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Unmut über Rückbau von Baumscheiben

Unmut über Rückbau von Baumscheiben

MORSCHEID. Missstimmung zum Weihnachtsfest: In Morscheid sind elf verkehrsberuhigende Maßnahmen, so genannte Baumscheiben, zurückgebaut worden. Nicht bei allen Bewohnern fand diese Maßnahme Zustimmung.

Vom "Rückbau der Baumscheiben" hatte Anwohnerin Martha Groß erstmals im Amtsblatt der Verbandsgemeinde gelesen. "Baumscheiben? Was ist denn das?", hatte sie sich gefragt. Was war geschehen? Gemeinderatsmitglied Margret Philippi: "Bei einer Begehung im Baugebiet ‚Im Riemen‘ stellten wir an den Grünflächen, den so genannten Baumscheiben, teilweise Schäden am Gehweg, dem Straßenkörper und den wasserführenden Rinnen fest." Armdicke Wurzeln der Bäume hatten die Beläge an und neben einigen "Baumscheiben" nach oben gedrückt. "Von den Bäumen gingen Gefahren aus"

Ortsbürgermeister Josef Weber und seinem Gemeinderat war klar: "Um diese Schäden zu beseitigen und künftigen, noch größeren vorzubeugen, ist ein Rückbau der Grünflächen unumgänglich." "Dies wurde auch deshalb notwendig, da von den Bäumen sogar Gefahren ausgingen", sagt Margret Philippi. Vor dem Anwesen Nummer 23 in der Langheckstraße stand ein 30 Zentimeter starker Baum so schief, dass er möglicherweise beim nächsten Sturm umgestürzt wäre und große Schäden angerichtet hätte. Zudem gingen wegen der Bauweise der Flächen mit hohen Bordsteinen und der verpflichtenden Anbringung von Verkehrsbaken erhebliche Gefahren für sorglos agierende Kinder aus. Für Martha Groß und andere Anwohner waren dies allerdings keine Gründe, die Baumscheiben zu beseitigen. Groß: "Die Straßenschäden sind, unabhängig von den Baumscheiben, an Straßeneinmündungen und Übergängen von der Straße zum gepflasterten Rinnsal entstanden." So hält sie auch den verkehrsberuhigenden Effekt in diesem Dorfteil für wirklich notwendig und sinnvoll und klagt über die Verschwendung von Steuergeldern. "Zunächst werden für die Herstellung der Baumscheiben jeweils 5000 Euro investiert und später nochmals 1000 Euro für deren Entfernung", kritisierte sie. "In Trier haben Bäume keine Schäden verursacht"

In ihrem Boot ("Viele Anwohner waren erstaunt und auch empört") hat sie auch Gärtnermeister Heinz Tholl. "In Trier stehen die gleichen Bäume, die rund 100 Jahre alt sind und keine Schäden verursacht haben", sagt er. Geärgert hat er sich über die 9000 Euro teure Maßnahme, "weil die Straßendecke mit der Zeit auch ohne den Einfluss der Bäume Schäden aufgewiesen hätte". Während der Gemeinderat in den weiteren Sitzungen am 4. Mai und 1. Juni beschlossen hatte, die Kosten zu ermitteln und sich für die Beseitigung der Baumscheiben entschied, wandte sich Martha Groß an den Bürgerbeauftragten des Landes Rheinland-Pfalz, Ullrich Galle. Die Sache war bei ihr wie eine Sucht geworden. Bei ihren Fahrten durch Neubaugebiete sah sie überall die Grünstreifen mit Bäumen und Baumscheiben mit Bepflanzungen - nur in Morscheid sollten sie keinen Nutzen haben? Bürgerbeauftragter konnte nicht helfen

Doch auch der Bürgerbeauftragte konnte ihr nicht helfen. Er zeigte nochmals die bekannten Schäden auf und schrieb im November: "Es ist zu erwarten, dass in Zukunft auftretende Schäden einen ständigen Arbeits- und Mitteleinsatz durch die Ortsgemeinde erforderlich machen." Die Ortsgemeinde habe deshalb keine Möglichkeit, von der Entfernung der Baumscheiben als Korrektur zur damaligen Planung abzusehen. Ullrich Galle in einem Schreiben vom 14. Dezember: "Nach den Erfahrungen des Landesbetriebes Straßen und Verkehr Rheinland-Pfalz verblasst die anfängliche Signalwirkung durch versetzt angeordnete Baumscheiben nach einer gewissen Eingewöhnungszeit." Außerdem könne bei einer Verkehrsmenge von weniger als 100 Fahrzeugen pro Stunde eine geschwindigkeitsreduzierende Wirkung mit einer Baumscheibe nicht erzielt werden. Der Brief aus Mainz kam zwei Tage, nachdem die Baumscheiben zurückgebaut worden waren. "Schade um die lebenden Pflanzen, aber wir haben im und um den Ort noch ausreichendes Grün", sagt Margret Philippi.