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Verwaltung will alle Bäume zählen lassen

Verwaltung will alle Bäume zählen lassen

Die Konzer Verwaltung will alle Bäume in der Verbandsgemeinde erfassen lassen. So will sie die Kontrollen zur Standsicherheit systematisieren. Sie rechnet pro Gemeinde mit etwa 200 Bäumen an öffentlichen Wegen und Flächen, die regelmäßig geprüft werden müssen.

Pellingen/Kanzem/Konz. Es war eine schreckliche Nachricht: Am 22. November 2012 wurde in Trier eine Fußgängerin von einem umstürzenden Baum erschlagen. Der Unfall warf viele Fragen auf - unter anderem: Wer kontrolliert die Standsicherheit von Kastanien, Eichen, Linden & Co.? Und vor allem: Wer ist im Fall eines Unglücks verantwortlich?
Die Frage der Verantwortlichkeit ist noch nicht beantwortet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung - gegen unbekannt. Die Frage nach den Kontrolleuren ist hingegen eindeutig zu beantworten: In Trier ist es das städtische Grünflächenamt. Dabei richtet es sich nach dem Trierer Baumkataster, in dem etwa 18 000 Bäume erfasst sind.
Effizientere Kontrollen



Die Stadt Konz führt seit 2007 ebenfalls ein Baumkataster - als erste Kommune im Kreis Trier-Saarburg. Sie hat 4200 Bäume erfasst, die der städtische Bauhof oder ein Baumgutachter regelmäßig prüfen. Die kleineren Gemeinden kontrollieren ebenfalls selbst - allerdings unsystematischer. In der Regel kümmern sich die Gemeindearbeiter, die Förster oder die Ortsbürgermeister darum.
Nun will die Konzer Verwaltung für alle Dörfer der Verbandsgemeinde (VG) ein Kataster erstellen, um die Kontrollen effizienter zu gestalten. Erfasst werden alle Bäume, die an gemeindeeigenen Straßen, Plätzen, Friedhöfen oder Gehwegen stehen. Bäume im Wald sind ausgenommen (siehe Extra).
In Kanzem, Pellingen und Wawern haben die Gemeinderäte schon für die Erstellung eines Katasters gestimmt. Als nächstes diskutiert der Wellener Rat darüber (Montag, 8. April, 19 Uhr). Die Debatten in den anderen Orten sollen zeitnah folgen. Die Verwaltung rechnet pro Gemeinde mit etwa 200 zu erfassenden Bäumen. Und jede Gemeinde muss dafür etwa 2000 Euro bezahlen. Beim ersten Mal werden die Bäume nicht nur gezählt und verortet, auch ihr Zustand wird erfasst. Danach wird je nach Alter, Art und Beschaffenheit der Kontrollturnus festgelegt. Erst im nächsten Schritt müssten die Gemeinden darüber entscheiden, wie die Kontrollen ablaufen, erklärt Joachim Weber, erster Beigeordneter der VG Konz.
100-prozentigen Schutz vor etwaigen Klagen im Schadensfall gibt es für die Gemeinden nicht. Aber die Konzer Verwaltung geht davon aus, dass sie mit regelmäßigen, sachkundigen Kontrollen ihrer Verantwortung gerecht werden und ihrer Verkehrssicherungspflicht nachkommen. Laut Weber gibt es mehrere Möglichkeiten, wer die Kontrollen übernimmt: Entweder werde jemand vor Ort für die Baumkontrollen geschult oder die Gemeinde kauft einen ortsfremden Experten ein. Egal wer sich darum kümmert, die Kontrollen orientieren sich an den Richtlinien der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau. Sie gelten vielen Kommunen seit 2004 als Leitfaden für Baumprüfungen.
In den Dörfern hoffen die Ortschefs auf Rechtssicherheit im Falle eines Schadens durch her abstürzende Äste oder umgekippte Bäume. Wer die Verantwortung übernimmt, bleibt noch ungeklärt. In zwei Dingen sind sich die meisten Ortschefs aber einig. Horst Hoffmann aus Pellingen mahnt an: "Es kann nicht sein, dass der Gemeindearbeiter da in irgendwelche Verantwortungsbereiche reinkommt." Auch ehrenamtliche Ortsbürgermeister dürften nicht persönlich zur Haftung gezogen werden, meint sein Kanzemer Kollege Dirk Burdjak.Meinung

Ohne Sorgfalt ist Kataster sinnlos
Alle Bäume im öffentlichen Bereich zu registrieren, ist sinnvoll. So wird nicht nur die Geschichte eines Baumes nachvollziehbar. Dokumentieren die Kommunen die regelmäßige Baumpflege korrekt, schützen sie sich vor Schadenersatzforderungen. Und es muss sich nicht um ein dramatisches Unglück wie im vergangenen November in Trier kommen, um Gemeinden mit Forderungen oder Klagen zu konfrontieren. Dafür ist schon ein Ast ausreichend, der auf ein geparktes Auto stürzt und es beschädigt. Mit Hilfe eines Katasters ließe sich nachweisen, dass die Kommune ihr möglichstes getan hat, den Baum zu pflegen, von dem der Ast stammt. Die Voraussetzung ist allerdings, dass die Gemeinde das Kataster sorgfältig und mit Sachkenntnis führt. Deshalb ist die Frage nach der Verantwortlichkeit sehr wichtig. Um Ehrenamtliche vor Forderungen zu schützen, bietet es sich an, bezahlte Profis mit ins Boot zu nehmen. Vor allem wenn im Ort niemand wohnt, der sich die Aufgabe zutraut. c.kremer@volksfreund.deExtra

Bäume in gemeindeeigenen Waldstücken sind ausgenommen von der Erfassung. "Hier setzt der Gesetzgeber auf die Eigenverantwortung des Waldnutzers - zum Beispiel von Spaziergängern und Wanderern", sagt Achim Lutz, Sprecher der Verbandsgemeindeverwaltung in Konz. Er stützt diese Aussage auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs, der im vergangenen Oktober eine Schadenersatzklage zu einem Fall im Saarland abgewiesen hatte. Eine Frau war durch einen herabfallenden Ast schwer verletzt worden und wollte von dem privaten Waldbesitzer Schmerzensgeld haben. Der BGH lehnte den Anspruch in dritter Instanz ab. Das Gericht beruft sich dabei auf das Bundeswaldgesetz, das besagt, dass jeder den Wald auf eigene Gefahr benutzt. cmk