Unwirtschaftlich: Verbandsgemeinde und Stadt Konz wollen mehrere öffentliche Gebäude nicht sanieren

Unwirtschaftlich: Verbandsgemeinde und Stadt Konz wollen mehrere öffentliche Gebäude nicht sanieren

Abriss statt Sanierung: Vier öffentliche Gebäude in Konz sind so marode, dass sich Stadt- und Verbandsgemeinderat für deren Abriss entschieden haben. Konzepte für die Nutzung der Grundstücke nach dem Abriss gibt es jedoch noch nicht.

Konz. Beim ehemaligen Obdachlosenwohnheim in der Karthäuser Straße 3 steht es schon länger fest. Das Gebäude soll dem Erdboden gleichgemacht werden. Nun sollen das ehemalige Schwimmmeisterhaus am Konzer Hallenbad und die Fischersmühle in der Lindenstraße abgerissen werden. Der Verbandsgemeinderat Konz hat kürzlich entsprechende Beschlüsse gefällt. Auch das noch bewohnte Haus in der Saarstraße soll dem Bagger zum Opfer fallen.

Gründe für den Abriss: Gemeinsam haben die vier Gebäude, dass sie der Stadt oder der Verbandsgemeinde Konz gehören. Und die Gründe für den Abriss hören sich alle ähnlich an: Die Fischersmühle und der Bau in der Karthäuser Straße 3 stehen laut Doris Klassen von der Konzer Verwaltung leer, weil sie baufällig und nicht mehr bewohnbar waren. Eine Sanierung sei unter anderem wegen der hohen technischen Anforderungen nicht mehr wirtschaftlich. Das Schwimmmeisterhaus Am Stadion sei so marode, dass eine Erneuerung nicht mehr vertretbar sei, weil sie vermutlich zu teuer würde. Auch in der Saarstraße rechnet sich aus Sicht der Verwaltung eine Sanierung nicht.

Nichtöffentliche Debatten: Die Abrissbeschlüsse wurden allesamt in nichtöffentlichen Teilen Sitzungen gefasst: am 23. Juli 2015 (Karthäuser Straße 3) sowie am 2. Juni 2016 (ehemaliges Schwimmmeisterhaus) im VG-Rat sowie am 31. Mai 2016 im Stadtrat (Saarstraße 26 und Fischersmühle). Zum Zeitpunkt der Sitzungen war das am 1. Juli in Kraft getretene Landestransparenzgesetz noch nicht gültig. Deshalb konnten die Räte die Beschlüsse unter dem Tagesordnungspunkt Grundstücksangelegenheiten im nichtöffentlichen Teil der Sitzungen fällen.
Kritik der Grünen: Die Grünen-Fraktionen in der Stadt und der VG lehnen den Abriss der Immobilien ab. Martina Wehrheim, Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, und Sascha Gottschalk, Fraktionsvorsitzender im VG-Rat, erklären: "Wir fordern Transparenz von der Verwaltung, was mit den freiwerdenden Grundstücken geschehen soll. Die Bürger haben ein Anrecht zu erfahren, was in ihrem Quartier geschieht."
Es werde weiterer Wohnraum in Konz vernichtet, ohne konkrete Planung dazu, ob und wie dafür neuer und insbesondere sozialer Wohnraum geschaffen werden könne, wie es der Bürgermeister bei der Wahl versprochen habe.
Besonders am Schwimmbad befürchtet Gottschalk, dass über das Grundstück des ehemaligen Schwimmmeisterhauses eine neue Straße geführt werde. Das sei das Letzte, was das bisher noch ruhige benachbarte Wohnviertel brauchen könne, sagt Gottschalk. Dagegen wollen sich die Grünen wehren.

Pläne für Grundstücke: Während anstelle des ehemaligen Gasthaus Peter Sorgen in der Karthäuser Straße 3 vorerst ein Parkplatz angelegt werden soll, fehlen laut Klassen bei den drei anderen Gebäuden konkrete Pläne dafür, was künftig auf den Grundstücken passiert. Darüber müssten die zuständigen Gremien befinden.
Zur Fläche am ehemaligen Schwimmmeisterhaus hatte der hauptamtliche Beigeordnete der VG Konz, Joachim Weber, bereits gegenüber dem TV erklärt, dass sie zusammen mit dem restlichen ehemaligen Freibadbereich überplant werde einschließlich der Verkehrsführung ("Konzer sind zufrieden mit ihrem Bad", TV vom 21. Juli).
"Für den Bereich des Schwimmbadgeländes wurde ein Planungsauftrag zur Erarbeitung eines Nutzungskonzeptes erteilt", sagt auch Verwaltungssprecherin Doris Klassen auf TV-Anfrage. "Nach Vorlage des Nutzungskonzeptes wird der Rat die gemachten Vorschläge beraten und entscheiden."

Sonderfall Saarstraße: Das Gebäude in der Saarstraße 26 ist ein Sonderfall, weil es noch bewohnt ist. Es gibt zwei Mieter. Zudem übernachten laut Verwaltung regelmäßig bis zu vier Obdachlose in den Räumen des Komplexes. Auf TV-Anfrage sagt der hauptamtliche Beigeordnete Weber, dass die Verwaltung gewillt sei, den Mietern zu helfen, eine neue Wohnung zu finden. In Bezug auf die Obdachlosen meint er: "Die lassen wir nicht im Regen stehen." Es gebe schon Überlegungen über Räume, die als Obdachlosenunterkunft infrage kämen. Ein Beschluss stehe noch aus.Meinung

Raum für günstige Wohnungen
Es ist legitim, wenn die Gremien in der Stadt und der Verbandsgemeinde Konz die maroden Gebäude nicht mehr erneuern wollen. Allerdings ist es nicht die feine Art, Abrissbeschlüsse zu fällen, wenn die Bewohner noch keine neue Bleibe gefunden haben und um ihre Zukunft bangen. Gerade arme Menschen sind bei der Wohnungssuche auf konkrete Hilfe statt auf leere Versprechungen angewiesen. Und bei der Schaffung sozialen Wohnraums ist das Konzer Rathaus als Planungsbehörde gefragt. Die freiwerdenden Flächen sollten zumindest zum Teil entsprechend genutzt werden. Auch Bürgermeister Karl-Heinz Frieden hatte im Wahlkampf thematisiert, wie wichtig sozialer Wohnraum ist. Die Planer dürfen diesen Bedarf angesichts des florierenden Grundstücksmarkts im Großraum Trier nicht vergessen. Denn gerade jetzt sind die sozial Schwachen auf Hilfe angewiesen. Da sind die Planer im Rathaus am Zug, vernünftige Lösungen zu finden. c.kremer@volksfreund.de

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