Traumhafter Arbeitsplatz Rebstock

Traumhafter Arbeitsplatz Rebstock

THÖRNICH. Der Frühling steht vor der Tür. Während die einen frohlocken, beginnt für Lothar Heinen die stressigste Zeit des Jahres im Weinberg.

"Ich werde Winzer." Das stand für den kleinen Lothar schon früh fest. Als Kind hat er in den Weinbergen seiner Eltern gespielt, als Jugendlicher dort ordentlich mit angepackt. Nach der Weinküferlehre bei den Vereinigten Hospitien in Trier machte er wichtige Berufserfahrungen in einem Weingut im Ruwertal. "Vor zehn Jahren habe ich den Kellermeister gemacht", sagt der Jungwinzer. Zwei Jahre später übernahm er risikobereit den elterlichen Weinbaubetrieb. "Die Weinpreise waren damals weit unter die Produktionskosten gefallen, weil Ende der 90er-Jahre zu viel Wein auf dem Markt war." Die Liebe zum Beruf war stärker, als die damalige Marktsituation. Denn selbstständig zu sein und "Einfluss zu haben, auf das was man herstellt", faszinierte ihn früher wie heute an seinem Traumberuf. Täglich steht der gebürtige Feller zurzeit von acht Uhr morgens bis es dunkel wird im Weinberg. "Das Schneiden der Rebstöcke ist angesagt. Im Frühling geht es Schlag auf Schlag." Alle Hochgewächse würden bis auf einen oder zwei Triebe abgeschnitten und beim Binden der Reben am Draht befestigt, erläutert Lothar Heinen die Frühjahrsarbeit. Wenn es die Zeit erlaubt, hilft seine Frau Christine mit. Immer mit dabei sind seine Eltern und polnische Aushilfskräfte. "Ohne sie wäre die Arbeit nicht zu bewältigen." Besonders belohnt wird die mühevolle Arbeit von Momenten, wie Lothar Heinen sie im vergangenen Jahr erlebte: "Wir haben eine Trockenbeerenauslese mit 283 Grad Öchsle in einem Weinberg hinter unserem Haus geerntet", sagt er mit Stolz. In Glasballons bei 20 Grad gärt die Auslese noch mindestens ein Jahr in Ruhe, bis der Kellermeister versuchen wird, den Wein in Flaschen abzufüllen. Die Kunst des Kellermeisters sei es, möglichst wenig zu machen. Und wichtig sei das Fachsimpeln mit Kollegen. Auch über die Grenzen hinaus. Urlaube machen Lothar und Christine Heinen nur dort, wo viele Weinberge sind. "Beispielsweise in Italien", sagt der Jungwinzer. Erfahren hat er auf Urlaubsreisen schon einiges. "Wer mit italienischen Winzern gesprochen hat, weiß, was deutsche Bürokratie ist", sagt er. Trotz reichhaltiger Auflagen blickt er optimistisch in die Zukunft. Die Größe des elterlichen Betriebs hat er verdoppelt. Optimismus macht sich bei ihm breit, weil der Moselwein weltweit gefragt ist. Sorge bereitet ihm lediglich, dass die Anbauflächen an der Mosel in den nächsten zwanzig Jahren schrumpfen werden. "Es könnte sein, dass es dann nicht mehr genügend Wein gibt, um ihn international zu vermarkten." Doch momentan prostet Lothar Heinen seinen Gästen noch gelassen zu. Er trinkt am liebsten ein Glas Riesling. "Selbstverständlich jeden Tag."

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