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Verbandsgemeinde Konz will Ganztagsschule in Tawern und hat die meisten in der Region Trier

Pro und Kontra in Trier und Trier-Saarburg : Wer hat die Nase vorn beim Ausbau von Ganztagsschulen?

Tawern könnte eine Ganztagsschule bekommen. Während diese verpflichtende Form rund um Konz sehr beliebt ist, greifen andere Städte und Gemeinden eher auf freiwillige Nachmittagsbetreuungen zurück.

Wenn sich der Tawerner Ortsgemeinderat am Dienstag um 19.30 Uhr trifft, geht es unter anderem darum, ob die Grundschule im Dorf zur Ganztagsschule werden soll. Die Gemeinde trifft zwar nicht die Entscheidung, sie muss aber das Grundstück eines ehemaligen Amtsgebäudes freigeben, damit dort zusätzliche Räume für die örtliche Grundschule geschaffen werden können. Damit würde die sechste von acht eigenständigen Grundschulen in Trägerschaft der Verbandsgemeinde (VG) Konz zur Ganztagsgrundschule. Die VG ist schon jetzt mit 62,5 Prozent der Schulen absoluter Primus rings um Trier, wenn es um die Schaffung von Ganztagsgrundschulen geht. Mit einer weiteren Ganztagsschule würde die VG ihren Vorsprung ausbauen (siehe Grafik).

An zweiter Stelle der Ganztagsgrundschulträger kommen die VG Ruwer (50 Prozent) und die Stadt Trier (45,5 Prozent Ganztagsschulen). Allerdings ist der Kreis Träger einer Grund- und Realschule plus in Waldrach. In Trier gibt es zwei private Träger von Ganztagsschulen (der Waldorfschule sowie der Grundschule am Dom).

Dass nur ein geringer Teil der Grundschulen Ganztagsschulen sind, heißt nicht, dass es anderswo keine Nachmittagsbetreuung gibt. Allerdings müssen die Eltern für die sogenannte betreuende Grundschule Gebühren zahlen, während die Ganztagsschule nichts kostet.

Für und Wider aus Elternsicht Ganztagsschule in Rheinland-Pfalz bedeutet, dass die Kinder von montags bis donnerstags von morgens bis 16 Uhr und freitags bis 14 Uhr in der Schule bleiben müssen. An sogenannten betreuenden Grundschulen, wie die Schulen mit Nachmittagsbetreuung heißen, sind die Betreuungszeiten nicht verpflichtend, sondern werden individueller geregelt. Der Regionalelternsprecher für den Schulbezirk Trier, Reiner Schladweiler, erläutert die Vor- und Nachteile aus Eltern- und Schülersicht. Ein ganz klarer Vorteil der Ganztagsschule sei, dass sie die Eltern im Gegensatz zu anderen Betreuungsangeboten nichts koste. Ganztagsschulen seien jedoch weniger flexibel als die betreuenden Grundschulen, sagt Schladweiler. Dort könnten Eltern ihre Kinder auch einfach früher abholen oder gar nicht erst hinbringen. Hinzu komme, dass die Ferienbetreuung an betreuenden Grundschulen im Gegensatz zu Ganztagsschulen oft geregelt sei. Dafür sei dort die Nachmittagsbetreuung meist qualitativ besser als an betreuenden Grundschulen.

Sicht der Verwaltung Die Verwaltung in Konz steht voll und ganz hinter den Ganztagsschulen. Verwaltungssprecher Michael Naunheim erklärt, warum: „Die Kinder profitieren von einer intensiveren schulischen Förderung.“ Insgesamt arbeiteten Schüler und Lehrer enger zusammen, die Arbeitsatmosphäre sei durch die Nachmittagsprogramme lockerer. „Die Schüler können dadurch individuell besser gefördert werden“, sagt Naunheim. „Den Eltern wird durch dieses Bildungsangebot eine verbesserte Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Erziehungsarbeit ermöglicht.“ Den Aspekt der Kosten, die bei der Nachmittagsbetreuung für die VG entstehen, bei der Ganztagsschule aber nicht, erwähnt Naunheim nicht.

