Treten, tuckern, transportieren

HUNSRÜCK. Draisinenfahrten, Ausflüge mit historischen Schienenbussen und Transporte mit Güterzügen – diese bundesweit einmalige Kombination haben Studenten der Uni Kaiserslautern für die künftige Nutzung der früheren Hunsrückbahnstrecke zwischen Hermeskeil und Morbach empfohlen. Sie stellten am Mittwoch den Abschlussbericht ihres Studienprojekts vor.

Ein Jahr haben die Umwelt- und Raumplaner der Technischen Universität (TU) Kaiserslautern untersucht, wie die frühere Hunsrückbahn auf dem Abschnitt von Morbach nach Hermeskeil reaktiviert werden kann. Am Mittwochabend legten sie im Hunsrückhaus am Erbeskopf das mit Spannung erwartete Ergebnis ihrer Machbarkeitsstudie vor, die die Kommunen Morbach, Hermeskeil und Thalfang in Auftrag gegeben hatten. Die Empfehlung der Studenten ist nicht nur überraschend, sie ist bundesweit auch einzigartig. Um die "Entwicklung der stillgelegten Hunsrückbahn als Leuchtturm der Region" (so der Titel der Studie) von den neun bestehenden und neun geplanten Draisinen-Projekten in Deutschland abzuheben, regten die Studenten auf der 33 Kilometer langen Strecke nicht die ausschließliche Nutzung mit Draisinen an. "Die aus unserer Sicht sinnvollste Variante ist eine Mischvariante", betonte Christian Prösch, der die angehenden Diplom-Ingenieure betreute. In ihrem 250 Seiten starken Abschlussbericht plädieren die Studenten für eine künftige Kombination von Draisine, Fahrten mit der historischen Eisenbahn und Transporten mit dem Güterzug. Für die beiden letztgenannten Nutzungsarten steht dabei die "Hochwaldbahn" zur Verfügung, deren Geschäftsführer Bernd Heinrichsmeyer am Mittwoch sein Interesse an dieser Lösung deutlich signalisierte. "Voraussetzung ist jedoch eine strikte Zeit-Organisation und Trennung der Nutzungen", betonten die Studenten. Sie schlugen vor, dass von April bis September die Strecke tagsüber den Draisinen vorbehalten bleibt und nur an einzelnen Tagen historische Schienenbusse über die Gleise tuckern. Der Güterverkehr solle ausschließlich nachts laufen. Sollten irgendwann tatsächlich Touristen auf Draisinen in die Pedale treten, lautet die Empfehlung der Studenten, dass ähnlich wie im Glantal täglich die Fahrtrichtung gewechselt wird. Das heißt: An einem Tag würde es auf der eingleisigen Trasse von Morbach nach Hermeskeil gehen, am nächsten in die umgekehrte Richtung. In diesem Fall müsste jedoch der Rücktransport der Fahrer organisiert werden. Was angesichts von Steigungen bis zu 2,5 Prozent nicht selbstverständlich war: Prinzipiell ist die Strecke im Hunsrück mit Draisinen befahrbar. Allerdings ist die Anschaffung von Modellen mit Gangschaltung notwendig. Um größere Zielgruppen zu erreichen, solle auch darüber nachgedacht werden, die Draisinen mit Hilfsmotoren auszurüsten. "Es gibt zwar noch viele Fragen, die offen sind. Der Ansatz ist aber interessant, und wir werden uns in der kommunalen Familie mit dieser Vision weiter beschäftigen", sagte Thalfangs Bürgermeister Hans-Dieter Dellwo nach der Präsentation. Auch Michael Hülpes, sein Amtskollege aus Hermeskeil, betonte: "Wir sind weiter an dem Projekt interessiert. Wir müssen aber zunächst eine exaktere Kostenberechnung erstellen." Neben der offenen Frage nach der rechtlichen Genehmigung, die sich aus der bislang beispiellosen Dreifach-Nutzung ergibt, ist die Finanzierung nämlich der entscheidende Knackpunkt bei der Verwirklichung der innovativen Idee. Denn die Sicherung der Bahnübergänge, die Ausbesserung der Strecke und die Erstanschaffung von Draisinen würden erhebliche Investitionen notwendig machen. Hinzu kämen später die Unterhaltskosten. Die vorgelegte Studie enthält diesbezüglich nur eine Grobschätzung, die von Investitionskosten in Höhe von 1,4 Millionen Euro und von 130 000 Euro Betriebskosten jährlich ausgeht. Ganz entscheidend, so Hülpes, sei deshalb eine Bezuschussung des Landes, "die mindestens bei 60 Prozent liegen müsste"."Sicherungsvertrag wird weitergeführt"

Eine entscheidende Weichenstellung kündigte Landrätin Beate Läsch-Weber (Bernkastel-Wittlich) bereits am Mittwoch an. Der Streckensicherungsvertrag mit der DB Netz AG, der Ende Juni ausläuft und verhindert, dass es möglicherweise zu einem Abbau der Gleisköper kommt, "wird weitergeführt, um uns die Option der vorgestellten Nutzung offen zu halten", sagte Läsch-Weber unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Kreis-Gremien. Ein grundsätzliches "Ja" in dieser Frage signalisierte auch der zweite Beigeordnete des Kreises Trier-Saarburg, Helmut Reis.