1. Region
  2. Konz, Saarburg & Hochwald

Gefängnis in Saarburg: Und nachts wird die Zelle zugesperrt

Kostenpflichtiger Inhalt: Gefängnis in Saarburg : Und nachts wird die Zelle zugesperrt

Wenn das Trierer Gefängnis in acht Jahren schließt, soll seine Außenstelle in Saarburg erhalten bleiben. Grund für den TV, hinter die Gefängnismauern zu blicken, wo derzeit 17 Männer im offenen Vollzug nach festen Regeln und mit großen Sehnsüchten leben.

Der rote Sandsteinbau unterhalb des Saarburger Burgturms sieht aus wie eine alte Villa. Nur die teils kunstvoll geformten Gitter vor den Fenstern lassen ahnen, dass das denkmalgeschützte Gebäude ein Gefängnis ist. Mit 134 Jahren dürfte es eines der ältesten in Rheinland-Pfalz sein. Immer mal wieder drücken Touristen die Klingel neben der beschlagenen Tür. Schmunzelnd berichtet Rainer Wallrich, Abteilungsleiter des Saarburger Gefängnisses: „Sie fragen, was es hier zu besichtigen gibt.“ Während die Urlauber gerne reinwollen, wollen die Insassen lieber raus. Das Saarburger Gefängnis ist eine Außenstelle der Trierer Justizvollzugsanstalt (JVA), in der Gefangene mit Haftstrafen bis zu zwei Jahren einsitzen. Es beherbergt den offenen Vollzug mit 30 Haftplätzen. 17 von ihnen sind derzeit belegt mit Männern zwischen 23 und 58 Jahren. Zu den häufigsten Haftgründen in Saarburg zählen Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, Betrug, Fahren ohne Führerschein, Diebstahl und Nötigung. Sieben Justizvollzugsbeamte arbeiten in Saarburg in einem 24-Stunden-Schicht-System.

Der Alltag im Knast Die Häftlinge in Saarburg haben im Vergleich zu ihren Kollegen in Trier einige Freiheiten. Sabine Beckmann, Leiterin der JVA Trier, sagt: „Die Gefangenen sind nur nachts zum Schlafen in ihrem Haftraum eingeschlossen, ansonsten können sie sich frei im Haus bewegen.“ Sie können im Freizeitraum Tischfußball und Darts spielen. Der Garten mit Teich, Fußballtoren, großem Bodenschachspiel und Tischtennisplatte steht ihnen zur Verfügung. Die Hafträume sind allerdings sieben Quadratmeter klein. Tisch, Stuhl, Bett, Schrank, Waschbecken und Toilette lassen gerade noch genug Platz für einen Durchgang. Der kleine Fernsehbildschirm, für den bei Nutzung eine Gebühr fällig wird, hängt neben der Tür. Handy und andere Geräte zum Surfen im Netz sind verboten.

Die Rolle der Arbeit Ein weiterer wichtiger Unterschied zum geschlossenen Vollzug: In Saarburg arbeiten die Gefangenen meist. Das geregelte Arbeitsleben ist laut Beckmann einer von drei wichtigen Bausteinen, mit denen die Inhaftierten an ein „normales“ Leben, ein Leben ohne Straftaten, herangeführt werden sollen. Es wird versucht, das vorherige Arbeitsverhältnis zu erhalten oder ein neues zu vermitteln. Acht der 17 Gefangenen arbeiten derzeit außerhalb der JVA.

Das Saarburger Gefängnis unterhalb der Saarburg sieht aus wie eine Villa. Foto: TV/Marion Maier

Die anderen werden intern in der JVA-Küche oder -Wäscherei beschäftigt. Sie können ein Ausbildungsmodul in Gebäudereinigung absolvieren oder im Auftrag von externen Firmen im Gefängnis einfache Arbeiten ausführen. Am Tag des TV-Besuchs sitzen drei Inhaftierte im Werkraum zusammen an Tischen und sortieren geschliffene Stichsägenblätter. Einer sagt: „Es ist herrlich hier, kein Vergleich zum geschlossenen Vollzug. Dort verbringt man 22 von 24 Stunden in der Zelle.“ Bei der Arbeit gehe die Zeit rum, man habe Beschäftigung. Doch meint der Mann auch: „Was mir am meisten fehlt, sind meine Freundin, meine Familie und eine richtige Arbeit.“