Doch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird auch durch Nachmittagsbetreuung ermöglicht. Das betont zum Beispiel Nathalie Hartl, Presseprecherin der VG Saarburg-Kell, auf TV-Anfrage. Dort gibt es nur zwei Ganztagsgrundschulen – die Quote mit Blick auf alle Grundschulen liegt bei 20 Prozent. Es gebe zwar momentan Diskussionen darüber, eine weitere Grundschule zur Ganztagsgrundschule umzuwandeln, aber konkrete Pläne lägen nicht vor, sagt Hartl. Sie erklärt, warum: „In der Vergangenheit haben Gespräche mit Schulleitern, Eltern und Lehrern an verschiedenen Standorten ergeben, dass die Einrichtung zusätzlicher Ganztagsgrundschulen von der Mehrheit nicht gewünscht wird.“ Viele Eltern schätzten die zeitliche Flexibilität der Nachmittagsbetreuung – zum Beispiel am Freitagnachmittag.

Den Wunsch nach einem flexiblen Betreuungsangebot führt auch Stephanie Nickels, Bürgermeisterin der VG Ruwer, auf TV-Anfrage an. Der Betreuungsbedarf werde in der VG Ruwer zum Beispiel jährlich in Zusammenarbeit mit den Grundschulen erhoben. Das Angebot werde „bedarfsorientiert weiterentwickelt“.

Tawern Auch in Tawern gibt es schon ein Nachmittagsbetreuungsangebot. Auf lange Sicht hätte die Gemeinde aber gerne eine echte Ganztagsschule. Ortsbürgermeister Thomas Müller sagt, dass die Grundschule dadurch räumlich besser aufgestellt werden könne. Unter anderem würden eine Mensa und eine Aula gebraucht. Ohne die mit einer Ganztagsschule einhergehenden Landeszuschüsse sei ein solcher Ausbau in Tawern vermutlich nicht finanzierbar. Die VG Konz hat jedoch schon jetzt für die Ergänzung der Grundschule in Tawern für die Jahre 2020/21 insgesamt 1,15 Millionen Euro im Investitionsprogramm stehen. Der VG-Rat hat dieses Programm am Donnerstag verabschiedet.

Müller betont auch: „Es darf, was die Betreuungszeiten angeht, nicht schlechter werden.“ Das derzeitige Nachmittagsangebot in Tawern laufe bis 17 Uhr. Das werde so von den Eltern nachgefragt, sagt Müller. Er verweist auf den kürzlich erfolgten Ausbau des Kindergartens und eine aktuelle Pendlerstatistik, die davon ausgehe, dass täglich 500 Tawerner zur Arbeit pendeln. Beides seien Argumente für den Bedarf nach langen Betreuungszeiten. Diese will Müller am liebsten durch eine Kombination aus Ganztagsschule mit einem zusätzlichen gebührenfinanzierten Betreuungsangebot beibehalten.

Idealfall Pädagogisch hält Regionalelternsprecher Schladweiler eine rhythmisierte Ganztagsschule für ideal. Im Gegensatz zu  den gängigen Ganztagsschulen in Angebotsform (Pflichtunterricht morgens und vormittags, zusätzliches Angebot nachmittags) ist der Tagesablauf der Kinder nach diesem Konzept bedürfnisgerecht getaktet nach Lern-, Ruhe- und Spielphasen. In Rheinland-Pfalz gebe es diese Form in der Regel nicht, weil zu wenig Geld für Personal bereitgestellt werde, sagt Schladweiler.

Eine Empfehlung für die Tawerner hat der Regionalelternsprecher auch: „Sorgt dafür, dass ihr eine rhythmisierte Ganztagsschule bekommt und behaltet eure zusätzliche Betreuung bei. Dann wären auch die Freitage und die Ferienzeit mit abgedeckt.“ Die rhythmisierte Ganztagsschule dürfte zumindest vorerst eine Wunschvorstellung bleiben. Die zusätzliche Betreuung ist jedoch „nur“ eine Frage des Geldes, das die Beteiligten von den Eltern bis zum Schulträger zu zahlen bereit und fähig sind.