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Vergessenes Ticket sorgt für Streit am frühen Morgen

Vergessenes Ticket sorgt für Streit am frühen Morgen

Das Fahren ohne gültigen Fahrausweis nennt man Schwarzfahren. Aber was ist, wenn ein gültiger Fahrausweis vergessen wurde? Der zwölfjährige Konrad Oschmann aus Zerf wurde morgens um sieben Uhr wieder aus dem Bus geschickt. Sein Vater ist empört über das Verhalten des Fahrers.

Zerf. Morgens um 7 Uhr an der Bushaltestelle in Zerf: Konrad Oschmann will in den Bus einsteigen, der ihn zur Realschule nach Saarburg bringen soll. Doch der Zwölfjährige findet seine Monatskarte nicht. Es ist bereits das dritte Mal hintereinander. Denn irgendwo zu Hause steckt der Fahrausweis in einer anderen Hose.
Diesmal kennt der Fahrer (Name der Redaktion bekannt) kein Pardon. Er wirft Konrad aus dem Bus. Unter Tränen ruft das Kind seinen Vater Michael an. Der 50- Jährige setzt sich sofort ins Auto und stoppt den Bus. Es entsteht ein heftiger Disput zwischen Vater und Busfahrer. Doch durch den überstürzten Aufbruch hat auch der Vater kein Geld dabei. Dass Konrad an diesem Morgen doch noch nach Saarburg kommt, hat er einer Mitschülerin zu verdanken. Sie leiht ihm das Geld für eine Einzelkarte.
Nach dem Vorfall, der diese Woche passiert ist, wendet sich der empörte Vater an den TV. Der Versicherungskaufmann klagt: "Der Fahrer kennt doch meinen Sohn. Der weiß genau, dass er eine bezahlte Monatskarte hat."
Der Siebtklässler schildert das Geschehen so: "Ich hatte voll die Panik und wusste nicht, was ich machen soll, wenn ich Papa nicht erreiche."
Michael Oschmann ist der Meinung: "Es mag ja sein, dass ein Busfahrer seinen Anweisungen folgen muss. Aber es ist verantwortungslos, ein Kind einfach in der Dunkelheit stehen zu lassen." Konrad sei ja kein Schwarzfahrer, und er könne sich auch nicht vorstellen, dass eine solche Rücksichtslosigkeit vom Arbeitgeber abgedeckt ist.
Angestellt ist der Fahrer bei der Firma Schulligen-Reisen aus Losheim-Britten. In einer schriftlichen Stellungnahme, die der Redaktion vorliegt, berichtet der Fahrer von den Beschimpfungen des Vaters. Der Junge sei ja einmal ohne Fahrschein mitgenommen worden, habe dann wieder keinen Fahrausweis und kein Geld dabei gehabt. Erst am dritten Tag habe Konrad bezahlen können, hatte aber immer noch nicht die Monatskarte dabei.
Die Situation wird vom Niederlassungsleiter Trier der Rhein- Mosel-Verkehrsgesellschaft (RMV), Joachim Huber, bestätigt, in deren Auftrag Schulligen fährt. Huber kritisiert: "Herr Oschmann hat sich mit seinem Auto vor den Bus gestellt. Das kann als Nötigung verstanden werden."
Michael Oschmann hält dagegen: "Wenn ein Kind früh morgens einfach in der Dunkelheit stehen gelassen wird, kann das auch den Tatbestand der Körperverletzung erfüllen." Hier sei doch eine seelische Notlage des Jungen herbeigeführt worden.
Nachdem die Wohnung auf den Kopf gestellt wurde und endlich die Hose gefunden war, in der die Monatskarte steckte, hat Konrad auch wieder einen gültigen Fahrausweis.
Michael Oschmann verlangt jetzt vom Busunternehmen Schulligen und dem Busfahrer eine Entschuldigung: "Ich will vor allem verhindern, dass so was auch anderen Kindern passiert."Meinung

Zu harte Reaktion
Die Schülerbeförderung in Bussen ist ein sehr sensibles Thema, dass immer wieder Eltern Anlass für Beschwerden liefert. Nun macht man es sich ohne Zweifel zu einfach, wenn man immer nur den "bösen Busfahrern" die Schuld zuschiebt. Beim aktuellen Vorfall in Zerf fehlte es dem Fahrer aber offenbar doch an Fingerspitzengefühl. Dass ein Schulkind nicht im Bus mitgenommen wird, nur weil es zum dritten Mal in Folge die Fahrkarte vergessen hat, ist eine übertrieben harte Reaktion. Zumal der Busfahrer in der letzten Oktoberwoche doch eigentlich wissen müsste, dass das Kind eine gültige Monatskarte besitzt. Mehr Nachsicht hätte keinem geschadet und unnötigen Ärger vermieden. a.munsteiner@volksfreund.de