Maja Brandscheit aus Serrig: Theater mit kleinen Leuten ist ihre große Leidenschaft (mit Bilderstrecke)

Maja Brandscheit aus Serrig : Theater mit kleinen Leuten ist ihre große Leidenschaft (mit Bilderstrecke)

Seit mehr als 20 Jahren macht Maja Brandscheit Theater mit Kindern. Die Stücke schreibt sie selbst und auch die Kostüme schneidert sie. Am Wochenende ist es wieder so weit: 100 kleine Schauspieler treten in der Saarburger Stadthalle auf.

Es war wie immer: Noch vergangene Woche hat Maja Brandscheit ihr aktuelles Stück, das um die 100 Kinder verschiedener Schulen am Wochenende aufführen werden, umgeschrieben. Diesmal hat sie nur Textpassagen leicht angepasst. Oft genug muss sie noch weitere Rollen einflechten, weil Kinder unbedingt doch noch mitspielen wollen. In diesem Jahr kam es deshalb zur exorbitanten Mausvermehrung. Statt der anfangs vier Museumsmäuse wuseln im Stück in „Als die Bilder sprechen lernten... “ nun 14 der kleinen Nager über die Bühne. Entspannt meint die 70-Jährige: „Da bin ich ganz flexibel.“

Brandscheit verfügt über eine Menge an Erfahrung mit kleinen Menschen. Seit 23 Jahren inszeniert die Serrigerin Theaterstücke mit Kindern. 41 Jahre lang hat sie als Lehrerin an der Grundschule Irsch gearbeitet, „ihrer Schule“, wie sie sagt. Denn als Lehramtsanwärterin hat sie dort angefangen, wurde schließlich Schulleiterin und ist bis 2014 geblieben. 41 Jahre lang hat sie gearbeitet, ein Jahr länger als üblich. Sie wollte unbedingt noch ein paar Projekte beenden – unter anderem ein Theaterprojekt. Die heutige Schulleiterin Bettina Bortz unterstützt Brandscheits Theater gerne – kein Wunder, hat sie doch auch schon mitgespielt, als ihre Vorgängerin an die Schule kam.

Ein Faible für Kunst, Musik und Theater hatte Maja Brandscheit schon immer. Dennoch hat sie zunächst Ernährungswissenschaften studiert, schwenkte dann aber um auf Lehramt in Mathe, Biologie und Chemie. Denn mit Kindern zu arbeiten, hatte der Frau mit vier jüngeren Geschwistern schon immer Spaß gemacht. Als Pädagogin absolvierte sie Fortbildungen in darstellendem Spiel.

Bei den ersten Theaterstücken, die sie an der Irscher Grundschule inszenierte, orientierte sie sich an pädagogischen Vorlagen. Prompt wurde das Stück „Die Kinderbrücke“ wie viele weitere auch ausgezeichnet. Das bewog Brandscheit dazu, Neues auszuprobieren. Sie schrieb eine bereits veröffentlichte Geschichte um, musste aber die Erfahrung machen, dass Aufführungsrechte nicht ganz billig sind. Brandscheit: „Da dachte ich mir: Du kannst selber Geschichten erfinden!“ Ihre Ideen begegnen ihr im Alltag. Auf das aktuelle Stück kam sie, als sie in ihrem Malkurs für Erst- bis Drittklässler versuchte, den Kindern bekannte Künstler nahe zu bringen. Brandscheit: „Für die Kinder war das so ,na ja’. Dann dachte ich, wenn ich hinter jedem Bild eine Geschichte verstecke, merken sie sich die Bilder und Maler eher.“ So habe es im Malkurs dann auch besser funktioniert.

„Das Interesse für Kunst bei den Kindern zu wecken ist wichtig“, sagt die Pädgogin. Doch mit ihrer Theaterarbeit verfolgt sie weitere Ziele. Ihr geht es darum, Selbstvertrauen aufzubauen, Teamgeist zu entwickeln sowie Freude am darstellenden Spiel zu vermitteln. Durch das Auswendiglernen werde zudem die Merkfähigkeit geschult. All das ist für Brandscheit keine graue Theorie, denn sie sieht, wie sich die Kinder entwickeln und erinnert sich: „Ein Mädchen wollte zunächst nie auf die Bühne und hat geweint vor Lampenfieber. In der vierten Klasse hat sie die Hauptrolle gespielt und war Schulsprecherin.“

Nicht nur die ganze Irscher Schule spielt bei Brandscheits Stücken mit, auch Tanzgruppen aus Serrig, Taben-Rodt und Irsch sind dabei. Am heutigen Donnerstag kommen erstmals alle Kinder zur Generalprobe zusammen. Auf die Frage, wie sie es schafft, 100 Kinder von verschiedenen Schulen unter einen Hut zu bringen, meint Brandscheit: „Das frage ich mich auch.“ Sie verweist aber auch auf die vielen Helfer, die hinter den Kulissen beim Schminken und Umziehen helfen. Zudem unterstützen Vereine und die Lehrer der Irscher Schule das Projekt.

Die Kostüme hat die Theaterfrau dann auch noch alle selbst genäht. Mittlerweile kann sie auf einen Fundus von 500 Kostümen zurückgreifen, die sie immer wieder abändert. Jedes Mal schneidert sie aber auch Neues. Wo sie die Zeit dafür hernimmt? „Ich habe immer lange Nächte und mache das lieber in meinem Rhythmus. Da bin ich eigen“, sagt Brandscheit lächelnd. Wer miterlebt, mit welchem Elan die 70-Jährige in der Probe Kostüme zurechtrückt, Fragen beantwortet, souffliert und selbst schnell in eine Rolle schlüpft, weil ein Kind krank ist, nimmt ihr sofort ab, wenn sie sagt: „So lange ich gesund bleibe und so lange ich kann, will ich das weitermachen. Es macht so viel Spaß mit den Kindern.“ Den Spaß hat sie in der Familie offenbar weitergegeben. Nach den eigenen drei Kindern spielen diesmal drei ihrer Enkel mit.

Maja Brandscheit und Kindertheater. Foto: TV/Marion Maier

Das Stück „Als die Bilder sprechen lernten …“ wird am Samstag, 23. November, 16 Uhr, und am Sonntag, 24. November, 15 Uhr, in der Stadthalle Saarburg aufgeführt. Karten: bei Bücher Volk in Saarburg und an der Abendkasse. Mehr Bilder auf
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