Trauer um einen außergewöhnlichen Menschen

Trauer um einen außergewöhnlichen Menschen

Er wurde am 19. September 1924 in Könen als Sohn des Bäckermeisters Moritz Mayer und seiner Ehefrau Pauline, geborene Hayum, geborene Mayer, der jüdischen Glaubens war, musste mit seiner Familie vor den Nazis fliehen. Kürzlich verstarb er in Brüssel.

Könen. (red) Josef Mayer starb am Samstag, 27. Februar 2010, in Brüssel. Weil Josef Mayers Familie dem Judentum angehörte, musste sie 1936 die Heimat verlassen. In Brüssel öffnete die Familie Mayer eine neue Bäckerei.

Als Moritz Mayer bei dem Einmarsch deutscher Truppen wieder fliehen musste - diesmal nach Frankreich - ,versteckten sich der 16-jährige Josef Mayer und seine Mutter in Brüssel. Beide überlebten, Moritz Mayer wurde verhaftet und nach Auschwitz deportiert, wo er starb.

Nach dem Krieg gründete Josef Mayer in Brüssel eine Familie, aus der zwei Kinder hervorgingen. Den Unternehmungsgeist seines Vaters setzte Josef Mayer trotz Schicksalsschlägen fort. Mit seiner Ehefrau baute er eine Fertigung für Kopfhauben auf. Parallel dazu schrieb Josef Mayer - wie damals in seinem Versteck - ernste und humorvolle Texte und Lieder in französischer Sprache. So wurde Mayer in seiner neuen Heimat auch ein bekannter Kabarettist, dem der belgische König den "Ordre de Leopold" verlieh. Trotz seiner schmerzhaften Erlebnisse im Dritten Reich bedeutete ihm sein Geburtsort sehr viel. Als er 1954 erstmals mit seiner Mutter Könen besuchte, seien sie freundlich empfangen worden, und sie hätten sich nicht fremd gefühlt. Im April 2005 durfte der Förderverein ehemalige Synagoge Könen Mayer in seiner Brüsseler Wohnung besuchen. Unvergessen bleibt das mehrstündige Interview, in dem er so vertrauensvoll von seinen Erfahrungen der Flucht und des Exils berichtete. Den zahlreichen Gästen der Buchvorstellung "Geschichte der Juden von Könen" in der Konzer Stadtbibliothek im November 2005 sind Josef Mayers einführende und einfühlsame Worte ohne jegliche Spur von Ressentiment in Erinnerung geblieben. Groll und Trauer empfinde er nicht, sagte er später dem Reporter des "Trierischen Volksfreund". "Die Zeit damals ist lange her, wir haben sie überbrückt" fügte Josef Mayer hinzu.

Josef Mayer folgte allen späteren Einladungen zu Veranstaltungen in Konz und Wawern. In Anerkennung seiner Anteilnahme an der Erinnerungsarbeit in der Region Konz ernannte ihn der Förderverein ehemalige Synagoge Könen zu seinem Ehrenmitglied. Die Vereinsmitgliedern trauern um einen außergewöhnlichen Menschen.

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