Urne verdrängt Eichensarg

Die Friedhofsgebühren sind bei Haushaltsberatungen in fast allen Orten der Verbandsgemeinde Saarburg ein Thema. Die Kommunalaufsicht fordert immer wieder kostendeckende Preise für die Friedhöfe. Doch das ist den Bürgern kaum zuzumuten.

Saarburg. Die Gebührenordnungen für die 27 Friedhöfe in der Stadt Saarburg und den Orten der Verbandsgemeinde werden vom Stadtrat und den Ortsgemeinderäten beschlossen. Die Preise reichen beispielsweise für ein Reihengrab, von 307 Euro in Kastel-Staadt bis 450 Euro in Ockfen und Saarburg. Ein Urnengrab gibt es in Merzkirchen schon für 200 Euro. In Ockfen kostet es 600 Euro. Noch teurer wird es, wenn die Urne in einer Wand bestattet wird. Hierfür verlangt Freudenburg 700 Euro und Taben-Rodt 720 Euro.

Gebühren müssen laut Gesetz angepasst werden



Die Urnenstele in Mannebach schlägt sogar mit 750 Euro zu Buche. Spitzenreiter ist das neue Urnenfeld in Serrig mit 900 Euro, allerdings inklusive Grabpflege. "Der Trend zur Urne hängt mit den gesellschaftlichen Veränderungen zusammen", vermutet der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Saarburg, Leo Lauer. Die Angehörigen seien beruflich angespannt oder leben weit weg, wollen oder können sich deshalb nicht intensiv um die Grabpflege kümmern.

Die Preisunterschiede zwischen Reihen- und Urnengrab seien akzeptabel, auch wenn der Kreis besonders bei defizitären Haushalten verschiedener Ortsgemeinden immer wieder auf Erhöhungen drängt. "Die Kommunalaufsicht ist verpflichtet, die Gemeinden zu wirtschaftlichem Haushalten anzuhalten. Das gilt auch für Friedhöfe", erklärt der Pressesprecher des Landkreises Trier- Saarburg, Thomas Müller.

Es sei den Bürgern natürlich nicht zuzumuten, dass nach einer Friedhofserweiterung oder einer neuen Urnenwand die Gebühren direkt kostendeckend heraufgesetzt werden. Dennoch müssten die Gebühren laut Gesetz den Bewirtschaftungskosten eines Friedhofs angepasst werden. Daran werde immer wieder erinnert.

Auf einigen der 27 Friedhöfe in der Verbandsgemeinde Saarburg gibt es jedoch Besonderheiten. "Wir haben die Gebühren für die fünf Saarburger Friedhöfe gemittelt", erklärt Jürgen Kremer von der Friedhofsverwaltung, denn die Kosten seien hier schon wegen der topgraphischen Lage höchst unterschiedlich. Er bestätigt den Trend zur pflegeleichten Bestattung: "Im Jahr 2003 entschieden sich noch 32 Prozent für die Urne, inzwischen sind es 41 Prozent." Auch die anonyme Bestattungsform nimmt zu.

"Die Zahl der Todesfälle ist ja nicht vorhersagbar", beschreibt der Ortsbürgermeister aus Ayl, Siegfried Büdinger, das Problem. Sein Rat habe die Gebühr nur moderat um 25 Euro für ein Reihengrab und 50 Euro für die Urnenvariante erhöht, denn: "Wir dürfen die Kosten für eine Beerdigung nicht ausufern lassen."

Keine Probleme in Fisch



Eine Besonderheit gibt es in Fisch. Vor über zehn Jahren beschlossen hier alle Bürger wiederkehrende Beiträge von 20 Euro pro Grabstelle und Jahr, auch über die normale Nutzungsdauer von 25 Jahren hinaus. "Das ist eine Regelung, mit der die gesamte Bürgerschaft einverstanden sein muss. Das kann man nicht einfach so im Rat beschließen", sagt dazu Ortsbürgermeister Dieter Schmitt.

Da der Haushalt in Fisch ausgeglichen sei, gebe es mit den Friedhofsgebühren keine Probleme.

Meinung

Ohne Erhöhung geht es nicht

Überall wird über die mangelnde Finanzausstattung und die vielen Pflichtaufgaben der Kommunen geklagt. Dass das Geld in den Gemeindekassen immer knapper wird, ist schon seit Jahren absehbar. Trotzdem schrecken die Gemeinden vor der Erhöhung der Friedhofsgebühren zurück, anstatt sie Schritt für Schritt den tatsächlichen Kosten anzupassen, wie es von der Kommunalaufsicht schließlich auch gefordert wird. Damit leisten sie sich freiwillige Ausgaben. Auch wenn es speziell bei diesem sensiblen Thema schwierig ist, die Menschen zur Kasse zu bitten, müssen sich die Verantwortlichen fragen, wie lange sie sich diese Rücksichtnahme noch leisten können. n.john@volksfreund.deExtra So viel kosten Reihen- und Urnengräber in der Stadt Saarburg und den 15 Ortsgemeinden: Reihengrab/ Urnengrab Stadt Saarburg: 450/300 Euro inklusive Pflege: 600 Euro Ayl: 375/ 300 Euro Fisch: 20 Euro pro Grab und Jahr Freudenburg: 375/250 Euro In der Urnenwand: 700 Euro Irsch: 375/ 220 Euro Kastel-Staadt: 307 Euro Kirf: 340/ 220 Euro Mannebach: 400/300 Euro In Urnenstele: 750 Euro Merzkichen: 375/ 200 Euro Ockfen: 450/ 600 Euro Palzem: 320/ 250 Euro Schoden: 375/ 300 Euro Serrig: 400/ 310 Euro Neues Urnenfeld inklusive Pflege 900 Euro Taben-Rodt: 410/ 375 Euro Urnenwand: 720 Euro Trassem: 338/ 220 Euro Wincheringen: 350 Euro