine Firma gefunden, die seit 2007 gekühlte Schließfächer für ein Einkaufszentrum in der Schweiz herstellt. Seit 2015 nutzt auch eine französische Handelskette die Fächer, damit Kunden zu Hause bestellen und die Ware dann im Schließfach abholen können. Für den Temmelser Fleischer gab es noch eine Zusatzleistung: "Die Firma hat das Programm für die Fächer umgeschrieben, um den Bezahlvorgang zu integrieren", sagt Klassen.

Für das deutschlandweit einzigartige Konzept erntet Klassen Lob von der Handwerkskammer (HWK) Trier und vom Fleischereiverband. Gero Jentzsch, Pressesprecher des deutschen Fleischerverbands, sagt auf TV-Anfrage: "Diese technologisch ausgefeilte Lösung ist deutschlandweit einmalig."

Er könne sich vorstellen, dass andere Metzgereien es nachahmen. Das Fleischerhandwerk sei schließlich immer auf der Suche nach innovativen Vertriebsformen.

Christian Neuenfeldt, Referatsleiter Betriebsberatung bei der HWK, hält das Projekt für sinnvoll und innovativ. Er sieht nicht nur Vorteile für die Kunden. "Er kann seinen Mitarbeitern attraktive Arbeitszeiten erhalten und so mit dem luxemburgischen Arbeitsmarkt konkurrieren", sagt Neuenfeldt. Extra Fleischerhandwerk in der Region

Bundesweit verbucht das Fleischerhandwerk laut dem Zentralverband des deutschen Handwerks ein Umsatzplus von 1,5 Prozent. Dem entgegen steht aber der Rückgang von Betrieben. Laut Handwerkskammer Trier gab es 2004 noch 183 Fleischereibetriebe im Kammerbezirk, 2016 sind es 129. Noch deutlicher wird das beim Rückgang der Auszubildendenzahlen im Raum Trier: 2005 waren es noch 30 Fleischer-Azubis, heute sind es nur noch zehn. HWK-Referatsleiter Christian Neuenfeldt sieht eine Analogie zum Bäckerhandwerk, wo ähnliche Zahlen zu verzeichnen seien.

Trotzdem sei die Stimmung bei den verbleibenden Betrieben positiv. Das belege die aktuellste Konjunkturumfrage von November 2015, sagt Neuenfeldt. 80 Prozent der Metzgerbetriebe seien zufrieden mit der Geschäftslage, 90 Prozent gehen von einer positiven Entwicklung in der Zukunft aus. 30 Prozent wollen sogar neues Personal einstellen.

Gründe für die positive Einschätzung der Metzger sieht Neuenfeldt in den innovativen Geschäftsideen in der Branche. Neben Partyservice-Angeboten blühe zum Beispiel der Onlinehandel oder die Kooperation mit anderen Unternehmen, listet Neuenfeldt auf. Die Fleischerei Martin aus Trier zum Beispiel vertreibe ihre Produkte in den Kühltheken von Tankstellen in der Region. Neuenfeldt: "So bleibt die Wertschöpfung in der Region."

Hinzu kommen Veranstaltungen wie Steak-Tastings, Seminare oder Kochkurse. Diese Angebote gibt es gleich bei mehreren Fleischereien im Trierer Umland.