Unbekannte zerschneiden 100 Reben in Weinberg in Wiltingen

Kostenpflichtiger Inhalt: Kein Einzelfall in der Region : Unbekannte zerschneiden 100 Reben in Weinberg böswillig

Wer zerstört Weinpflanzen? Das fragt sich der Wiltinger Winzer Johannes Peters. Sein Fall ist nicht der einzige dieser Art in der Region. Es kommt immer wieder zu Straftaten in Wingerten.

Der Wiltinger Winzer Johannes Peters ist sauer. Ein Unbekannter hat 100 seiner Reben zerstört. Zwischen dem 1. und dem 13. November sei das passiert. Eigentlich hatte Peters seine 0,7 Hektar große Parzelle am Wiltinger Schlangengraben schon winterfest gemacht und fürs nächste Jahr vorbereitet. „Die Reben waren schon geschnitten und gebogen“; erzählt er.

Dann sei er am 13. November zufällig an seinem Weinberg vorbeigekommen und habe die kaputten Reben gesehen. Der Täter habe nur die sogenannten Tragreben, die Triebe, an denen im kommenden Jahr die Trauben wachsen sollen, und nicht die Stämme der Weinpflanze zerstört. Laut Peters ist die Pflanze so zwar nicht komplett verloren, aber „die Trauben an dem Stock werden mastig, weil zu wenige Triebe da sind“. In der Konsequenz sind die größeren Trauben nicht so widerstandsfähig wie die kleinen. Die Lese fällt dann höchstwahrscheinlich kleiner aus.

Insgesamt wurden an dem Weinberg die Reben einer ganzen Reihe und eines weiteren Karrees beschädigt. Peters rechnet mit einem Sachschaden von mindestens 500 Euro an der Parzelle. Er denkt nicht, dass der Verantwortliche zufällig auf seinen Flächen zugeschlagen hat: „Ich gehe davon aus, dass es zielgerichteter Vandalismus war.“

Der Winzer Johannes Peters ist sauer. Jemand hat ihm 100 Reben an der Weinlage Schlangengraben in Wiltingen zerschnitten. Foto: TV/Christian Kremer

Und Peters ist nicht zum ersten Mal das Opfer von Straftaten in seinen Weinbergen. Ihm seien schon Wild- und Weidezäune, ein Weidezaungerät sowie Batterien gestohlen worden. Angezeigt habe er diese Fälle aber nicht. 2016 war ein Diebstahl jedoch so dreist, dass Peters ihn der Polizei meldete. Ende September stahl jemand ein Schallgerät zum Abwehren von Vögeln, erzählt Peters. Laut der damaligen Meldung im Trierischen Volksfreund haben die Täter am Braunfels zugeschlagen.

Der Winzer Johannes Peters ist sauer. Jemand hat ihm 100 Reben an der Weinlage Schlangengraben in Wiltingen zerschnitten. Foto: TV/Christian Kremer

Die Autobatterie, an der das Gerät angeschlossen war, wurde damals ebenfalls gestohlen. Das Gerät habe er nur zwei Tage vor dem Diebstahl für 700 Euro gekauft, erzählt Peters heute. Obwohl er 500 Euro Belohnung für Hinweise ausgesetzt habe, die zur Überführung des Täters beitrügen, habe die Polizei die Ermittlungen irgendwann ohne Ergebnis eingestellt.

Peters geht davon aus, dass er nicht der einzige Winzer ist, dem öfter mal etwas vom Weinberg gestohlen oder Reben zerstört würden, sagt er im Gespräch mit dem TV. Meistens leiteten es die Kollegen aber nicht an die Polizei weiter. Bei den Ermittlern tauchen trotzdem immer wieder Anzeigen wegen Diebstählen in Weinbergen auf. Harald Lahr, Leiter der Polizeiinspektion Saarburg, hat für den TV in den Datenbanken der Polizeiinspektion recherchiert und sieben Fälle gefunden, die seit 2016 angezeigt worden sind (siehe Info).

Ermittelt wurde zum Beispiel in einem Fall, der sich im September 2018 ereignete. Da schnitten Unbekannte Reben am Schonfels zwischen Saarburg und Ayl kaputt, die Saarwinzer Peter Burens in Saarburg gehören. In diesem Fall war die Tat besonders pikant, weil die damalige Bundesjustizministerin, Katarina Barley, kurz vor der Tat eine Patenschaft für eine der zerstörten Reben übernommen hatte.

Deswegen wurde auch ein politisches Motiv vermutet. Trotz teils intensiver Ermittlungen wurde auch in diesem Fall nie ein Täter überführt. Burens meint: „An den Reben kann die Polizei ja keine Fingerabdrücke sicherstellen.“ Eine Kameraüberwachung gebe es ebenfalls nicht. Laut dem Winzer sind damals 17 Reben zerstört worden. Diese habe er nur teilweise wieder aufpäppeln können.

Ein besonders aufsehenerregender Fall von Vandalismus im Weinberg ereignete sich im März 2016. Damals wurden 500 Weinreben eines Winzers im Herzwingert in Neumagen-Dhron zerschnitten. Auch dieser Fall wurde nie aufgeklärt. Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren gegen einen Verdächtigen ein. Ein Zeuge wollte einen anderen Winzer in dem Weinberg beobachtet haben. Ihm konnte nichts nachgewiesen werden, und er selbst stritt die Tat vehement und öffentlich ab.

Der Winzer Johannes Peters ist sauer. Jemand hat ihm 100 Reben an der Weinlage Schlangengraben in Wiltingen zerschnitten. Foto: TV/Christian Kremer

Peters appelliert angesichts der vielen Vorfälle in seinen Weinbergen an Radfahrer, Spaziergänger, Läufer, Wanderer und vor allem auch an Kollegen: „Alle mögen bitte mehr hinsehen, was in den Weinbergen vor sich geht.“ So könnten ärgerliche Verluste und Schäden erspart werden.

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