Verbandsgemeinde Hermeskeil plant Lehrstellen-App

Ausbildung in der VG Hermeskeil : Mit neuer App zur passenden Lehrstelle im Hochwald

Die Verbandsgemeinde Hermeskeil plant ein Programm fürs Handy, mit dem Jugendliche leichter Ausbildungsplätze finden sollen. Betriebe reagieren positiv. Die Kammern loben die Initiative, verweisen aber auf hohen Arbeitsaufwand.

Firmen klagen darüber, dass sie ihre Ausbildungsplätze oft nur mit Mühe besetzen können. Auf der anderen Seite stehen Jugendliche, die Lehrstellen suchen, aber gar nicht wissen, was die Betriebe in der Heimat  alles zu bieten haben. Zwei Probleme, bei deren Lösung die Verbandsgemeinde (VG) Hermeskeil behilflich sein will.

Das ist geplant „Wir wollen die Suchenden zusammenbringen, über ein zeitgemäßes Medium“, sagt Stefanie Schömer, bei der VG Hermeskeil für Wirtschaftsförderung zuständig. Mit der Hilfe zweier Hermeskeiler Gymnasiasten wird zurzeit eine Lehrstellen-App entwickelt. Dieses Programm können Schüler und junge Erwachsene bald auf Handys, Computer oder Tablets herunterladen. Es soll ihnen aktuelle Stellen, freie Ausbildungs- und Praktikumsplätze, Angebote für ein duales Studium und Ferienjobs bei Unternehmen im Hochwald anzeigen.

„Die jungen Leute sind alle auf digitalen Kanälen unterwegs“, sagt Hartmut Heck, beauftragter Bürgermeister der Verbandsgemeinde. Über die App hoffe man, die Jugend besser zu erreichen und mit den Betrieben zu vernetzen. Bei der technischen Umsetzung helfen zwei Schüler aus dem Informatik-Leistungskurs. „Die Jungs wissen genau, wie so eine App aufgebaut sein muss, damit sie genutzt wird.“

So funktioniert die App Das Programm soll kostenlos abrufbar sein. Auf dem Start-Bildschirm können die Nutzer anklicken, wonach sie suchen – Job, Ausbildung oder Praktikum. Dann wählen sie zwischen Branchen und Berufsfeldern und finden dort eine Übersicht der aktuellen Angebote sowie Links zu den Anzeigen und Internetseiten der Firmen. „Bislang gibt es keine Plattform für unsere Hochwald-Region, die das Angebot in Gänze und übersichtlich erfasst“, sagt Stefanie Schömer. „Wir wollen versuchen, so viel wie möglich zu bündeln.“ Angesprochen seien die Jugendlichen und Betriebe in der Verbandsgemeinde Hermeskeil, sagt VG-Chef Heck. Das Gebiet lasse sich aber durchaus erweitern.

Die App soll laut Schömer noch eine Testphase durchlaufen und im Sommer starten. In ersten Gesprächen mit Betrieben sei die Idee gut angekommen. „Wirtschaftsförderung bedeutet ja nicht nur, neue Firmen anzusiedeln. Es geht auch darum, die vorhandenen zu stärken.“

In den nächsten Wochen werde man die Betriebe informieren und für das Projekt werben. Schließlich müssten die Unternehmen ihre Daten für die App übermitteln. Diese einzupflegen und zu aktualisieren wird Aufgabe der Wirtschaftsförderin sein. „Da bin ich natürlich auf einen ständigen Mitteilungsfluss angewiesen“, sagt Stefanie Schömer, die darauf hofft, dass das Programm bis zur Hochwald-Gewerbeschau im Frühjahr 2020 „ordentlich mit Leben gefüllt ist“. Einbinden wolle die VG neben dem Hochwald Gewerbe Verband auch die Veranstalter lokaler Bildungsmessen wie die Berufsbildende Schule (BBS) und die Integrierte Gesamtschule.

Erste Reaktionen „Das ist eine Idee, die super funktionieren kann“, findet Markus Lammes, Leiter der BBS-Außenstelle in Hermeskeil. Allerdings müsse sichergestellt sein, dass die App regelmäßig aktualisiert werde. „Stehen da veraltete Angebote drin, wird so was schnell gelöscht.“ Für die Berufsschüler seien vor allem die Praktika interessant. „Geeignete Plätze zu finden, wird immer schwieriger.“ Lammes regt an, Angebote auch aus angrenzenden Gebieten wie dem Hunsrück und Saarland einzubeziehen.

Sabrina Kumar ist zuständig für Personalbetreuung bei Siegenia Aubi in Hermeskeil. Die international agierende Unternehmensgruppe ist Hersteller für Tür- und Fensterbeschläge sowie Anbieter von Lüftungs- und Gebäudetechnik. „Wir werden gerne bei der Lehrstellen-App unterstützen“, sagt Kumar. Allerdings brauche sie dazu noch genauere Informationen. „Wir haben zunehmend Probleme bei der Besetzung offener Ausbildungsplätze“, sagt Kumar. Manche blieben sogar unbesetzt. Um mögliche Bewerber direkt anzusprechen, nutze das Unternehmen natürlich auch digitale Kanäle.

Das sagen die Kammern Die Industrie- und Handelskammer (IHK) und die Handwerkskammer (HWK) Trier bieten vielfältige digitale Unterstützung an. Unter anderem gibt es Lehrstellenbörsen, die die gesamte Region Trier abdecken. Die Daten dafür liefern die bei der Arbeitsagentur gemeldeten Ausbildungsplätze, Umfragen bei Betrieben und ausgewertete Stellenanzeigen. Die App Lehrstellen-Radar der HWK benachrichtigt Nutzer automatisch, wenn für sie passende Stellen verfügbar sind. Ein Ausbildungsatlas von IHK und HWK listet alle Ausbildungsbetriebe der Region auf. „Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass die Datenpflege für die Betriebe eine große Hürde darstellt“, sagt IHK-Pressesprecher Sebastian Klipp auf Anfrage. Ein langfristig positiver Effekt sei nur bei hohem, auch personellem Aufwand gewährleistet.

Grundsätzlich seien neue Initiativen wichtig. Die Lehrstellen-App der VG Hermeskeil könne eine „wertvolle Ergänzung“ sein, wenn sie für die Schüler vor Ort auch die vielfältigen Angebote zur Berufsorientierung bündele. Die Datenpflege müsse gesichert sein und „im besten Fall eine Verknüpfung zu übergeordneten Systemen“ bestehen. Bei mehreren Apps für verschiedene Verbandsgemeinden würde sich der Pflegeaufwand für die Betriebe erhöhen, die ihre Azubis nicht nur innerhalb einer VG suchten.

Petra Kollmann, bei der HWK für das bundesweite Projekt „Passgenaue Besetzung“ zuständig, sagt: „Die App ist ein zusätzliches Angebot. Man kann das versuchen, wenn der Aufwand nicht zu hoch ist.“ In den Schulen müsse man intensiv werben, damit das Angebot auch genutzt werde. Allerdings habe sie Zweifel, ob die Jugendlichen sich bei ihrer Lehrstellen-Suche auf ein VG-Gebiet beschränken.

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