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TV-Forum zur Konzer Stadtbürgermeisterwahl: drei Kandidaten Joachim Weber, Ute Walter, Safak Karacam

TV-Forum zur Konzer Stadtbürgermeisterwahl : Drei Bewerber, 100 Besucher, viele Fragen

Der Verkehr war ein großes Thema beim TV-Forum zur Stadtbürgermeisterwahl in Konz. Die drei Kandidaten von CDU, SPD und Grünen setzten nicht nur dabei unterschiedliche Prioritäten.

Drei ganz unterschiedliche Persönlichkeiten stellen sich am 26. Mai in der Stadt Konz zur Wahl. Das wird beim TV-Forum, das Lokalchef Marcus Hormes und Redakteur Christian Kremer moderieren, schon bei der Vorstellungsrunde deutlich. Da ist der 33-jährige grüne Kreisvorsitzende Safak Karacam. Er ist in Karthaus aufgewachsen, hat Sozialwissenschaft studiert und spricht stets mit ruhiger Stimme  – selbst wenn er klar widerspricht. Ute Walter (58), Hauswirtschafterin in einer Kita und vor Jahrzehnten aus Düsseldorf nach Konz gezogen, geht da mehr aus sich heraus. Die SPD-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat hat sich ja auch „aus dem Bauch heraus“ für ihre Kandidatur entschieden. Der gelernte Diplomfinanzwirt Joachim Weber (53), amtierender Stadtbürgermeister und Verwaltungschef der Verbandsgemeinde, der aus Konz-Oberemmel stammt, ist eher der sachliche Typ.

 Dritter Kandidat ist Safak Karacam (links).
Dritter Kandidat ist Safak Karacam (links). Foto: Friedemann Vetter

Gemeinsamkeit im Lebenslauf Neben dem Wunsch, sich in ihrer Heimatstadt zu engagieren, haben die drei eines gemeinsam: Politisches Engagement war schon in ihrem Elternhaus Thema. Weber und Walter traten, was die Partei anging, in die Fußstapfen ihrer Eltern. Karacam, der Mann „mit dem typisch deutschen Nachnamen“, wie er selbstironisch anmerkt, musste seinen eigenen Weg suchen und fand die größte Übereinstimmung bei den Grünen.

Das Problem mit dem Verkehr Eine große Gemeinsamkeit zeigt sich in den beiden Fragerunden vor den rund 100 Zuschauern: Der Verkehr gehört für alle drei zu den drängendsten Problemen. Kein Wunder in einer Stadt mit 18 000 Einwohnern, in der es täglich zu Staus kommt. Bei den Lösungsansätzen gibt es Unterschiede. Weber will das Nadelöhr an der Schillerbrücke mit Hilfe einer Alternativroute über die Bahn entlasten, eine Machbarkeitsstudie sei beauftragt. Eine zweite Zufahrt nach Roscheid will er notfalls über den Löllberg realisieren. Als dritte Säule seines Konzepts nennt er das Radwegkonzept, das zurzeit erstellt wird, und einen verbesserten Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Für Letzteres sei der Kreis zuständig, aber die Stadt übe den ihr möglichen Einfluss aus. Der Stundentakt für Busse komme bald, verspricht er. Er ist für 2021 geplant.

Ute Walter nennt Webers Ziele „vernünftig“. Das neue Buskonzept kommt ihrer Meinung nach aber zu spät. „Was ist bis dahin?“, fragt sie. Karacam hingegen spricht sich gegen neue Autotrassen aus. Er fordert stattdessen einen Radweg samt Bus-Trasse von Roscheid nach Trier. Ein Radwegekonzept reicht ihm nicht aus. Er schlägt ein Radverleihsystem mit E-Bikes vor. Zudem will er Sammeltaxen, Busse und Bahn als Alternativen zum Autoverkehr und findet, die Stadt müsse mehr Druck für einen günstigeren ÖPNV machen. Er fordert auch eine Buslinie aus den Ortsteilen zu den Bahnhöfen. Die kommt laut Weber 2021 sowieso.  

