Truppenübungsplat Saarburg: Hofgut soll sich um die Weidetiere kümmern

Truppenübungsplat Saarburg: Hofgut soll sich um die Weidetiere kümmern

Die Serriger Behinderteneinrichtung soll an der Pflege der einstigen Militärflächen in Saarburg beteiligt werden. Details dazu sind strittig. Wege auf der Fläche soll es geben - mit Einschränkung.

Ende September hat die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben den Saarburger Truppenübungsplatz zusammen mit zwei weiteren ehemaligen Militärflächen bei Koblenz und bei Westerburg (Westerwaldkreis) an die Nabu-Stiftung übergeben (der TV berichtete). Die Flächen gehören alle zum Nationalen Naturerbe (siehe Info). Der Stiftungsvorsitzende Christian Unselt sagte zur Übergabe: "Wir freuen uns sehr über die ersten Stiftungsflächen in Rheinland-Pfalz und werden diese ökologisch wertvollen Gebiete als Rückzugsräume für die Natur dauerhaft sichern."

Das rheinland-pfälzische Umweltministerium hatte vorgeschlagen, dass die drei Flächen an den Nabu gehen. Laut Pressesprecherin Stefanie Lotz hatte das zwei Gründe: Zum einen habe der Bund vorgegeben, dass die drei Flächen an einen Empfänger gehen sollten. Zum anderen habe sich der Nabu als verlässlicher und kompetenter Partner derartiger Projekte gezeigt. Der Truppenübungsplatz soll zur halb offenen Weidelandschaft werden. Lotz verweist darauf, dass der Nabu bundesweit über langjährige Erfahrung bei der extensiven Beweidung mit Taurus-Rindern und Konik-Pferden bei Naturerbe-Flächen verfüge.

Offen blieb zunächst, ob das Hofgut Serrig, auf dem behinderte Menschen leben und arbeiten, wie vorgeschlagen an der Pflege der 138 Hektar großen Saarburger Fläche beteiligt wird. Dazu teilt Lotz mit, dass mit der Entscheidung für den Nabu verbunden sei, dass die Organisation bei der Beweidung eng mit dem Hofgut Serrig zusammenarbeite. Das Hofgut sei auch in der Vergangenheit bereits in Pflegemaßnahmen des Landes auf dem Truppenübungsplatz eingebunden gewesen.

Hofgutleiter Michael Köbler konkretisiert: "Seit 2014 bewirtschaftet das Hofgut den Truppenübungsplatz mit Rindern und Schafen und mulcht ohne zusätzliche Vergütung im Winter, so dass die dominanten Arten wie Ginster und Weißdorn zurückgedrängt werden und sich eine vielfältige Flora und Fauna auf dem Gelände weiterentwickeln kann." Er sei dabei, mit dem Nabu-Vorsitzenden Siegfried Schuch einen Termin für Absprachen über das künftige Vorgehen auszumachen. Und abzusprechen gibt es einiges.

So stellt Köbler infrage, ob unbedingt Taurus-Rinder und Konik-Pferde statt der Limousin-Rinder des Hofguts auf der Fläche weiden müssen. Köbler: "Der Gelbbauchunke ist es egal, von welcher Kuh das Trittsiegel kommt. Hauptsache es sammelt sich dort Wasser, das sich schnell erwärmt, und die Unke kann dort dann laichen." Hinzu komme, dass Konik-Pferde auch schon verendet seien, da sie vor Hunger Giftpflanzen gefressen hätten. Generell betont Köbler jedoch: "Es gibt immer einen Kompromiss, der für alle tragfähig ist."

Nabu-Vorsitzender Schuch hält an den angedachten Arten fest. Er sagt: "Für eine Ganzjahresbeweidung sind robuste Tiere erforderlich, die mit den winterlichen Wetterverhältnissen und mit karger Nahrung gut zurechtkommen. Sowohl Taurus-Rinder als auch Konik-Pferde sind sehr robust und für eine Ganzjahresbeweidung bestens geeignet. Da wir gute Erfahrungen mit diesen Tieren gemacht haben, bevorzugen wir diese Rassen." Zu Problemen mit den Konik-Pferden meint Schuch: "Es gab einen Vergiftungsfall, aber nicht in unseren Nabu-Projekten. Nach unserer Kenntnis waren Bergahorn-Sämlinge, die von den Tieren aufgenommen wurden und bei ihnen zum Muskelabbau führten, dafür ursächlich." Dies liege aber nicht an einer besonderen Empfindlichkeit der Pferde. Koniks zeichneten sich im Gegenteil durch eine besondere Robustheit aus.

Zu einem Wegekonzept für Fußgänger, Mountainbiker und Reiter, das der Saarburger Bürgermeister Jürgen Dixius ins Spiel gebracht hat und das auch Köbler befürwortet, sagt Schuch: "Wir kennen bisher noch kein Konzept. Unser Ziel ist es aber ohnehin, Wege am Rand der Beweidungsfläche zu erhalten, auch damit die Besucher die Beweidung sehen können. Insofern sind wir für Vorschläge offen." Schuch räumt jedoch ein: "Alle Nutzungen, auch eine Wegenutzung, müssen aber mit den Zielen des Nationalen Naturerbes vereinbar sein."Extra: Nationales Naturerbe

Das Nationale Naturerbe umfasst eine Fläche von rund 156 000 Hektar, die der Bund unentgeltlich an Länder und Naturschutzorganisationen übertragen hat. Hierzu zählen ehemals militärisch genutzte Gebiete, das Grüne Band entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze, Flächen aus dem DDR-Volksvermögen sowie stillgelegte Braunkohletagebaue in Ostdeutschland. Die Flächen weisen einen hohen Naturschutzwert auf, da sie zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten beherbergen, großräumig sind und als Biotopverbund angesehen werden. Auf dem Truppenübungsplatz in Saarburg gehören die Gelbbauchunke und die Fledermaus Große Hufeisennase aus Naturschutzsicht zu den wichtigsten Arten. Daneben kommen viele Vogelarten (wie Neuntöter und Wendehals) vor, viele Schmetterlingsarten (wie Großer Feuerfalter und Spanische Flagge) und gefährdete Käfer (wie Eremit, Heldbock und Hirschkäfer).

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