Verhandlung gegen mutmaßlichen Konzer Brandstifter - Angeklagter gesteht

Kostenpflichtiger Inhalt: Prozess : Verhandlung gegen mutmaßlichen Konzer Brandstifter - Angeklagter gesteht (Update)

Der Angeklagte gibt zu, dass er am 20. März ein Feuer in Karthaus verursacht hat. Vor dem Gefängnis bewahrt ihn die Aussage wahrscheinlich trotzdem nicht.

Noch bevor der erste Zeuge im Prozess um eine mutmaßliche schwere Brandstiftung in Konz aussagt, wird klar, dass der Angeklagte wahrscheinlich ins Gefängnis muss. Schon nachdem sich der 43-Jährige, der am 20. März die Wohnung seiner (Ex-)Freundin angezündet haben soll, zu seinem Lebenslauf geäußert hat, unterbricht Richter Armin Hardt den Prozess. Auf Wunsch der Verteidigung gibt es eine Absprache mit allen Beteiligten unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Möglicher Strafrahmen Bei seiner Rückkehr fasst der Richter das Ergebnis der Absprache zusammen: In einem Gespräch zur Verfahrensabkürzung sei erörtert worden, welche Strafe der Mann im Fall eines Geständnisses zu erwarten habe. Während die Verteidiger eine Bewährungsstrafe gefordert hätten, schließe sich die Kammer der Forderung der Staatsanwaltschaft an. Wenn der Angeklagte die Tat gestehe, erwarte ihn eine Freiheitsstrafe zwischen drei Jahren und sechs Monaten und vier Jahren, sagt Hardt. Bewährung wäre so nicht mehr möglich. Voraussetzung für diesen Strafrahmen ist laut dem Richter, dass die Zeugen nichts aussagen, was über die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft hinausgeht. Neben schwerer Brandstiftung geht es um gefährliche Körperverletzung in zwei Fällen, Nötigung im Straßenverkehr und eine Trunkenheitsfahrt.

Geständnis Der Angeklagte und seine Anwälte erklären, dass der 43-Jährige das Feuer am 20. März in der Wohnung seiner Lebensgefährtin im Konzer Wohngebiet Karthaus verursacht hat. Der 43-Jährige selbst schildert die Details: Aus Wut seine Freundin habe er Möbel in der Wohnung zerstört. Weil die Frau sich von ihm trennen wollte, habe er auch einen Laptop und einen Drucker eingepackt, um diese mitzunehmen. Dann habe er Bilder von sich und der Frau entdeckt und diese angezündet. Dann habe er den Kleiderschrank umgeworfen. Die Kleidung habe zu brennen angefangen, und das Feuer sei größer geworden. Damit es nicht auffalle, habe er die Rauchmelder entfernt.Er habe sogar erfolglos versucht, die Flammen mit einer Decke zu löschen. Brandbeschleuniger, wie es die Anklage unterstelle, habe er nicht genutzt. Irgendwann sei er rausgegangen mit den Rauchmeldern, dem Laptop und dem Drucker unter dem Arm. Das Fazit seiner Verteidiger: „Er wollte die Wohnung nicht in Brand setzen, wusste aber, dass es passieren kann.“

Auf Nachfrage gibt der 43-Jährige zu, gewusst zu haben, dass sich in den anderen Wohnungen des Hauses Menschen aufhielten. Ihm sei aber nicht bewusst gewesen, dass sie durch das Feuer gefährdet werden könnten. Trotzdem ist nach dem Abend nicht nur das Mehrfamilienhaus unbewohnbar (350 000 Euro Sachschaden). Zwei Frauen müssen wegen Rauchgasvergiftungen eine Nacht ins Krankenhaus.

Die Gründe Ausgangspunkt für die Tat ist offensichtlich eine Dreiecksbeziehung zwischen dem Angeklagten dessen 36-jähriger Lebensgefährtin und deren 21-jähriger Tochter. Ein Streit mit den beiden Frauen hat den Mann, der am Tatabend bis zu zehn Gläser Whiskey getrunken haben soll, laut übereinstimmenden Zeugenaussagen am 20. März in Rage versetzt.

Die 36-Jährige bezeichnet den 43-Jährigen als „aufmerksam, lieb und hilfsbereit“. Sie habe ein Jahr lang eine gute Beziehung mit ihm geführt. Doch dann habe ihre 21-jährige Tochter angefangen, die Beziehung zu zerstören. Die 21-Jährige habe sich in den Angeklagten verliebt und ihm Liebesbriefe geschrieben. Irgendwann habe die Tochter herumerzählt, dass sie ein Verhältnis mit dem Angeklagten habe. Diese Situation beschreibt die 36-Jährige als sehr belastend. Es habe immer wieder Streit gegeben.

Deshalb habe sie beschlossen, sich von dem Mann zu trennen. Das habe sie ihm am Tag der Tat mitgeteilt. Am Abend habe sie in einer Shisha-Bar mit dem Angeklagten und ihrer Tochter ein klärendes Gespräch führen wollen. Geklärt wurde jedoch nichts. Im Gegenteil: Es sei zum Streit gekommen. Weil der Mann betrunken nach Konz gefahren sei und zudem auf das Auto eines Bekannten eingeschlagen habe, zeigte die 36-Jährige den Mann direkt an. Im Zeugenstand sagt sie: „Ich denke, er kam nicht damit klar, dass er mich verloren hat.“

Ähnlich urteilt die Tochter der Frau, die vor Gericht das Verhältnis mit dem Mann bestätigt, über die Ausgangslage am 20. März: „Ich wollte nicht mehr, meine Mutter auch nicht. Das hat er nicht akzeptiert.“

Für eine Beziehung gibt es trotz allem noch Hoffnung: Obwohl die Frau laut eigener Aussage nach dem Brand anderthalb Monate in einem Obdachlosenheim gelebt hat, sagt sie versöhnlich: „Ich weiß, dass er das nicht absichtlich gemacht hat.“ Und bevor sie den Saal vor der Mittagspause verlässt, drückt sie dem Angeklagten einen Kuss auf den Mund.

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