Tür an Tür mit dem Einsatzort

RALINGEN-WINTERSDORF. Sein Vater war es schon und sein Großvater auch. Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Wintersdorf zu sein, "das ist bei uns Familientradition", sagt Matthias Liesch. Eine Tradition, die der 53-Jährige zu einem neuen Höhepunkt geführt hat - Liesch ist der dienstälteste Wehrführer in der Verbandsgemeinde Trier-Land.

Matthias Liesch wohnt sozusagen direkt am Einsatzort: Sein Haus in Wintersdorf steht nur eine knappe Schlauchlänge vom Ufer der Sauer entfernt. "Die größten Einsätze hier sind die Hochwassereinsätze", sagt Liesch. Besonders schlimm sei es in diesem Jahr gewesen - beim Neujahrshochwasser. Drei Tage und Nächte lang habe man Sandsäcke gefüllt und gestapelt, Dämme bewacht, schließlich Häuser ausgepumpt, erzählt er. Feuerwehr - dieser Name spiegelt die Aufgaben der Floriansjünger kaum noch wider. "Brandeinsätze sind selten geworden", sagt Liesch. Bei den vier bis fünf Einsätzen pro Jahr, zu denen er und seine 20 Kameraden ausrücken, gehe es meist darum, Sportveranstaltungen abzusichern oder "technische Unfallhilfe" zu leisten. Einmal sei er zu einem Verkehrsunfall mit Todesfolge gerufen worden, erzählt der Wehrführer: "Das war schon schwierig hinterher." Für solche Fälle gebe es einen Feuerwehr-Seelsorger in der Verbandsgemeinde. Die meisten Unfälle in der Gegend passierten aber auf der B 51 zwischen Trier und Bitburg. Für die sei die Feuerwehr Newel als Schwerpunkt-Feuerwehr zuständig. Die organisatorische Unterteilung in Schwerpunkt- und Ortsfeuerwehren mit klaren Aufgabengebieten sei ein großer Fortschritt gewesen, sagt Liesch. Früher sei es vorgekommen, dass zwei Wehren sich am Unfallort um "ihren" Blechschaden gezankt hätten. Mittlerweile würden immer eine kleinere und eine Schwerpunkt-Feuerwehr gemeinsam ausrücken. Wenn Liesch von früher erzählt, huscht nicht selten ein Lächeln über sein Gesicht. Als er 1966 als 16-Jähriger zur Feuerwehr kam, habe die Ausrüstung aus einem Karren mit Schlauch bestanden, der von einem Traktor gezogen wurde. "Wenn es gebrannt hat, ist ein Hornist durchs Dorf gelaufen und hat Alarm geblasen", erinnert sich Liesch. Es sei ein "Riesenfortschritt" gewesen, als man später für den Schlauchkarren eine Pumpe bekommen habe. Mittlerweile hat auch bei der Feuerwehr Wintersdorf die Moderne Einzug gehalten. Alarmiert werden Liesch und seine Mannen über Mobiltelefon von der Einsatzzentrale in Trier. Der Karren im Gerätehaus musste einem Automobil weichen. Seit einem Jahr verfügt die Feuerwehr Wintersdorf über einen modernen Gerätewagen mit Tragkraftspritze (GWTS), der den "Erstangriff Löscheinsatz" erlaubt, wie Liesch erklärt. Auch die Anforderungen an die Feuerwehrmänner seien gestiegen: Einmal im Monat setzt der Kommandant eine Übung an, um den Ernstfall zu trainieren. Die Wehren müssen acht Minuten nach der Alarmierung am Einsatzort sein. "In der Regel klappt das auch", so Liesch. Seit 30 Jahren leitet der Kundendienst-Techniker die Einsätze der Wintersdorfer Wehr - damit ist er der dienstälteste Wehrführer in der Verbandsgemeinde. Für die lange Dienstzeit und seine besonderen Verdienste bekam er das Silberne Ehrenzeichen am Bande des Deutschen Feuerwehr-Verbandes. Es handele sich um eine seltene Auszeichnung, die nur für außergewöhnliche Leistungen verliehen werde, betont Kurt Waschbüsch, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes. Leistungen, zu denen auch die Gründung einer Jugendfeuerwehr in diesem Jahr gehört. Auf Anhieb hätten sich 22 Jugendliche angemeldet, sagt Liesch. Eine beachtliche Zahl für ein Dorf mit rund 400 Einwohnern. Mit Sportstunden, Zeltlagern, aber auch technischem Unterricht sollen die Jugendlichen auf den späteren Dienst bei der Feuerwehr vorbereitet werden. Vorbereiten auf die Zeit nach dem Dienst muss sich Liesch erst in ein paar Jahren. "Mit 60 ist mit dem aktiven Dienst Schluss", sagt er, so sei es Vorschrift. Dann habe er mehr Zeit für die Familie, auch wenn die seine Tätigkeit voll unterstütze. Wenn Matthias Liesch in sieben Jahren den Feuerwehrhelm an den Nagel hängt, muss er sich um die Familientradition keine Sorgen machen. Tochter Heike (19) teilt das Engagement des Vaters: Sie ist die erste und einzige Feuerwehrfrau in Wintersdorf.