Verwirrung um Cläre Prems letzte Ruhestätte

Verwirrung um Cläre Prems letzte Ruhestätte

Gut gemeint, aber unnötig: Die CDU will in der nächsten Stadtratssitzung die Umwandlung des Grabs von Cläre Prem auf dem Hauptfriedhof in ein Ehrengrab beantragen. Die Ruhestätte aber ist, was selbst Hinterbliebene der Mundartdichterin nicht wissen, längst ein Ehrengrab.

Trier. Ehrengrab, wem Ehrengrab gebührt, findet CDU-Fraktions-Chef Bertrand Adams. Also kam er der an ihn herangetragenen Bitte von Nachfahren Cläre Prems (1899 bis 1988) gerne nach, sich für die Umwandlung des Grabs der unvergessenen Grande Dame der Trierer Mundartdichtung einzusetzen, gerne nach. "Andernfalls würde die Grabstätte 2013, nach Ablauf der 25-jährigen Ruhezeit, aufgehoben werden. Das aber hätte Cläre Prem nicht verdient", betont Adams. In seinem Antrag, den er für die nächste Stadtratssitzung (Donnerstag, 28. Januar, 17 Uhr) eingereicht hat, verweist der CDU-Vormann auf die großen Verdienste Cläre Prems um ihre Heimatstadt. Ihr großer Erfolg: Sie hat "Milliunen Trierer fruh gemaach", titelte der Trierische Volksfreund seinen Beitrag zum 100. Geburtstag der Schriftstellerin (30. August 1999).

Premsche Prosa und Poesie, Artikel, Gedichte, Kurzgeschichten erschienen im TV, in der Landeszeitung, in Zeitschriften und Kalendern. Von 1946 bis 1964 fieberten die Volksfreund-Leser dem wöchentlichen Zwiegespräch der von Cläre Prem erfundenen Originale "Koorscht & Kneisjen" entgegen. Die lästernden und sinnierenden Viezbrüder lebten später, verkörpert von Werner Becker und Hans Kuhn, in den Sitzungen der Karnevalsgesellschaft Heuschreck fort.

Dekoriert mit allen hohen Trierer Auszeichnungen vom Orden gegen den Trierischen Ernst über den Otto-und-Elsbeth-Schwab-Preis bis hin zum Stadt-Ehrensiegel starb Cläre Prem am 25. März 1988 im Seniorenheim St. Irminen.

Nun solle der Stadtrat "mit der Anerkennung ihres Grabs als Ehrengrab" die großen Verdienste und die Bedeutung Cläre Prems würdigen, heißt es in Bertrand Adams' Antrag. Beim städtischen Grünflächenamt, das für die Friedhöfe zuständig ist, löst diese Initiative Irritationen aus. "Cläre Prems Grab ist doch bereits ein Ehrengrab", heißt es auf TV-Anfrage. Dieser Sonderstatus, der Gebührenfreiheit und kostenlose Grabpflege beinhaltet, sei gewährt worden, weil Cläre Prem Trägerin des Ehrensiegels war, der nach der Ehrenbürgerschaft zweithöchsten Auszeichnung der Stadt.

Das aber wussten bis gestern selbst Cläre Prems Angehörige nicht. "Das ist uns neu, freut uns aber sehr", zeigte sich Enkelin Annegret Kintzinger-van Stipelen (59) überrascht, als der TV anrief. Sie selbst habe das Grab gepflegt - "dann wohl parallel zur Stadt".

Ganz ins Leere muss Adams' Antrag aber nicht laufen. Beim Grünflächenamt herrschte zunächst Unklarheit darüber, ob der Ehrengrab-Status für 25 Jahre gewährt wurde (was dann tatsächlich zur Aufhebung der Grabstätte 2013 führen könnte), oder - wie zum Beispiel bei Ehrenbürger und Ex-OB Albert von Bruchhausen (1859 bis 1948) - "auf ewige Zeiten". Um ganz sicher zu gehen, sollte Adams also die "ewige" ewige Ruhe auf dem Hauptfriedhof beantragen. Extra Ehrengräber der Stadt Trier haben: Franz Altmeier, Dr. Ludwig Josef Bleser, Friedrich Breitbach, Albert von Bruchhausen, Franz Buß, Ludwig Gall, Damian Görtz, Heinrich Haas, Wilhelm von Haw, Felix Hettner, Peter Josef Jacobs, Heinrich Kemper, Friedrich Kutzbach, Philipp Loosen, Auguste de Nys, Rudolf Oster, Anton Josef Recking, Fritz Saeger, Dr. Robert Schleicher, Franz Weißebach, Karl Werding, Josef Harnisch, Dr. Emil Zenz, Fritz Quant, Adolf Dronke, Hans König, Cläre Prem, Nikolaus Koch, Familie Bamberger (alle Hauptfriedhof), Lorenz Kellner, Johann Wilmowsky (beide Friedhof St. Paulin), Paul Servais, August Antz (beide Friedhof Ehrang), Martin Kalck (Südfriedhof), Maria Adams (Westfriedhof). Quelle: Städtisches Grünflächenamt

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