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Umstrittener Windpark rückt näher

Weiskirchen/Waldweiler. Der geplante Windpark am Schimmelkopf rückt näher. Der Weiskircher Gemeinderat hat am Donnerstag eine dafür notwendige Änderung des Flächennutzungsplanes beschlossen. Zuvor wurde im Rat intensiv über das Projekt gestritten.

Weiskirchen/Waldweiler. Die saarländische Gemeinde Weiskirchen arbeitet bei ihren Windkraftplänen eng mit der Ortsgemeinde Waldweiler (Verbandsgemeinde Kell) zusammen. Beide Kommunen wollen auf dem Höhenzug an der Landesgrenze einen gemeinsamen Windpark errichten. Die Weiskirchener wollen am Schimmelkopf vier Räder aufstellen. Auf rheinland-pfälzischer Seite wollen die Waldweilerer auf dem Teufelskopf drei Anlagen errichten.
Der Standort ist in der Verbandsgemeinde (VG) Kell allerdings politisch umstritten - zum Beispiel sind die Waldweilerer Nachbarn aus Schillingen dagegen.
In der VG Kell steht eine Entscheidung über die künftigen Standorte noch aus. Derzeit läuft das Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplans. Im Zusammenhang damit sind auch Gutachten im Hinblick auf den Artenschutz nötig. Bei dieser Prüfung haben Experten im Umfeld des Teufelskopfs die Wochenstube einer streng geschützten Mopsfledermaus entdeckt. Wird eine solche Wochenstube gefunden, dürfen nach aktuellem Stand der Dinge in einem Radius von fünf Kilometern keine Windräder aufgestellt werden (der TV berichtete, siehe auch Extra). Der Weiskircher Gemeinderat hat die Änderung des Flächennutzungsplanes für das Gemeindegebiet beschlossen, mit der der geplante Windkraft-Standort am Schimmelkopf als "Sonderbaufläche für Windenergie" ausgewiesen wird. Dort will die Firma Juwi vier Windräder mit einer Gesamthöhe von 200 Metern in einer Waldparzelle errichten.
Die Gemeinde Weiskirchen erwartet für sich durch Pachteinnahmen und Ertragsbeteiligungen an den vier Anlagen Einnahmen von 100 000 Euro pro Jahr und Windrad, wie Bürgermeister Werner Hero (CDU) auf TV-Anfrage erläuterte.
Der jetzt beschlossene Flächennutzungsplan muss nach Auskunft von Hero noch vom Innenministerium genehmigt werden, was etwa sechs bis acht Wochen in Anspruch nehmen dürfte.
Vor der Verabschiedung des geänderten Flächennutzungsplanes, die einherging mit der Abwägung der von Bürgern, Verbänden und Behörden eingereichten Stellungnahmen und Bedenken, hatte es im Weiskirchener Rat erneut eine kontroverse Diskussion um das Vorhaben gegeben. Insbesondere die Fraktion der Freien Wähler-Gemeinschaft (FWG), aber auch Teile der SPD forderten, den Windpark am Schimmelkopf nicht weiter zu verfolgen. Die Windräder seien aus Naturschutzgründen und wegen negativer Auswirkungen auf den Tourismus nicht vertretbar.
Die Mehrheit im Rat blieb jedoch bei ihrer Befürwortung des Projektes. Sie warfen den Kritikern des Projektes vor, bloße Stimmungsmache zu betreiben. Mit 15 Ja-Stimmen gegen sieben Nein-Stimmen bei zwei Enthaltungen wurde der geänderte Flächennutzungsplan gebilligt.
ax/cbe
Extra

Noch bevor der Gemeinderat über die Änderung des Flächennutzungsplanes beriet, hatte er sich mit einem vergleichsweise radikalen Antrag der FWG-Fraktion zu beschäftigen. Diese hatte gefordert: "Das Vorhaben Windkraftwerke im Hochwald wird beendet." Zur Begründung gab die FWG an, dass im Planungsgebiet durch Gutachten die streng geschützte Mopsfledermaus festgestellt worden sei. "Dies ist ein absolutes K.o.-Kriterium für den Bau von Windrädern im Umkreis von fünf Kilometern der Wochenstuben." Zwar seien nicht auf Weiskircher Seite Wochenstuben gefunden worden, diese würden auf angrenzendem Gebiet der Gemeinde Kell am See vermutet. Doch der Antrag fand nur sechs Befürworter, die Mehrheit des Gemeinderates lehnte ihn ab. cbe