Timo Schneiders einsamer Kampf gegen den Schnee

Timo Schneiders einsamer Kampf gegen den Schnee

Mit reichlichen Schneefällen hat der Winter den Hochwald seit Monatsbeginn fest im Griff. Damit beginnt die Zeit, in der die Männer von der Straßenmeisterei Hermeskeil besonders gefordert sind. Denn mit ihren schweren Räumfahrzeugen schaufeln sie Tausenden Autofahrern den Weg frei. Der TV hat einen Einsatz aus nächster Nähe verfolgt und ist mit Timo Schneider auf Tour gegangen.

Hermeskeil. Timo Schneider hat es an diesem frühen Morgen gleich mit zwei weiblichen Gegenspielerinnen zu tun. Zwei, mit denen nicht zu spaßen ist: Tief Iris und Frau Holle bestimmen das Geschehen an diesem Tag auf dem Hochwald. Als der Mann vom Räumdienst der Straßenmeisterei Hermeskeil auf dem Betriebsgelände "auf den Bock" steigt, hat gerade wieder starker Schneefall eingesetzt - wie so oft in den vergangenen Tagen.
Etwa fünf bis sechs Tonnen reines Salz, dazu noch einmal geschätzte 2200 Liter Feuchtsalz hat Timo geladen. Im Führerhaus des Wagens fällt vor allem ein Monitor ins Auge. Er erlaubt dem 37-Jährigen einen Blick auf den rotierenden Streuteller am Heck des Fahrzeugs.
Timos 314 PS-starker MAN ist zwar noch nicht - wie mittlerweile einige Fahrzeuge im Bundesgebiet - mit GPS ausgerüstet. Ein High-Tech-Gerät ist der "Straßendampfer" mit dem mächtig mahlenden Diesel-Triebwerk unter der Haube trotzdem.
"Drei bis fünf Stunden, je nach Witterung und Straßenbeschaffenheit" kann Timo mit der Ladung seines Einsatzfahrzeugs dem Winter auf den Pelz rücken. Kann die Streumenge, das Streubild, beeinflussen. Erfahrung, Fingerspitzengefühl, vor allem aber "Routine und Gelassenheit" - so sagt er selbst - braucht man für die Arbeit am Lenkrad eines Räumfahrzeugs.
Vor uns poltert monoton der Schneepflug. Timos Augen sind überall. Vor dem Auto, in den beiden mächtigen Seitenspiegeln und auf dem Display der Rückfahrkamera: "Da kann ich mit den Seitenspiegeln nicht hinsehen, die Kamera ist wichtig für mich und meine Kollegen."
Direkt hinter ihm tauchen mitunter ein paar Unverbesserliche auf, für die der Schneepflug mehr Hindernis als rettender Engel ist. "Es gibt schon waghalsige Überholmanöver. Manchmal versuchen sogar einige, rechts vorbei zu fahren, wenn ich auf einer doppelspurigen Straße räume. Man muss mit allem rechnen", sagt Timo und schüttelt den Kopf.
Ein Einsatz mit Schneepflug dauert lange. Sehr lange. Als Timo am Morgen anfing, war es noch dunkel. Am Abend, wenn er wieder nach Hause kommt, wird es ebenfalls wieder dunkel sein. Neben ihm in einer schweren, schwarzen Tasche die Tagesration: eine Thermoskanne Kaffee, Brot, Obst.
Timo ist Einzelkämpfer am Pflug. Auf der B 52 ist an der "Hohen Wurzel" ist ein LKW mit Aufleger ins Schlingern gekommen. Von oben kriecht uns bei starkem Schneefall eine lange Kolonne von Fahrzeugen entgegen. Vorneweg ein Linienbus, dessen Fahrer uns Lichtzeichen gibt und anhält, um uns vorbeizulassen. Langsam schieben wir uns polternd nach oben an dem schlingernden Aufleger vorbei. Dann passieren wir den Bus. Timo und der Fahrer grüßen sich. Verständnis unter einander.
Nein, eintönig sei das wirklich nicht während seiner vielen Stunden so allein am Lenker. "Das Wetter ändert sich, die Straßenbeschaffenheit, die Lichtverhältnisse." Manchmal habe er kleine Erfolgserlebnisse, wenn er auf dem Rückweg zum Depot sehe, dass er mit seinem Schneepflug für die "große Freiheit" auf der Straße gesorgt habe.
Andere Tage, an denen es unaufhörlich schneit, enden dagegen mit einem klaren Punktsieg für Frau Holle. "Da fährt man zwei Stunden später wieder auf dem gleichen Weg zurück und sieht gar nicht, dass man kurz zuvor geräumt hat."
Plötzlich fährt Timo rechts heran. Ganz langsam, vorsichtig, schiebt sich der schwere MAN an die Seite. "Ein Krankenwagen, mit Blaulicht", erklärt Timo. Erst nach seinem Hinweis sehe ich den flirrenden blauen Lichtkegel in meinem Rückspiegel. Dann Martinshorn, Blaulicht, der Krankenwagen rauscht an uns vorbei.
Für ihn, für uns, für alle, die "an Tagen wie diesen" unterwegs sind, sind Männer wie Timo da. Jeden Tag, jede Nacht, bei jedem Wetter.

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