Temmelser wollen Ruhe am Ufer

Es summt und poltert: Die Temmelser Mosel-Anrainer beschweren sich über den Lärm, den das luxemburgische Unternehmen Tanklux auf der anderen Moselseite verursacht.

Temmels/Mertert. "Euer Lärm macht unsere Kinder krank", steht auf dem großen Banner, den die Temmelser an ihrem Moselufer anbringen. "Damit die da drüben mal lesen können, was sie hier anrichten", erklärt einer der Anwohner den Zweck der Aktion.

"Die da drüben", damit ist das luxemburgische Unternehmen Tanklux gemeint. Genau gegenüber der deutschen Obermoselgemeinde befinden sich mehrere Anlegestellen und Tanklager.

Dezibel-Zahl entspricht Lärm eines Rasenmähers

Fast täglich können die Anrainer beobachten, wie Schiffe leer gepumpt werden. Das ist nach Angaben der Anwohner eine der störenden Lärmquellen, über die sie sich beschweren. "Wenn die Schiffe nur noch halbvoll sind, dann schlägt die Pumpe so laut, dass Sie die Vibrationen im Haus spüren", erzählt der Temmelser Oliver Schenk. Er hatte von Juli bis Oktober vergangenen Jahres stündlich rund um die Uhr den Lärm gemessen und Werte von bis zu 75 bis 80 Dezibel notiert, an manchen Tagen mehrere Stunden lang, oft bereits um 4 Uhr morgens.

Diese Dezibel-Zahl entspricht in etwa dem Lärm eines Rasenmähers, wenn man neben ihm steht. Und auch die restliche Zeit liegen die Werte laut Tabelle durchschnittlich bei etwa 65 Dezibel (so laut wie ein PKW). Dieser soll unter anderem durch das summende Geräusch der Zentrifugen-Anlage verursacht werden. "Die Werte sind zwar nicht nach Din-Vorschriften zustande gekommen, sind für uns aber dennoch wichtige Anhaltspunkte", sagt Schenk.

Mit dieser Liste ist er an die Verbandsgemeindeverwaltung Konz herangetreten, die ihrerseits das Gespräch mit Tanklux-Geschäftsführer David Bollaert gesucht hat. Der Luxemburger zeigte sich kooperativ. "Der Austausch war gut", beurteilt Frieden das Miteinander. Bollaert hat offenbar auch Arbeiten an der Gas-Recycling-Anlage "Vapor Recovery Unit" veranlasst. Eine weitere Verbesserung sollte laut eines Schreibens an Karl-Heinz Frieden, Erster Beigeordneter der Verbandsgemeinde Konz, Ende Mai erfolgen.

Doch davon sei wenig zu spüren, so sagen die Temmelser. Zwar hätten sich die Belästigungen durch die Zentrifuge reduziert, doch zufrieden seien die Obermoselaner noch nicht. "Herr Bollaert hat versprochen, die Zentrifuge einzuhausen", sagt Schenk. "Doch da ist noch nichts passiert."

Außerdem schlage Schenk vor, die Tankschiffe im Richtung Mertert gelegenen Industriehafen zu beladen. Das sei für die Temmelser ruhiger und zudem sicherer. Denn wenn jetzt Öl auslaufe, sei es direkt in der Mosel, der Industriehafen könnte im Falle des Falles abgesperrt werden. Tanklux-Geschäftsführer Bollaert wollte sich auf TV-Anfrage zu diesem Thema nicht äußern.

Auch die Antwort des luxemburgischen Umweltministeriums auf die TV-Anfrage zu Lärm-Bestimmungen und ihrer Einhaltung durch das Tanklux-Unternehmen steht noch aus.

Gesprächs- und Verhandlungsbereitschaft signalisiert indes die Moselkommission im TV-Gespräch. "Wir werden das Thema mit in die Ausschüsse nehmen", sagte Patricia Bruckner, stellvertretende Sekretärin der Moselkommission.

Dort könne es zwischen den deutschen, luxemburgischen und französischen Vertretern zumindest erörtert werden, auch wenn die Moselkommission nichts entscheiden könne. Und auch das rheinland-pfälzische Umweltministerium möchte mit seinen luxemburgischen Kollegen die Problematik besprechen.

Immerhin, denn laut Umweltministerium gebe es keine juristische Handhabe in Form von europäischen Vereinbarungen zu dieser Problematik.

Zurzeit läuft eine Umweltverträglichkeitsprüfung für den ganzen Hafen, weil eine Kaianlage eingerichtet werden soll. Die Gemeinde Temmels und die VG-Verwaltung warten gespannt auf das Ergebnis.