Trinkfest in stabilen Schuhen

PERL. Die Weinlese ist so weit gelaufen, und in Winzerkreisen spricht man bereits von einem "guten Jahrgang". Die Gäste der 30. Wein- und Kellertage in Perl konnten das testen. Außer fassfrischem Federweißen gab es noch vieles mehr, das einen Besuch der Veranstaltung lohnenswert machte.

Lag es an dem, was die inzwischen traditionsreiche Veranstaltung zu bieten hatte, oder etwa daran, dass Weinfeste im Saarland eher rar sind? Sicher ist: Auch in diesem Jahr lockten die Wein- und Kellertage in Perl zahlreiche Freunde vergorenen Rebensaftes ins Dreiländereck. Dabei gab es nicht nur den angegorenen Most des aktuellen Jahrgangs, den Federweißen, zu probieren, sondern vor allem mächtig was zu feiern. Denn zum 30. Mal hatten zahlreiche Kellermeister aus Perl und den Ortsteilen Oberperl und Sehndorf ihre Pforten geöffnet. 13 Gastronomen, darunter Perler Weingüter und verschiedene Ortsvereine, boten Köstlichkeiten aller Art. Damit stand fest: Wer eine komplette Runde drehen wollte, musste nicht nur trinkfest sein, sondern auch möglichst stabiles Schuhwerk tragen. Vier Tage dauerte das Fest.Rindfleisch, Remoulade und ein Glas Auxerrois

Traditionsreich wie die Veranstaltung selbst ist mittlerweile auch die offizielle Eröffnung im katholischen Vereinshaus Perl. Rund 200 geladene Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft hatten sich auf den Weg dorthin gemacht. Wohl die meisten von ihnen wussten, sofern sie nicht zum ersten Mal dabei waren, was sie erwartete: Etliche Wein-, Viez-, Bier- und Linsenmajestäten aus der Region und dem benachbarten Luxemburg, allen voran die Saarländische Moselweinkönigin Jessica nebst Prinzessin Sandra. Auch beim Eröffnungsmahl ging der Veranstalter auf Nummer Sicher und hatte wie in den Vorjahren gekochtes Rindfleisch mit Remouladensoße auf den Speisezettel gesetzt. Selbst der begleitende Wein ist seit Jahren immer der Gleiche: Auxerrois. Ob die 30. Wein- und Kellertage den Gästen letztlich "geschmeckt" haben, bleibt abzuwarten. Schon kurz nach dem Startschuss im Vereinshaus gab sich jedenfalls Gerd Petgen, stellvertretender Präsident des Saarländischen Winzerverbands und Vorsitzender des Festausschusses, optimistisch: "Erfahrungsgemäß können wir mit rund 20 000 Besuchern an den vier Tagen rechnen." Schließlich sei man kaum vom Wetter abhängig, denn ein Großteil des Festes finde in Kellern oder anderen Räumen statt. Wein als Hauptakteur

Dort wurde nicht nur Speis' und Trank geboten: Von Live-Musik über Ausstellungen von Bildern und Skulpturen bis hin zum bunten Unterhaltungsprogramm für die Kleinen mit Dieter Kussani in der Grundschule Perl war für jeden Geschmack und alle Altersgruppen etwas dabei. "Hauptakteur" war jedoch der Wein, insbesondere der, der an den heimischen Rebstöcken wächst. Für ihn zu werben, sei eines der Ziele der Wein- und Kellertage, erklärte Gerd Petgen. Im Vergleich mit anderen Weinregionen habe man allerdings einen nicht zu unterschätzenden Vorteil: Mit dem Ertrag von "nur" rund 110 Hektar Rebfläche im saarlandweit einzigen Weinbaugebiet an der Obermosel sei immerhin ein gesamtes Bundesland zu versorgen. Deshalb könne man "ruhigen Gewissens" behaupten: "Der Weinbau in und um Perl hat Zukunft", so Petgen. Dazu dürften nicht zuletzt die 30. Wein- und Kellertage beigetragen haben. Schirmherrin der Veranstaltung war Brigitte Grauvogel, Geschäftsführerin der Tourismus-Zentrale Saarland.