Verschnaufpause für die Verbraucher

Gute Nachricht für die Verbraucher in der Verbandsgemeinde Kell am See: Nach den Beitragserhöhungen 2007 werden ihnen die Werke im nächsten Jahr bei den Wasser- und Abwassergebühren nicht tiefer in den Geldbeutel greifen. Auch die Tarife im Freibad bleiben unverändert. Aber: Die Bürger müssen damit rechnen, dass ihnen nur 2008 eine Verschnaufpause gegönnt wird.

Kell am See. Immer, wenn in der letzten Sitzung des Jahres der Etat für die kommenden zwölf Monate beraten wird, steht im VG-Rat Kell auch eine Entscheidung an, die die meisten Bürger wohl weitaus mehr interessiert, als das Jonglieren mit Millionen-Beträgen. Dabei geht es dann "nur" um Euro und Cents. Die Rede ist von den Gebühren, die die Haushalte für den Wasserverbrauch und die Abwasserbeseitigung bezahlen müssen. Sie werden Jahr für Jahr neu festgesetzt. Für die Verbraucher in der VG Kell gibt es 2008 eine frohe Botschaft. Einstimmig beschloss der VG-Rat: Im nächsten Jahr wird sich an den bisherigen Tarifen nichts ändern (siehe Hintergrund). "Das ist gerade in der heutigen Zeit bei steigenden Energiekosten für den Bürger erfreulich", sagte Engelbert Jücker (CDU). Das waren die positiven Meldungen. Bürgermeister Werner Angsten wies aber darauf hin, dass es zwar 2008 eine "Verschnaufpause" gibt. "2009 müssen wir aber über eine Anpassung der Entgelte diskutieren", kommentierte der CDU-Rathaus-Chef die Wirtschaftspläne des Eigenbetriebs Werke. SPD-Fraktionssprecher Manfred Rommelfanger wählte eine ähnliche Metapher: "Wir müssen noch einmal kräftig Durchatmen, denn es liegt eine schwere Bergetappe vor uns."3,4 Millionen Euro Investitionen 2008

Hintergrund dieser Aussagen: Insbesondere im Betriebszweig "Abwasserbeseitigung" langen die Werke mit Gesamt-Investitionen von rund 3,4 Millionen Euro 2008 richtig zu. Unter anderem wird in der Zerfer Bahnhofstraße der Kanal erneuert (900 000 Euro). Für den laufenden Neubau der Kläranlage Lampaden fallen noch Kosten von 550 000 Euro an. Auch bei der Erschließung mehrerer Neubaugebiete sind die Werke mit im Boot und müssen viel Geld in die Hand nehmen, so in Mandern mit 260 000 Euro. All diese Ausgaben bedeuten hohe Kreditaufnahmen und damit zwangsläufig Folgekosten wie Zinsen und Abschreibungen. Die Finanzierung dieser immensen Summen wird 2009 voraussichtlich nicht spurlos an den Verbrauchern vorbeigehen. Nach der Gebührenerhöhung 2007 bleibt in der nächsten Saison auch bei den Eintrittspreisen im Freibad und den Tarifen auf dem Campingplatz alles beim Alten. An den schlechten Zahlen in diesem Betriebszweig (der TV berichtete kürzlich) wird sich aber auch 2008 nichts ändern. Der Wirtschaftsplan der Werke geht für das kommende Jahr von einem Verlust von 306 000 Euro aus. Um das Schwimmbad über Wasser zu halten, ist aus dem allgemeinen Haushalt ein Zuschuss von 260 000 Euro nötig. "Es ist klar, dass wir uns dieses Defizit dauerhaft nicht leisten können", stellte CDU-Sprecher Klaus Marx klar. Eine Grundsatz-Diskussion gab es aber nicht. "Es ist klar, dass wir heute keine Lösungswege aufzeigen können", betonte SPD-Mann Rommelfanger. Immerhin brachte Angsten eine positive Nachricht in den Rat mit: Die Planer gehen davon aus, dass die Erweiterung des Campingplatzes 23 neue Stellplätze bringen könnte, was höhere Einnahmen bedeutet. Er hoffe, dass das Projekt ab Frühjahr 2008 umgesetzt werden kann, sagte der Bürgermeister.Extra Die Tarife 2008 - Wasser: Verbrauchsgebühr pro Kubikmeter: 1,62 Euro; Wiederkehrender Beitrag pro Quadratmeter Grundstücksfläche: 0,08 Euro. Abwasserbeseitigung: Schmutzwassergebühr pro Kubikmeter: 2,29 Euro; Wiederkehrender Beitrag Schmutzwasser pro Quadratmeter Grundstücksfläche: 0,10 Euro; Niederschlagswassergebühr pro Quadratmeter Grundstücksfläche: 0,20 Euro; Wiederkehrender Beitrag Niederschlagswasser pro Quadratmeter Grundstücksfläche: 0,31 Euro. Freibad: Einzelkarte Erwachsene: 3,40 Euro; Einzelkarte für Kinder ab sechs Jahre und Jugendliche: zwei Euro; Familenkarte: 25 Euro. (ax)