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Geschichte: Überraschungsbesuch beim Jesuskind

Geschichte : Überraschungsbesuch beim Jesuskind

TV-Leserin Ingrid Hauser aus Serrig hat eine Geschichte aufgeschrieben, die auf einer wahren Begebenheit beruht. Darin spielt eine Figur eine wichtige Rolle, die traditionell an Heiligabend in die Pfarrkirche St. Martin getragen wird.

Es war am Morgen des ersten Weihnachtstages im Jahr 1960, als ein kleines, vierjähriges Mädchen schon früh durch ein Kribbeln im Bauch geweckt wurde. Die Freude ließ es nicht mehr schlafen, denn am Vorabend hatte ihr das Christkind einen hölzernen, korbgeflochtenen Puppenwagen gebracht. Ob ihre Puppe noch in dem Wagen schlief?

Sie lief die Treppe hinunter und traf in der Wohnküche den Vater und ihre Schwester; damals noch ein Baby, die der Hunger in ihrer Wiege geweckt hatte. Das Mädchen lief zum Puppenwagen und nahm behutsam und liebevoll ihre Puppe heraus. Diese trug noch immer die zu klein gewordene Babykleidung ihres kleinen Schwesterchens. Sie zog die Puppe aus und kleidete sie in das neue Kleidchen, das ihr das Christkind auch gebracht hatte. Die abgelegte Babykleidung legte sie unter die Decke des Puppenwagens.

Nun kam auch die Mutter durchgefroren aus der Frühmesse zurück und erzählte am Frühstückstisch von den festlichen Weihnachtsliedern und vom Jesuskind, das in der Krippe vor dem Altar lag.

Das kleine Mädchen hörte mit offenem Mündchen zu. Das wollte sie doch einmal sehen. Sie beschloss, mit dem neuen Puppenwagen ihre benachbarte Freundin aufzusuchen und um ihre Begleitung zu bitten. Das lehnte die Freundin jedoch ab. So machte sie sich alleine auf den weiten, vereisten Weg. Ihre Mutter war mit Kochen abgelenkt, und außerdem wähnte sie ihre Tochter bei der Freundin.

Das Mädchen kämpfte sich mühevoll durch den winterlichen Weg. Schon bald drehten sich die kleinen Holzräder mit den Eisklumpen nur noch schwer. Als sie endlich in der Kirche angekommen war, ging sie leise durch die mit Kerzen erleuchtete Kirche bis zum Altar, denn dort sollte das Jesuskind sein. Und dort sah sie es. Mit ausgestreckten Ärmchen und lächelnd lag es da, als wenn es nur auf sie gewartet hätte.

Aber was war das? Es lag in der kühlen Kirche nur mit einer Windel bekleidet auf Stroh. Wie oft hatte sie gesehen, dass ihre Mutter die Babyschwester warm angezogen hatte, damit sie nicht fror. Da fiel es ihr ein: Sie hatte unter der Puppendecke im Wagen doch noch die abgelegte Babykleidung ihrer kleinen Schwester. Vorsichtig hob sie das Jesuskind hoch und zog ihm das Babyjäckchen und die Mütze an, die die Mutter vor einem Jahr mit rosa Wolle gehäkelt hatte. Nun hatte das kleine Kind in der Krippe bestimmt nicht mehr kalt. Und lächelte das Jesuskind sie jetzt nicht noch mehr an als vorher? Dieses Lächeln ging über in ihr Gesicht, als sie zufrieden ihr Werk betrachtete.

Frohgestimmt machte sie sich wieder auf den beschwerlichen Heimweg. Sie hatte das Jesuskind gesehen. Die Mutter staunte sehr, als das Mädchen mit rot gefrorenem Näschen und Wangen und mit dem vereisten Puppenwagen nach Hause kam. Das Staunen ging in Schrecken über, als ihre Tochter berichtete, wo sie gewesen war. Sie sah die Mutter nur noch im Flur nach dem Mantel greifen und aus dem Haus eilen.

Nun staunten die ersten Messgänger, die sich schon auf dem Weg zum feierlichen Hochamt befanden. Da lief die Frau mit hochrotem Kopf, und es war doch noch so viel Zeit. Abgehetzt kam die Mutter in der Kirche an und eilte zur Krippe. Dort lag das Jesuskind in Windeln gewickelt auf Stroh, wie immer in der Weihnachtszeit. So hatte sie es auch heute Morgen gesehen. Die Mutter verharrte mit aufgerissenen Augen und schüttelte ungläubig den Kopf. Wohlwissend kam die Küsterin auf sie zu und erklärte ihr, dass sie das Jesuskind mit der Babykleidung beim Rundgang und der Vorbereitung zum Hochamt entdeckt und schon wieder ordnungsgemäß entkleidet hatte. Nun staunten die Kirchgänger erneut, als sie die Mutter auf dem Heimweg mit Babykleidung in der Hand und einem Lächeln im Gesicht sahen.

Wer das Original-Jesuskind aus der Geschichte sehen möchte, kann dies ab Heiligabend in der Serriger Kirche. Dort wartet es mit ausgestreckten Armen vor dem Altar in der Krippe auf Besucher und zaubert ihnen ein Lächeln ins Gesicht.