Unfallpotenzial unter Bäumen

Bei den 10. Keller Gesprächen dreht sich in Theorie und Praxis alles um die Arbeitssicherheit im Wald.

Kell am See/Mandern Versunken in seiner Aufgabe, für den Mittagstisch Pilze aus dem Wald mit nach Hause zu bringen, überhört ein Mann aus dem Hochwald die Rufe der Holzarbeiter. Zu spät registriert er das Krachen des fallenden Baumes und gerät unter dessen Krone. Dabei verletzt er sich schwer an der Hüfte.
Der dramatische Unfall war zumindest diesmal nur eine Übung zu Demonstrationszwecken: Arbeitssicherheit im Wald lautete das diesjährige Thema der Keller Gespräche. Die gibt es seit zehn Jahren. Jedes Jahr beschäftigen sie sich mit einem Thema aus den Bereichen Forst, Naturschutz oder anderes Aktuelles aus der Region. Man könne nicht genug auf das Thema Arbeitssicherheit aufmerksam machen, sagte Forstdirektor Helmut Lieser vom Forstamt Saarburg. "Trotz aller Sicherheitsvorkehrungen kommt es immer noch zu oftmals tragischen Unfällen."
Gerhard Reinert von der technischen Produktionsleitung des Forstamts Saarburg plädierte in einem Vortrag dafür, dass in den Köpfen aller Verantwortlichen der Vorsatz bestehen müsse, die Unfallrate im Wald auf null herunterzufahren. Das Ziel werde wohl hundertprozentig nie erreicht, doch der Vorsatz alleine reduziere das Gefahrenpotential erheblich. Laut Statistik habe jeder dritte professionelle Waldarbeiter jährlich einen Arbeitsunfall. Private Waldnutzer seien in dieser Statistik nicht berücksichtigt. "Die meisten Unfälle beruhen auf verhaltensbedingten Ursachen. Die Entwicklung und Schärfung des Bewusstseins für sichere Handlungen und Zustände muss gefördert werden", sagte Reinert. Noch mehr Vorschriften als die vorhandenen seien aber nicht nötig.
Im Anschluss an die Diskussion erwartete die 15-köpfige Delegation im Manderner Forst dann der Unfall des Pilzsammlers. "Nur wenige Leute waren in die Übung eingeweiht", sagte Torsten Marx, Wehrleiter der Verbandsgemeinde Kell am See. Die Übung sollte praxisnah sein. Außerdem habe man feststellen wollen, in welcher Zeit Hilfe in dem unwegsamen Gelände vor Ort sein kann. Der normalerweise bei einer Rettung übliche Richtwert von acht Minuten sei dabei nicht einzuhalten. Doch das Ergebnis konnte sich schließlich sehen lassen. 18 Minuten nach der Unfallmeldung hatten sich die Hilfskräfte, bestehend aus den Feuerwehren Mandern und Zerf sowie dem DRK Zerf, zu dem Verletzen durchgekämpft. "Eine Übung, wie sie realistischer nicht sein konnte", sagte VG-Chef Martin Alten. Dr. Jens Jacob, Leiter von Landesforsten und Verbraucherschutz Rheinland-Pfalz, reist in jedem Jahr als Gast der Keller Gespräche von Mainz an. "Ich freue mich immer wieder, dabei zu sein und feststellen zu können, wie der Teamgeist innerhalb von Forst, Kommunen und Naturschutz funktioniert." Auch von der gelungenen Übung war er begeistert. "Die zielgerichtete Teamarbeit hat mich überzeugt. Dennoch hoffe ich, dass solche Einsätze im Wald in Zukunft nicht mehr notwendig sein müssen."

Extra: HILFE DURCH EINE APP AUF DEM SMARTPHONE


Die Smartphone-App "Hilfe im Wald" kann sich jeder downloaden. In der App wird der genaue Standort des Unfallortes angezeigt. Das erleichtert dem Rettungsdienst die Anfahrt. Wer das in der App hinterlegte Telefon-Symbol drückt, wird direkt mit der zuständigen Leitstelle verbunden.