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Text von Rechtsrockern an Gräbern: Flugblätter auf Friedhöfen in Kastel und Konz gefunden

Text von Rechtsrockern an Gräbern: Flugblätter auf Friedhöfen in Kastel und Konz gefunden

Unbekannte haben an Allerheiligen Flugblätter auf dem Ehrenfriedhof in Kastel-Staadt und auf den Soldatengräbern des Friedhofs Sankt Nikolaus in Konz verteilt. Auf ihnen stand ein Text der Rechtsrock-Band Heiliger Krieg. Darin wird der Soldatentod für die Heimat verherrlicht.

Stuka-Bomber stürzen sich in den Kampf und werfen Bomben ab. SS-Soldaten sitzen auf Panzern und ziehen in den Krieg. Filmsequenzen zeigen brennende Dörfer und deutsche Soldaten, die Gefangene abführen. Was sich nach einem Propagandafilm aus der Zeit des Nationalsozialismus anhört, ist tatsächlich ein Musikvideo. Es bebildert den Titel "Mein Herz" der Rechtsrock-Band Heiliger Krieg. Zwei Mitglieder dieser Gruppe waren früher in einer anderen Band aktiv, die als kriminelle Vereinigung verboten wurde.

Weniger martialisch, dafür aber umso gespenstischer muss es Allerheiligen auf dem Ehrenfriedhof in Kastel-Staadt ausgesehen haben. Ein Zeuge, der namentlich nicht genannt werden möchte, berichtet, dass auf den großen Kreuzen Kerzen standen. Außerdem lagen auf etlichen Grabsteinen Flugblätter mit zwei verschiedenen Texten: auf einer Blattseite war das Lied "Mein Herz" abgedruckt, auf der anderen konnte man lesen, dass "zwölf Millionen Tote nach dem Ende des Krieges durch Feindeshand zu Tode gekommen sind". Der Text von "Mein Herz" verherrlicht den Kampf der Soldaten im Frankreich- und Russlandfeldzug der Wehrmacht "für ihr Heimattal". Feinde werden zu "blutrünstigen Horden" oder zu einer "Raubtierschar". Und weiter: "Ein süßer Trost ist es, wenn ich sterbe."

Der Leiter der Polizeiinspektion Saarburg, Markus Kohl, bestätigt den Vorfall. Es habe auf jedem Grabstein ein Flyer gelegen, sagt er. Er erklärt auch, dass die gleichen Flugblätter an Allerheiligen auf dem Soldatengräbern des Friedhofs Sankt Nikolaus in Konz verteilt lagen.

Der Pressesprecher der Konzer Verwaltung, Michael Naunheim, bestätigt, dass der städtische Bauhof die Flugblätter vom Friedhof St. Nikolaus entfernt habe, die dort auf jedem der für die Soldaten aufgestellten Kreuze lagen. Die Flugblätter seien auch auf dem Friedhof St. Johann in Könen verteilt gewesen, sagt er. Und: "Das war nicht das erste Mal der Fall." Ähnliche Flugblätter seien schon im November 2015 verteilt worden. Die Verwaltung habe Anzeige erstattet.

Kohl hält das "Soldatengedicht" strafrechtlich nicht für relevant, "den Tatbestand der Volksverhetzung dürfte der Text nicht erfüllen", sagt Kohl. Zurzeit prüft laut Polizeipräsidium Trier das Kommissariat, das für Staatsschutzdelikte zuständig ist, den Vorfall. Karl-Peter Jochem betont, dass dessen abschließende strafrechtliche Bewertung noch ausstehe und mit der zuständigen Staatsanwaltschaft Trier abgestimmt werden müsse. Der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Trier weist aber auch darauf hin, dass die Staatsanwaltschaft Frankfurt/Oder (Brandenburg) den Text im Jahr 2015 als strafrechtlich nicht relevant beurteilt hat.

Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier, die für das Land über den Ehrenfriedhof in Kastel-Staadt die Aufsicht ausübt, missbilligt die Flugblattaktion. "Wir haben, nachdem wir davon gehört hatten, umgehend die Polizei eingeschaltet und Strafanzeige erstattet", sagt Eveline Dziendzol. Die ADD-Pressesprecherin fügt an, dass der Schutz dieser frei zugänglichen Flächen schwierig sei. "Vorfälle dieser Art lassen sich leider kaum verhindern", bedauert sie.

Aktionen von Rechten in der Region Trier sind auch am Mittwoch ab 14 Uhr in Konz im Kloster Karthaus Thema bei der Demokratiekonferenz. Referent ist der Politikwissenschaftler Markus Linden aus Trier. Er spricht über Rechtspopulismus - lokal, bundesweit, in Europa".Meinung

Feige und geschmacklos

Von Alexander Schumitz

Wie das Verteilen der Flugblätter mit dem Text der Rechtsrock-Band "Heiliger Krieg" auf Soldatengräbern strafrechtlich zu beurteilen ist, ist Aufgabe der Justiz. Jedenfalls ist es geschmacklos. Einen Text auf Gräber von Gefallenen zu legen, der den Soldatentod verherrlicht, ist anmaßend. Denn viele der jungen Soldaten, die in Kastel und in Konz ruhen, hätten bestimmt lieber den Zweiten Weltkrieg überlebt, statt in einen hoffnungslosen Kampf zu ziehen und zu sterben. Für sie war der "Tod fürs Vaterland" nicht "süß", sondern bitter. Dass die Autoren der Flugblätter anonym bleiben, ist zudem feige. Sie mögen vielleicht nicht den eigenen Soldatentod fürchten, aber ihnen fehlt offensichtlich der Mumm, sich öffentlich der Diskussion zu stellen. saarburg@volksfreund.deHintergrund Terroristische Vereinigung

Text von Rechtsrockern an Gräbern: Flugblätter auf Friedhöfen in Kastel und Konz gefunden
Foto: privat
 Diesen Abdruck eines Lieds der Rechtsrock-Band Heiliger Krieg haben Unbekannte an Allerheiligen auf dem Ehrenfriedhof in Kastel-Staadt und auf den Soldatengräbern des Friedhofs Sankt Nikolaus in Konz verteilt.
Diesen Abdruck eines Lieds der Rechtsrock-Band Heiliger Krieg haben Unbekannte an Allerheiligen auf dem Ehrenfriedhof in Kastel-Staadt und auf den Soldatengräbern des Friedhofs Sankt Nikolaus in Konz verteilt. Foto: privat
Text von Rechtsrockern an Gräbern: Flugblätter auf Friedhöfen in Kastel und Konz gefunden
Foto: privat

Die Rechtsrock-Band "Heiliger Krieg" ist etwa 2010 hervorgegangen aus der Band Race War (auf Deutsch: Rassenkrieg) aus Schwäbisch Gmünd (Baden-Württemberg). Die Mitglieder von Race War sind Ende 2006 wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung zu mehrmonatigen Freiheitsstrafen verurteilt worden. Der Sänger der Gruppe Race War, Max Hirsch, ist auch Gründer von Heiliger Krieg. Die Band tritt auf Rechtsrock-Festivals im In- und Ausland auf. Mehrere Musikstücke der Gruppe auf einem Sampler sind von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien auf den Index gesetzt worden. Das heißt, dass sie nicht öffentlich ausgelegt werden dürfen und nur auf Nachfrage an Kunden verkauft werden dürfen, die älter als 18 Jahre sind. itz