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Vergleich im Kunohof-Streit - Parteien einigen sich vor dem Landgericht auf Verkauf einer Bauruine und Schadenersatz

Vergleich im Kunohof-Streit - Parteien einigen sich vor dem Landgericht auf Verkauf einer Bauruine und Schadenersatz

Der Nachbarschaftsstreit im Saarburger Kunohof, der dazu geführt hat, dass die dortige Baustelle mehrfach ins Stocken geraten war, ist vermutlich beendet. Bauunternehmer Daniel Bier und sein Bruder haben mit ihrem Nachbarn vor Gericht einen Vergleich geschlossen. Allerdings hat der Kreis Trier-Saarburg zwischenzeitlich erneut einen Baustopp verfügt.

Saarburg/Trier. Das Drama im Kunohof, das nun mit einem Vergleich vor Gericht beendet sein könnte, hat vor 18 Monaten begonnen. Damals haben die Brüder Daniel und Thomas Bier zwei marode Häuser im Kunohof abgerissen (der TV berichtete mehrfach). Dabei fielen die Fassaden in sich zusammen und beschädigten die Wand zum Nachbarhaus Kunohof 11 stark.

Problem: Das Gebäude war kurz zuvor verkauft worden. Mit dem Geld sollten Pflegekosten für den Eigentümer bezahlt werden. Allerdings wurde die Giebelwand des Hauses zerstört, bevor das Eigentum überschrieben worden war. Der Käufer trat von seinem Kaufvertrag zurück, da das Gebäude unbewohnbar war, und forderte Schadensersatz für die ihm entstandenen Kosten.

Streit: Der Eigentümer verlangte eine statische Sicherung seines Hauses und Schadensersatz - insbesondere für die Rückabwicklung des Kaufvertrags und der beauftragten Gutachter. Dagegen wehrten sich Daniel und Thomas Bier. Aus ihrer Sicht war das Haus Kunohof 11 beim Abbruch ihrer Häuser nicht so stark beschädigt worden, dass umfangreiche Sicherungsmaßnahmen nötig gewesen wären. Stattdessen begannen sie mit dem Bau eines Mehrfamilienhauses auf ihrem Grundstück.

Verwaltung: Die Kreisverwaltung Trier-Saarburg und die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord verhängten wiederholt Baustopps. Mal mussten neue Bauanträge gestellt werden, mal musste die Standsicherheit des Nachbarhauses hergestellt werden, mal war die Baustelle unzureichend gesichert. Allerdings zeigten die Versuche des Nachbarn, die Arbeiten auf dem Nachbargrundstück zu stoppen, keinen dauerhaften Erfolg, insbesondere weil die Kreisverwaltung Trier-Saarburg die Ansicht vertrat, dass die von den Biers vorgenommene Sicherung des beschädigten Hauses ausreichend sei, um nebenan die Arbeiten fortsetzen zu können.

Landgericht Trier: Der Eigentümer klagte gegen die Biers vor dem Landgericht Trier, nachdem sich die streitenden Parteien außergerichtlich nicht auf Schadensersatz und die Sicherung der Ruine einigen konnte. In der Gerichtsverhandlung vor sechs Wochen kritisierte Helmut Feit, Richter am Landgericht Trier, die Entscheidungen des Kreises, die Arbeiten an der Baustelle auf dem Nachbargrundstück der Bauruine nicht zu stoppen. Er schlug den Parteien einen Vergleich vor, um eine jahrelange gerichtliche Auseinandersetzung zu vermeiden.

Vergleich: Inzwischen haben die Parteien sich geeinigt. Die Biers kaufen das Nachbargrundstück für 57 000 Euro. Außerdem zahlen sie Schadensersatz und übernehmen einen Großteil der Verfahrenskosten. "Ich hoffe, dass ich damit die Akte schließen kann", sagte Nina Janßen, Anwältin des Eigentümers, nachdem der Vergleich beurkundet worden war.

Erneuter Baustopp: Nachdem zivilrechtlich das Problem gelöst scheint, gibt es wieder einen Stopp der Arbeiten am Rohbau von Seiten der Baubehörde. Thomas Müller, Pressesprecher der Kreisverwaltung Trier-Saarburg, nennt drei Gründe dafür: "Der Baubehörde liegt bislang kein Prüfbericht zur Standsicherheit des Baus vor. Zudem wurde der Wechsel des Bauleiters nicht der Verwaltung angezeigt. Und zuletzt entspricht die Bauausführung auch nicht den eingereichten Planunterlagen."
Die Zukunft: Wie es mit dem Nachbarhaus weitergeht, wollte Daniel Bier auf TV-Anfrage nicht sagen. Momentan ist die Giebelwand des beschädigten Hauses durch den Rohbau auf dem Nachbargrundstück verdeckt. Sie ist aber nach wie vor offen. Die Nachbarn hoffen, dass die Arbeiten bald beendet sind - oft genug haben die Gastronomen in der Nachbarschaft über die Baustelle geklagt, weil sie empfindliche Umsatzeinbußen hatten.Meinung

Noch lange kein Frieden im Kunohof
Der Kunohof ist die Achillesferse der Saarburger Altstadt. Neben den Ruinen an der Pfarrkirche Sankt Laurentius, die der Saarburger Pfarrgemeinde gehören, erregten die zwei vor 18 Monaten abgerissenen Häuser die Gemüter der Stadt. Klar war das ein innerstädtischer Schandfleck. Die Art und Weise, wie lasch man behördlicherseits mit dem Abriss über Nacht und den Folgen umgegangen ist, hinterlässt sicher noch für eine Weile einen faden Beigeschmack. Mit der zivilrechtlichen Einigung zwischen den Nachbarn könnte der Fall endlich erledigt sein. Aber Pustekuchen: Plötzlich zeigt die Verwaltung Zähne und stoppt den Bau eines Hauses, dem sie bislang meist tatenlos zugeschaut hat. Es sieht so aus, als ob noch eine ganze Weile kein Frieden im Kunohof einziehen würde. saarburg@volksfreund.de