Umweltfreundliches Hightech-Fahrzeug als Nachfolger der Sankta-Maria-Fähre in Oberbillig

Umweltfreundliches Hightech-Fahrzeug als Nachfolger der Sankta-Maria-Fähre in Oberbillig

Der Bau einer neuen, rund 1,5 Millionen Euro teuren Moselfähre mit E-Antrieb ist in Oberbillig beschlossene Sache. Die Planung ist weitgehend abgeschlossen. Nun hat Ortsbürgermeister Andreas Beiling die Details erklärt: Ziel ist es nicht nur, umweltfreundlich über die Mosel zu schippern. Auch der Wartungsaufwand soll reduziert werden.

"Stromfähre" lautete der Projektname für eine neue Moselfähre, deren Pläne der Ortsgemeinderat Oberbillig begutachtet und genehmigt hat. Eine Konstruktion "von der Stange" wird die Nachfolgerin der alten Sankta Maria nicht sein. Geplant ist ein vollelektrisch betriebenes, umweltfreundliches High-Tech-Fahrzeug. Dafür gebe es sowohl ökologische als auch ökonomische Gründe, erklärte Ortsbürgermeister Andreas Beiling. Der Elektroantrieb sei in der Anschaffung zwar rund 200 000 Euro teurer als ein konventioneller Dieselantrieb, so Beiling, aber "aber das wird über die Jahre durch die geringeren Energiekosten und den erheblich kleineren Wartungsaufwand wieder kompensiert".

Die alte Autofähre Sankta Maria verbindet seit rund 50 Jahren die deutsche Gemeinde Oberbillig mit ihrer luxemburgischen Nachbargemeinde Mertert-Wasserbillig auf der anderen Moselseite. Beide Orte teilen sich Kosten und Ertrag. Betreiberin ist die Gemeinde Oberbillig, was sie landesweit zur einzigen Kommune mit "eigener Reederei" macht. In den 60er-Jahren war der Fährbetrieb politisch gewollt - als Leuchtturmprojekt der europäischen Vereinigung. Doch die Sankta Maria fährt den Gemeinden auch regelmäßig nette Gewinne ein.

Fraglich ist nur, wie lange noch. Schiffe gelten als die langlebigsten Fahrzeuge - doch auch ihnen sind technische Grenzen gesetzt. Und die hat die Sankta Maria nach rund 50 Betriebsjahren erreicht. In den letzten Jahren stiegen die Reparaturkosten und die Ausfallzeiten. So standen Oberberbillig und Wasserbillig vor einer Alternative: Entweder ein neues Schiff oder Ende des Fährbetriebs in nicht allzu ferner Zukunft.

2015 entschieden sich die Räte beider Orte im Grundsatz für den Bau einer neuen Fähre (der TV berichtete). Auf beiden Seiten wurden Fährausschüsse gegründet, die regelmäßig einzeln oder gemeinsam tagten. Als Gast in der Sitzung erklärte der Mertert-Wasserbilliger Bürgermeister Gust Stefanetti, dass es auch auf seiner Seite grünes Licht für das Projekt gebe.

Den Planungsauftrag erhielt das Schiffbau-Ingenieurbüro Buchloh in Unkel/Rhein. Die Vorgaben: Die neue Fähre muss den besonderen örtlichen Betriebsverhältnissen entsprechen (kein Umbau der Landerampen an beiden Ufern), sie soll den Fahrgästen mehr Platz bieten sowie den Fährleuten mehr Komfort und bessere Arbeitsbedingungen. Deutlich größer als die Sankta Maria sollte die Nachfolgerin jedoch nicht werden - die derzeitige Ladekapazität von sechs Autos blieb Maßstab. Tenor in beiden Räten: "Keinen Großfährbetrieb, der nur zusätzlichen Autoverkehr in die Ortskerne ziehen wird."

Wann mit dem Bau begonnen wird, steht laut Bürgermeister Beiling noch nicht fest. Bevor es an die erforderliche europaweite Ausschreibung gehe, wolle man zunächst die wenigen Fördermöglichkeiten für das 1,74-Millionen-Projekt prüfen. Eine Chance gebe es über das EU-Förderprogramm Interreg für regionale, grenzüberschreitende Projekte.
Und für die Mehrkosten des Elektroantriebs stehe ein Ausgleich durch das Bundesverkehrsministerium in Aussicht. Beiling: "In zwei bis drei Wochen wissen wir dazu mehr. Sollte es keine Förderung geben, werden die Gemeinden das neue Schiff über Kredite finanzieren." Die könnten dann aus den Gewinnen des Fährbetriebs bedient werden.Meinung

Mutige Entscheidung
Wenn es um die Sankta-Maria-Nachfolgerin geht, will man in Oberbillig und Wasserbillig Nägel mit Köpfen machen: Ein Elektrofahrzeug nach neustem Stand der Technik soll es werden. Nicht nur der Umwelt zuliebe, sondern auch wegen der geringeren Wartungs- und Energiekosten. Es ist eine mutige Entscheidung. Ob die Rechnung aufgeht, wird sich erst nach einigen Betriebsjahren erweisen. Absolutes Neuland ist die Technik jedenfalls nicht mehr, sondern bei kleinen Ausflugsschiffen - etwa in Hamburg und Heidelberg - seit Jahren im Einsatz. Ob dieser Antrieb auch einem rauen Dauerfährbetrieb gewachsen ist, muss sich erst zeigen. Die Fachwelt wird jedenfalls die Entwicklung in Oberbillig mit Interesse verfolgen. trier@volksfreund.deExtra

Länge gesamt mit Rampen: 28 Meter Rumpflänge: 17 Meter Breite: 8,60 Meter Breite beider Fahrspuren: fünf Meter (das sind 0,50 Meter mehr als beim alten Schiff und ermöglicht einen begehbaren Mittelstreifen zwischen den Autos). Tiefgang: 0,85 Meter Tragfähigkeit: 25 Tonnen bei sechs PKW, maximal 45 Personen und 25 Fahrradstellplätzen. Antrieb: Vier Elektromotoren mit Schwenkpropellern (Antriebs- und Ruderfunktion), paarweise vorne und hinten am Rumpf angeordnet. Zwei unabhängige Batterieblocks (über Nacht aufladbar), so dass auch beim Ausfall eines Systems das Schiff manövrierfähig bleibt. Die Batteriekapazität muss 6,5 Stunden Fahrt bei fünf km/h garantieren. Ein zweites, unabhängiges Batteriesystem speist alle Bordverbraucher (Ruderanlage, Navigation, Rampenhydraulik, Führerhausheizung etc.) und wird tagsüber durch Solarmodule unterstützt. f.k.

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