 Logo_Kommunalwahl_2019
Logo_Kommunalwahl_2019 Foto: TV/Lambrecht, Jana

Wohnraum und Soziales Zu den drängendsten Problemen zählt für Walter auch die noch unklare Zukunft des renovierungsbedürftigen Zettelmeyer-Hauses. Zudem haben die Vernetzung der Menschen und die Würdigung des Ehrenamts für sie höchste Priorität. Für den grünen Kandidaten ist angesichts steigender Kauf- und Mietpreise bezahlbarer Wohnraum ein wichtiger Punkt. Er will diesen mit Hilfe einer Wohnungsbaugesellschaft oder von Investoren realisieren. Letztere zu mindestens 20 Prozent sozialem Wohnungsbau zu verpflichten, hält Karacam für einen guten Ansatz. Die Idee der Wohnungsbaugesellschaft befürwortet auch Ute Walter. Sie plädiert deshalb dafür, einen entsprechenden Antrag der SPD aus der Schublade zu ziehen und diesmal zu Ende zu diskutieren.

Amtsinhaber Weber hat bei diesem Punkt Bedenken. Seine Nachfragen hätten ergeben, dass für eine eigene Gesellschaft ein Bestand von 200 Wohnungen nötig sei. Weber: „Dafür ist Konz zu klein.“ Bei dem komplexen Thema sozialer Wohnungsbau brächten auch Investoren keine einfache Lösung. Hinzu komme, dass die Kommune auch über Wohnungen verfüge, die aber sanierungsbedürftig seien. Webers Fazit: „Wir brauchen professionelle Hilfe.“  

 TV Wahlforum in Konz.   Ve./Foto: Friedemann Vetter
TV Wahlforum in Konz. Ve./Foto: Friedemann Vetter Foto: Friedemann Vetter

Vor der Erschließung von neuem Bauland in Roscheid oder Berendsborn will Weber im Gegensatz zur Vergangenheit zunächst die Verkehrsprobleme lösen. Diese Reihenfolge hält prinzipiell auch Karacam für richtig, doch plädiert er dafür, zunächst die Innenentwicklung mit Hilfe von Förderprogrammen voranzutreiben. Walter stößt ins gleiche Horn. In Berendsborn gibt es nach ihrer Ansicht noch Baulücken.

Finanzen Unterschiede der Kandidaten zeigen sich auch bei der Frage: Wo kann die Stadt sparen und ihre Finanzen aufbessern? Karacam spricht sich gegen den Bau weiterer Parkplätze aus. Walter kritisiert, dass das Parken in Konz nichts kostet. Weber entgegnet: „Das ist ein Alleinstellungsmerkmal. Das können wir nicht aufgeben. Dadurch funktioniert der Einzelhandel.“ Um mehr Unternehmen nach Konz zu locken und so Steuern einzunehmen, spricht er sich für ein neues Gewerbegebiet zwischen Konz und Trier aus. Mehr Gewerbe finden auch Walter und Karacam gut. Letzterer will aber keine weitere Flächenversiegelung.

Bürgerfragen Dass das Thema Verkehr eine wichtige Rolle in Konz spielt, zeigt sich auch bei den zahlreichen Zuhörerfragen. Eine Stärkung des ÖPNV fordert ein älterer Mann, 40 Jahre lang habe sich nichts getan. Ein jüngerer spricht das strittige Thema der Kostenübernahme für Schülerfahrten an. Der Kreis zahlt erst ab einer bestimmten Distanz. Alle Kandidaten sind dafür, dass die Eltern nicht zahlen müssen, wollen dieses Ziel nur unterschiedlich angehen. Weitere Fragen drehen sich um eine stärkere Polizeipräsenz und das „Brachland am Bad“. Die Kandidaten bleiben keine Antwort schuldig.