Tiefe Zäsur für den Roscheider Hof: Leiter Dr. Ulrich Haas mit 91 Jahren gestorben

Konz · Er war unbestritten der Mittelpunkt auf dem Roscheider Hof in Konz (Kreis Trier-Saarburg). Ohne seine Initiativkraft und Beharrlichkeit hätte das Freilichtmuseum nicht das Ansehen erworben, das es heute genießt. Der plötzliche Tod von Dr. Ulrich Haas trifft nicht nur die Verwandten und Freunde, er ist auch für die Museumsarbeit eine tiefe Zäsur.

Er war der Mittelpunkt im Freilichtmuseum: Der ehrenamtliche Leiter des Roscheider Hofs, Dr. Ulrich Haas, ist mit 91 Jahren gestorben. TV-Foto: Archiv/Martin Möller

Foto: Martin Möller (mö) ("TV-Upload M?ller"

Der Tod kam für alle völlig unerwartet. Noch drei Tage zuvor hatte Dr. Ulrich Haas die Mitarbeiter im Freilichtmuseum Roscheider Hof zum alljährlichen Treffen begrüßt, war munter an den Tischreihen entlanggegangen, hatte Freude und Vitalität ausgestrahlt. Noch zwei Wochen zuvor hatte der 91-Jährige dem TV-Reporter seine Pläne zur Sanierung und Einrichtung der halb verfallenen Feldscheune auf dem Museumsgelände vorgestellt. Und wie immer, wenn es Pläne zu besprechen galt, strahlte er eine ansteckende Begeisterung aus.

Dr. Ulrich Haas war kein Mann großer Worte und kein Freund demonstrativer Selbstzufriedenheit. Er durchlief nach den bitteren Erfahrungen von Krieg und Gefangenschaft zunächst eine typische Nachkriegskarriere: Studium der Betriebswirtschaft in Köln und Münster. Promotion mit einer Arbeit über das Siegerland, Universitätsassistent, erste Anstellung, Heirat, zwei Töchter. Als sich 1963 sein Wuppertaler Arbeitgeber Glanzstoff entschloss, ein Werk in Konz aufzubauen, wurde er Mann der ersten Stunde im neu gegründeten Tochterunternehmen, der Kunstseiden-AG, kurz: Kuag. Jahrzehntelang führte er diesen Betrieb durch Höhen und Tiefen.

Aber mit der Pensionierung 1985 begann das zweite Leben des Dr. Ulrich Haas. Fast übergangslos avancierte er zum ehrenamtlichen Leiter im Freilichtmuseum Roscheider Hof. Der Ausbau der anfangs bescheidenen Anlage zur Dokumentation der Bauernkultur von Eifel und Hunsrück war sein Werk. Dabei packte er oft selber kräftig mit an und kommentierte vieles mit seinem trockenen Humor. Wenn jemand Schweißarbeiten unterbrach, die Schutzbrille hochschob und in die Sonne blinzelte, dann war das gewiss Ulrich Haas.

Der neue Leiter brachte vor allem seine Manager-Erfahrung ein - nicht zuletzt die Fähigkeit zum Aufbau von Netzwerken - und dazu einen ausgeprägten Pragmatismus. "Wir haben einfach gesammelt und dann ausgestellt." Nur die Qualität musste stimmen. So hat sich der Roscheider Hof unter Dr. Ulrich Haas zu einem Ort von Betrachten und Nachdenken entwickelt - keine Schein-Idylle, sondern erlebte und nachvollziehbare Geschichte mit all den Schwierigkeiten, mit denen die Menschen damals zu kämpfen hatten.

Für das Museum ist der völlig unerwartete Tod seines Leiters am vergangenen Montag eine tiefe Zäsur. "Irgendwie muss es ja weitergehen", sagt Geschäftsführer Hermann Kramp und lässt einstweilen offen, in welche Richtung es weitergehen soll. Trotzdem muss niemandem bange sein um die Zukunft auf dem Roscheider Hof. Auch wenn die Person Dr. Ulrich Haas nicht mehr unter den Lebenden weilt - seine Ideen bleiben, und seine Anstöße wirken weiter.

Der Trauergottesdienst ist am Mittwoch, 30. Dezember, um 14.30 Uhr in der Konzer Pfarrkirche St. Nikolaus. Die Familie bittet anstelle von Blumen um eine Spende für das Freilichtmuseum (Konto 90004177, BLZ 58550130, Kennwort Dr. Ulrich Haas).