Ungewöhnliche Verbindung

LEIWEN. (ae) Auf eine bewegte Geschichte blickt die Euchariuskapelle im Weinort Leiwen an der Mosel zurück. Heute dient sie als Museum, das eine ungewöhnliche Verbindung zwischen Sakralem und Weinbau schafft.

In einer kleinen Seitenstraße im Ortskern von Leiwen findet sich die Euchariuskapelle. Der Bau aus dem 16. und 17. Jahrhundert wurde seit der Säkularisierung nicht mehr als Kirche genutzt, sondern diente teils als Lagerraum, in den 20er- und 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts sogar als Unterkunft für Obdachlose. Von 1989 bis 1992 wurde die Kapelle saniert und als Museum und Begegnungsraum ausgebaut. Um ihre religiöse Bedeutung zu wahren, wird darin sowohl historische als auch zeitgenössische sakrale Kunst ausgestellt. Darunter befindet sich eine Installation von Guy Charlier, die sich mit dem durch Diesseits und Jenseits begrenzten Dasein auseinander setzt. Gefördert von der Stiftung Heimat und Wein, konnten nach und nach auch andere Werke von Künstlern der Region erworben werden. Verlässt man die Kapelle, betritt man einen Raum, der als bauliche Verbindung zwischen dem Sakralbau und einer ehemaligen Scheune dient. Geradezu symbolisch ist eine Skulptur aus dem dritten Jahrhundert untergebracht, die des römischen Gottes der Weinküfer, Scullus. Er leitet über zu einer Küfer- und Stellmacherwerkstatt im Nebenraum. Das Obergeschoss widmet sich der Geschichte Leiwens. Ergänzt von Fundstücken und einem Modell, wird die Ausgrabung einer römischen Villa dokumentiert. Besonders interessant sind die Zeugnisse jüngerer Geschichte, die sich mit dem Schicksal der jüdischen Bevölkerung Leiwens befassen. An gleicher Stelle wird auf den jüdischen Friedhof hingewiesen. Ebenfalls im Obergeschoss steht eine Vitrine zum Gedächtnis an Stefan Andres, der 1906 in Breitwiese, einem Ortsteil von Trittenheim, geboren wurde. Interessante und lebendige Geschichten rund um die Exponate bietet eine Führung, die einschließlich eines Gläschens Wein zum Eintrittspreis von 2,50 Euro (für Erwachsene) gebucht werden kann. Bis Ende Oktober ist das Museum samstags zwischen 15 und 17 Uhr geöffnet, Termine auf Vereinbarung unter Telefon 06507/3100.