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Umfangreicher Prozess nähert sich dem Ende: 41-Jähriger aus VG Saarburg soll drei Mädchen missbraucht haben

Umfangreicher Prozess nähert sich dem Ende: 41-Jähriger aus VG Saarburg soll drei Mädchen missbraucht haben

Nach 21 Zeugenaussagen und einer ausführlichen Stellungnahme einer psychologischen Gutachterin nähert sich der Missbrauchs-Prozess gegen einen 41-jährigen aus der Verbandsgemeinde Saarburg seinem Ende. Die Staatsanwältin, die Nebenklägerin und die beiden Verteidiger haben ihre Plädoyers gehalten. Für sie scheint eine Haftstrafe unausweichlich.

Trier. Die Mutter des Angeklagten weint, als sie den Gerichtssaal verlässt. Drinnen werden ihrem Sohn gerade wieder die Handschellen angelegt. Er wird zurück ins Gefängnis gebracht, wo er seit acht Monaten in U-Haft sitzt. Einige Stunden zuvor hatte auch die Stieftochter des 41-Jährigen aus der Verbandsgemeinde Saarburg in diesem Saal geweint. Sie war zum wiederholten Mal im Laufe des Verfahrens befragt worden, hatte den Angeklagten schwer belastet, aber auch von Furcht gesprochen. Sie habe Angst, dass diejenigen im Ort, die zu ihrem Stiefvater hielten, bei ihr vorbeikämen.

Die Vorwürfe: Der 41-Jährige soll 2011 seine damals 13-jährige Stieftochter sexuell missbraucht haben, indem er ihr mehrfach in die Unterhose gegriffen haben soll. Auch zwei Freundinnen des Mädchens im Alter von elf und zwölf Jahren soll er im Schwimmbad auf ähnliche Weise sexuell belästigt haben. Zudem wird ihm vorgeworfen, kinderpornografische Bilder besessen zu haben.

Das Verfahren: Am ersten Verhandlungstag hat der Angeklagte die Vorwürfe knapp eingeräumt - bis auf die Vorkommnisse im Schwimmbad - und sich bei seiner Familie entschuldigt. Sonst hat er aber nichts gesagt. Daraufhin hat das Gericht 21 Zeugen vernommen. Neben den drei vermeintlichen Opfern kamen Freunde, Bekannte und die Tante der Stieftochter zu Wort. Mütter wurden befragt sowie der Besitzer des Reitstalls, den die drei Mädchen regelmäßig besucht haben, und eine Polizistin. Einige Aussagen belasteten den Angeklagten, andere stellten die Aussage der Stieftochter in Frage. Auf Empfehlung des Gerichts wurde eine Gutachterin eingesetzt, die die Aussagen der drei betroffenen Mädchen auf ihre Glaubwürdigkeit hin untersuchte. Die Ergebnisse schilderte sie am gestrigen Verhandlungstag ausgiebig. Ihr Fazit: Die Aussagen der Mädchen seien großteils glaubwürdig.

Das sagen Staatsanwältin und Opferanwältin: Die Staatsanwältin und die Vertreterin der Nebenklage forderten in ihren Plädoyers am gestrigen Mittwoch eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren. Die Staatsanwältin machte zwei Fälle von schwerem sexuellen Missbrauch von Kindern und Schutzbefohlenen geltend. Das bedeutet, für sie war erwiesen, dass der Angeklagte in diesen Fällen auch mit dem Finger eingedrungen war. Vier Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern sowie sexuelle Nötigung und der Besitz von 18 Kinderporno-Bildern warf sie dem Angeklagten ebenfalls vor.
Das knappe Geständnis ohne weitere Angaben wertete die Staatsanwältin nicht positiv für den Angeklagten. Gegen den Mann spreche hingegen einiges, sagte sie und führte seine Vorstrafen wegen anderer Delikte wie fahrlässiger Trunkenheit am Steuer und Unterschlagung an. Sie warf dem Angeklagten zudem vor, den drei vermeintlichen Opfern einen schlechten Start ins Leben beschert zu haben. Die jungen Frauen seien stark psychisch belastet. Die Situation der Stieftochter, die an einem intakten Familienleben interessiert gewesen sei, habe er ausgenutzt. Sie stehe heute alleine da, die Mutter glaube ihr nicht.

Das sagen die Verteidiger: Pflichtverteidiger und Wahlverteidigerin plädierten für eine Freiheitsstrafe von maximal drei Jahren. Für sie war der schwere sexuelle Missbrauch nicht überzeugend belegt. Die Wahlverteidigerin wertete das Geständnis ihres Mandanten positiv. Sein zuvor von der Gegenseite kritisiertes Hinterfragen von Einzelheiten im Prozess erklärte sie mit der teilweisen Fassungslosigkeit ihres Mandanten. Details, auch wenn juristisch unwichtig, seien ihm sehr wichtig.

Das Urteil: Der Vorsitzende Richter Armin Hardt hat das Urteil für Dienstag, 24. Mai, 14 Uhr, angekündigt.