Umbau der alten Schule in Waldweiler wird deutlich teurer

Kommunalpolitik : Umbau der alten Schule in Waldweiler wird deutlich teurer

Böse Überraschung in Waldweiler: Das größte Projekt der Dorferneuerung kostet rund 200 000 Euro mehr. Schuld daran sind laut Architekt unvorhersehbare Zusatzarbeiten an dem denkmalgeschützten Gebäude. Nun soll das Land helfen.

Ortsbürgermeister Manfred Rauber beginnt die Beratung über das Projekt „Alte Schule“ mit den guten Nachrichten. „Die Arbeiten gehen forsch voran, wir liegen im Zeitplan.“ Die Einweihung sei weiterhin für den Herbst geplant. Dann folgt das große Aber: Leider müsse er zugeben, sagt Rauber, dass sich die Kosten, die man anfangs einmal berechnet habe, „deutlich negativ entwickelt“ hätten.

Auf etwa eine Million Euro waren die Kosten für den Umbau des ehemaligen Schulgebäudes zum Wohnhaus mit Dorfcafé und Gemeindesaal im Juli 2016 geschätzt worden. Auf dieser Basis hatte die Gemeinde damals Zuschüsse des Landes aus dem Dorferneuerungsprogramm beantragt. Waldweiler ist als Schwerpunktgemeinde anerkannt und kann in den nächsten Jahren mit hohen Fördersummen rechnen. Inzwischen sind laut Ortschef allerdings insgesamt 200 000 Euro an Mehrausgaben aufgelaufen, was die Gesamtkosten aktuell auf 1,35 Millionen Euro ansteigen lässt.

Der Gemeinderat hatte nun am Mittwochabend zu entscheiden, wie er mit diesen Zahlen umgeht und vor allem, wie die Mehrkosten finanziert werden sollen. Nach längerer Aussprache stimmte die Mehrheit der Ratsmitglieder dafür, die Mehrausgaben inklusive Begründung anzuerkennen und beim Land einen zusätzlichen Förderantrag zu stellen.

Zuvor hatte der Architekt Franz Niespor in allen Details und anhand von Fotos vorgetragen, wie es zu der Kostensteigerung gekommen war. Die Ausschreibungen für die Baufirmen von April und August 2017 hatten laut Niespor noch Gesamtkosten von 1,103 Millionen Euro ergeben. Im Laufe der Arbeiten seien dann jedoch an dem denkmalgeschützten Gebäude eine Menge Zusatzleistungen notwendig geworden, die so vorher nicht absehbar gewesen seien.

Allein im Bereich des Daches seien 37 000 Euro hinzugekommen. Die Fläche sei zuvor nicht in Gänze vermessbar gewesen und größer als vermutet. Man habe „nagelfaule Giebel“ und Dachschiefer ersetzen müssen, „der wohl zum großen Teil noch von 1910 stammte“. Wegen der umfangreichen Mehrarbeiten habe auch das Gerüst länger stehen müssen.

Ein Mehr von 30 000 Euro ergaben laut Niespor die Zimmererarbeiten. Dabei habe fast jede Deckenöffnung „Überraschungen“ gebracht. Insgesamt 100 000 Euro teurer als kalkuliert wurden die Abbruch-, Erd- und Maurerarbeiten. Dabei seien unvorhersehbare statische Probleme aufgetaucht. Beispielsweise habe man Wände aufgrund der Härte des Gesteins nicht mit dem Presslufthammer abbrechen können, weil die Erschütterungen zu groß gewesen wären.

Deshalb seien zusätzliche Schneidearbeiten nötig geworden. Im Erdgeschoss mussten laut Architekt asbesthaltige Bodenplatten aufwendig entsorgt werden. Erhöht worden seien außerdem die Ausgaben für Außenanlagen (90 000 Euro) sowie für die verpflichtende Kunst am Bau und die Einrichtung (55 000 Euro).

Aufgrund der Mehrkosten hat die Gemeinde keine ausreichenden Mittel in ihrem Haushalt. Bislang waren 1,15 Millionen Euro eingeplant, finanziert über die 366 000 Euro Landeszuschuss aus der Dorferneuerung und bereits genehmigte Kredite. Für die nun fehlenden 200 000 Euro soll ein Antrag auf Nachförderung beim Land gestellt werden.

Die Nachfinanzierung soll, sofern die Aufsichtsbehörde zustimmt, über den nächsten Doppelhaushalt erfolgen. Geprüft wird laut Rauber, ob bei den Außenanlagen, die noch herzustellen sind und nach dem Rückzug der beauftragten Firma neu ausgeschrieben werden sollen, Eigenleistungen durch die Gemeinde möglich sind. Sollten die Kosten gar noch weiter steigen, hat der Rat den Ortschef vorsorglich ermächtigt, weitere Förderanträge zu stellen.

Zwar wurden die Beschlüsse mit deutlicher Mehrheit gefasst. Unmut äußern allerdings mehrere Ratsmitglieder. Im Gremium herrschte zudem geteilte Meinung darüber, ob die Mehrkosten unabsehbar waren. Franz-Jürgen Mertes schilderte persönliche Erfahrungen mit Arbeiten in einem alten Wohnhaus und urteilte: „Das konnte man so nicht vorhersehen.“ Norbert Zender dagegen sagte, er könne manche Mehrkosten nicht verstehen: „Die Dachflächen hätte ein guter Planer exakt abschätzen können. Vieles hätte man im Vorfeld abklären können.“ Zender stimmte deshalb gegen die Anerkennung der Kostensteigerung, die letztlich bei zwei Neinstimmen und einer Enthaltung akzeptiert wurde.

„Ich stehe dazu, dass wir das Projekt angepackt haben“, stellte Rauber abschließend fest. Die Alternative wäre „eine Bauruine im Dorf“ gewesen. Er habe mit Mehrkosten gerechnet, leider lägen sie nun bei 20 Prozent. Die Dinge seien allerdings begründet und unvorhersehbar gewesen. Er hoffe, dass davon nun „vielleicht nur die Hälfte an uns hängenbleibt“.