Trotz sinkender Zahlen noch viel Integrationsarbeit

Gesellschaft : Weniger Neuankömmlinge, mehr Arbeit

Die Zeiten sind vorbei, als wöchentlich 50 Asylbegehrende mehr im Kreis Trier-Saarburg versorgt werden mussten. Die ehrenamtlichen Helfer allerdings werden heute mindestens so nötig gebraucht wie damals.

Mitarbeiter der Kreisverwaltung Trier-Saarburg können sich noch gut daran erinnern. Im Sommer 2016 steht jede Woche ein Bus voller Menschen vor dem Gebäude der Behörde, die zwar ursprünglich aus vielen verschiedenen Ländern stammen, die jedoch ein Wunsch eint: in Deutschland vor Flucht und Not sicher zu sein. Inzwischen gibt es keine 50-Sitzer mehr mit Geflüchteten. Ein Grund zur Entwarnung ist das nicht, sagt Andreas Flämig von der Caritas, der als Ehrenamtsbegleiter für die Verbandsgemeinden Trier-Land, Schweich, Ruwer, Hermeskeil und Kell  arbeitet. „Die Integration ist eine Daueraufgabe.“

Die Helfer Im Kreisgebiet haben sich mehrere Gruppen zusammengefunden, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die gerade angekommenen Menschen willkommen zu heißen. Solche Netzwerke gibt es unter anderem im Ruwertal, in Schweich, in der Fidei oder in Saarburg.  Michael Ludwig aus Zemmer ist seit vielen Monaten aktiv. „Es war chaotisch“, erinnert er sich. Es sei anfangs vor allem darum gegangen, ein Dach über dem Kopf für die Geflüchteten zu finden. Inzwischen „haben sich die Probleme verschoben“. Er macht das an den Sprachkursen fest. Oft würden diese nur von den Männern besucht, da die Frauen zu Hause auf die Kinder aufpassten. „Die Mütter fallen dann einfach hinten runter.“

Ebenso wie Helfer Frank-Peter Holz spricht Michael Ludwig von einem Mobilitätsproblem. Bereits der  Familieneinkauf werde zu einem Problem, wenn man nicht motorisiert ist. Das habe manchmal auch zur Folge, dass Familien in die Städte ziehen, weil sie in den Dörfern keine Perspektiven sehen würden. Doch es gibt auch Lichtblicke, sagt Holz. So ist inzwischen eine Zusammenarbeit mit der Hilfseinrichtung Schönfelderhof entstanden.

Claudia Schneider (Zemmer) berichtet von Alltagsproblemen, die immer wieder die Integration erschwerten, zum Beispiel fehlende Zeugnisse. Oder es sei einfach ein im Grunde genommen für die Betroffenen erfreulicher Grund, der Integrationsarbeit zunichte macht. So berichtet sie etwa von einer Familie, für die aufgrund der Anerkennung ihres Flüchtlingsstatus nun nicht mehr der Landkreis zuständig ist, sondern das Jobcenter (siehe Info). Dort hat man festgestellt, dass die Wohnung der nun anerkannten Familie einige Quadratmeter zu groß ist. Die Folge: „Die Familie musste nach Osburg umziehen und sitzt nun da“, sagt Zimmer. Bisher ohne jeden Kontakt in die Gemeinde.

Aus einem städtischen Umfeld berichtet Elisha Weinandi. Sie bringt Flüchtlingskindern in der Grundschule St. Johann in Konz-Kar­thaus Deutsch bei und engagiert sich auch sonst für die Integration. Sie sagt: „Auch die ehrenamtlichen Helfer benötigen Unterstützung.“ Denn sie werden immer wieder mit Situationen und Geschichten konfrontiert, die einem nachgehen können. „Und bei der Hilfe für die Helfer passiert einfach zu wenig“, sagt ­Weinandi, die auch im Migrations- und Integrationsbeirat des Kreises aktiv ist. Sie kritisiert, dass ein entsprechendes Programm des Kreises für eine professionelle Betreuung der Flüchtlingshlfe zurückgefahren worden sei.

Aus Sicht Weinandis könne nur Bildung helfen, die Geflüchteten zu integrieren. Das betreffe nicht nur die Kinder, sondern auch die Erwachsenen. Dabei hat sie die Erfahrung gemacht, dass sich Deutschkurse nicht von allein füllen. „Mann muss auf die Menschen zugehen“, sagt sie. Und man müsse immer bedenken, dass ein Teil der Menschen Schule und Bildung nicht als Selbstverständlichkeit kennt. „Das ist viel Arbeit“, resümiert sie.

Die Zahlen Nach einer Aufstellung der Kreisverwaltung Trier-Saarburg sank die Zahl der Leistungsbezieher von 1582 Menschen im Februar 2016 auf 752 Ende Januar 2017 und auf im Dezember 2017 nur noch 467 Personen. Hinzu kommen noch die Menschen, die inzwischen vom Jobcenter betreut werden. Dort werden jedoch nur die  erwerbsfähigen Leistungsberechtigten erfasst. Kinder oder Senioren nicht.

Der Rückgang bei den Zahlen bedeutet nicht, dass die Integrationsarbeit abgeschlossen ist. Der Kreis – der für Asylbegehrende zuständig ist – braucht jedoch nicht mehr so viele Unterkünfte wie bisher. Es hatte den Anschein, dass zu der Zeit, als jede Woche ein Bus voller Flüchtlinge vor dem Kreishaus ankam, jedes leerstehende Gebäude angemietet worden ist. Inzwischen sind einige Gebäude so wie in Greimerath, Schöndorf oder Kenn wieder verkauft worden (der TV berichtete). Gleichwohl ist der Kreis Mietverträge eingegangen, aus denen er so schnell nicht herauskommen dürfte. Laut Kreisverwaltung endet beispielsweise das Vertragsverhältnis für das Konzer Hotel Schmitt-Lieblang im Januar 2023. Beim Reinsfelder Haus am Park ist im März 2021 Schluss, bei der Saarburger Famo-Kaserne ist es der Januar 2021. Dort gibt es insgesamt 136 Plätze, von denen aktuell rund ein Dutzend belegt sind.

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