Touristik-Chefin: Keine Angst vor Saar-Ochsen

Touristik-Chefin: Keine Angst vor Saar-Ochsen

An der positiven Jahresbilanz der Saar-Obermosel-Touristik (SOT) kann auch die Kritik am Moseltourismus nichts ändern, die kürzlich für Furore gesorgt hat (der TV berichtete). Chef-Touristikerin Stefanie Koch hat darüber im Interview mit TV-Redaktionsmitglied Alexander Schumitz gesprochen.

Konz/Saarburg. Trotz des nasskalten Frühjahrs ist Stefanie Koch zufrieden mit den diesjährigen Gästezahlen. Die Geschäftsführerin der Saar-Obermosel-Touristik wirft im TV-Interview einen Blick in die Zukunft des Tourismus.Was sagt Ihnen der Name Jakob Strobel y Serra?Stefanie Koch: "Das ist der Autor des Reiseberichts in der Frankfurter Allgemeinen (FAZ) über die Mosel, die dabei nicht wirklich gut weggekommen ist."Ist es für Sie als Touristikerin ein Marketing-Gau, wenn ein Reisejournalist so einen Bericht schreibt, obwohl Sie die Informationsreise mitfinanziert haben?Koch: "Auf jeden Fall. Das ist ja ein unmittelbares Feedback zu den Betrieben. Von dem in so einem Artikel verbreiteten Image bleibt auf jeden Fall etwas haften. Und als Organisator so einer Reise fragt man sich, was man bei der Vorbereitung falsch gemacht hat. Wobei man sich in diesem Fall den Schuh sicherlich nicht anziehen muss, weil der Bericht deutlich überzogen war. Aber Strobel y Serra hat ja Saar und Obermosel bei seiner Tourismuskritik ausgespart.Wo war der Artikel denn überzogen, und in welchen Bereichen hatte er mit seiner Kritik recht?Koch: Recht hatte er sicherlich dort, wo er das Angebot der Gastronomen kritisierte. Manchmal wird sicherlich ein Kundenstamm angesprochen, den man heute eher nicht mehr gezielt bewirbt, etwa Kegelklubs, die abends vor allem nur trinken wollen. Da schlägt sich nieder, dass die Qualität des Angebots nicht immer stimmt - oft auch, weil es keine Nachfolger für die Betriebe gibt und sich Investitionen deshalb nicht mehr rechnen. Übertrieben hat er in den Passagen, in denen er die Orte und die Gäste, die dorthin reisen, niedergemacht hat.Wie unterscheidet sich denn der Tourismus an Saar und Obermosel von dem an der Mittelmosel, wo der "Moselochse" heimisch ist? Wie versucht man, sich hier dem Massentourismus zu entziehen?Koch: Viele unserer Mitgliedsbetriebe setzen auf Qualität und sind von Tourismusverbänden zertifiziert. Wir unterstützen diese Anbieter, wenn sie Hilfe wünschen, oder beraten sie, wenn sie eine bestimmte Klassifizierung als Ferienwohnung oder Hotel anstreben. Beispielsweise werden auch Betriebe klassifiziert, wenn sie sich auf die Bedürfnisse von Radfahrern oder Wanderern einstellen. Mit Unterstützung des Landes versuchen wir, gerade im Bereich Servicequalität zu punkten. Beispielsweise können Radfahrer oder Wanderer gezielt nach Unternehmen suchen, wo sie nur eine Übernachtung buchen müssen.Welche Schwerpunkte setzt die SOT im Bereich Tourismus?Koch: Wir wollen auf jeden Fall an der Qualität unserer Arbeit und den Leistungen unserer Mitglieder weiterarbeiten. Wir wollen die Betriebe so weit bringen, dass sie Wert auf Sterne legen. Denn wir wollen in der Region ein wirklich gutes Angebot haben. Sie konzentrieren sich in der Werbung auf die Themen Wein, Wandern und Radfahren. Aber das sind Angebote, wie man sie auch in der Pfalz findet. Was ist das herausragende Merkmal dieser Region?Koch: Im Bereich des Weintourismus können wir mit dem Saarriesling und dem Elbling regionale Spezialitäten werben. Die Radfahrer finden in der Region Saar-Obermosel ideale Voraussetzungen für jede Form des Radelns, vom gemütlichen Fahren entlang der Flusstäler bis hin zu anspruchsvollen Mountainbike-Touren. Mit dem Moselsteig und dem Saar-Hunsrück-Steig haben wir für Langstreckenwanderer eine attraktive Urlaubsregion. Darüber hinaus bringt die Lage im Dreiländereck eine große Vielfalt mit sich, weil man immer einen Abstecher nach Luxemburg oder Frankreich machen kann. Das ist ein absolutes Alleinstellungsmerkmal, das uns etwa von der Mittelmosel unterscheidet, wo es nur entweder flussaufwärts in Richtung Trier oder flussabwärts nach Koblenz geht. Auf diese Stärken müssen wir uns auch konzentrieren. Haben Sie Angst davor, eines Tages als Saar-Ochse dazustehen?Koch: Nein (lautes Lachen)! Wir arbeiten hart daran, uns von dem klischeebehafteten Massentourismus abzuheben. Wir wollen Qualität anbieten, und da ziehen alle - also Touristiker, Hoteliers, Gastronomen - in der Region an einem Strang. Im Vergleich zur in diesem Segment teilweise spezialisierten Mittelmosel haben wir deutlich weniger "Kaffeefahrttouristen". Hierfür haben wir gar nicht die entsprechende Infrastruktur - schon, weil es viel zu wenige Hotels gibt, die diesen Markt abdecken könnten. Hier überwiegen kleine, familiäre Betriebe, die sich diesen Tourismus erst gar nicht wünschen. Wir haben schöne, qualitativ hochwertige Angebote. itzExtra

Der Verein Saar-Obermosel-Touristik hat 443 Mitglieder, darunter 265 Betriebe mit 3460 Betten. 2012 buchten 102 500 Gäste etwa 356 000 Übernachtungen. Laut Geschäftsführerin Stefanie Koch bewegen sich die Zahlen für 2013 etwa in gleicher Höhe. Im Schnitt bleiben die Gäste 3,5 Tage. Die Internetseite der SOT verzeichnete von Januar bis September 66 000 Besucher. Die Zahl der Buchungen über das Internet ist in diesem Jahr um 11,5 Prozent auf 1143 gestiegen. itz