Die Arbeit an sich selbst Zwei der drei Häftlinge im Werkraum wurden verurteilt, weil sie gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen haben. Dies führt zu Baustein Nummer zwei, der zu einem normalen Leben führen soll: die Aufarbeitung von Defiziten. Abteilungsleiter Wallrich sagt: „Viele hier haben Defizite. Die müssen sie erkennen und daran arbeiten.“ Gerade bei Drogenproblemen sei eine dauerhafte ambulante Betreuung nötig, auch über die Haftzeit hinaus. Drogen sind für den Abteilungsleiter, der 30 Dienstjahre überblickt, das Problem, das in dieser Zeit am stärksten gewachsen ist. Viele der Verurteilten seien durch Drogen oft zu kaputt für den offenen Vollzug. Die Zahl der Häftlinge mit Alkoholsucht oder Problemen psychischer Art habe in den vergangenen Jahren ebenfalls zugenommen. Um an ihren Defiziten zu arbeiten, besuchen die Gefangenen Beratungsstellen, am häufigsten Sucht- und Schuldnerberatung. Auch der Kreuzbund, eine Selbsthilfegruppe für Suchtprobleme, ist Anlaufstelle. Die Gefangenen nehmen zudem an internen sozialen Trainings zu Themen wie Berufswelt oder soziale Beziehungen teil. Bei Bedarf können sie Gespräche mit dem anstaltseigenen Psychologischen Dienst vereinbaren.

Ziele der Freizeitbeschäftigung Säule Nummer drei des offenen Vollzugs ist, die Gefangenen an eine sinnvolle Freizeitgestaltung heranzuführen. Laut Wallrich gehen die Vollzugsbeamten mit den Gefangenen schwimmen, wandern oder mountainbiken. Auch Ausflüge ins Kino, in den Greifvogelpark oder zum Baumwipfelpfad an der Saarschleife sowie Kanutouren stünden auf dem Programm. Wallrich sagt: „Es geht darum, die Gemeinschaft zu stärken und zu zeigen, dass man auch ohne Alkohol oder Drogen Spaß haben kann.“

Der Ausgang Die Häftlinge in Saarburg dürfen die JVA auch außerhalb der Arbeitszeit verlassen. Drei Mal pro Woche können sie eine Stunde einkaufen gehen. Sie erhalten vier Tage Urlaub (korrekt: Langzeitausgang) pro Monat, in der Regel auf zwei Wochenenden verteilt. Bei der Rückkehr werden sie auf Alkohol und Drogen getestet, denn beides ist drinnen wie draußen für sie tabu. Wer mit einer der Substanzen im Blut erwischt wird, muss zurück in den geschlossenen Vollzug. Kurioserweise ist der Ausgang das Thema, zu dem es im Gefängnis am meisten Diskussionen gibt. Wallrich erklärt: „Für die Gefangenen ist es immer zu wenig Ausgang.“

Sabine Beckmann, Leiterin der Justizvollzugsanstalt Trier. Foto: TV/Marion Maier

Voraussetzungen für offenen Vollzug Bei der Entscheidung, wer in den offenen Vollzug wechselt, wird das komplette Leben des Häftlings beleuchtet: Wie ist seine Vorgeschichte? Hat er Probleme mit Drogen, Alkohol, Gewalt? Wie sehen seine familiären Bindungen aus? Laut Gesetz müssen die Gefangenen den besonderen Bedingungen des offenen Vollzugs genügen, das heißt, Flucht- und Missbrauchsgefahr dürfen kein Thema sein. 155 Männer befinden sich derzeit im geschlossenen Vollzug in Trier. 70 davon verbüßen eine Freiheitsstrafe, die restlichen befinden sich in Untersuchungshaft, die maximal ein halbes Jahr lang dauern darf. Der Saarburger Abteilungsleiter Wallrich sagt: „Mit um die 20 Prozent Inhaftierten im offenen Vollzug haben wir im Vergleich zu anderen Gefängnissen einen relativ hohen Prozentsatz. Und diese Belegung ist seit Jahren konstant.“