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(Video/Fotos) Hund Happy aus dem Hochwald hilft Patienten mit Krampfanfällen beim Lockerlassen

(Video/Fotos) Hund Happy aus dem Hochwald hilft Patienten mit Krampfanfällen beim Lockerlassen

Seine Arme und Beine sind oft steif von Krampfanfällen. Aber wenn Hund Happy ihm über die Finger leckt, entspannt sich Christian Kiwitz. Der 36-Jährige aus Baldringen im Hochwald lebt von Geburt an mit körperlichen Einschränkungen. Der Kontakt zu den Tieren helfe ihm, ist seine Familie überzeugt. Die Kosten für die Hundetherapie muss sie seit Jahren selbst aufbringen.

Zusammengesunken sitzt Christian Kiwitz in seinem Rollstuhl. Den Kopf hat er tief zwischen die Schultern gezogen. Seine Hände umklammern fest die Griffe der Armlehnen. Doch als er das erste aufgeregte Bellen vor der Eingangstür hört, entspannen sich die Finger des 36-Jährigen. Alexandra Rex führt Hündin Happy herein, die gleich auf ein Podest neben dem jungen Mann springt und ihm freundschaftlich gegen die Schulter stupst.Anfälle seit der Geburt


Christian Kiwitz leidet seit seiner Geburt an körperlichen und geistigen Einschränkungen. Sein Krankheitsbild ist nicht eindeutig und deshalb schwierig zu behandeln. Epileptische Anfälle, bei denen sich sein ganzer Körper versteift, gehören zum Alltag des Mannes, der bei seinen Eltern im Hochwaldort Baldringen lebt.

Hilfe hat der 36-Jährige beim Team von Gerd Thiel in der Naturakademie DogTher gefunden (siehe Hintergrund). In dem gemütlich eingerichteten Holzhaus in Brauneberg an der Mosel erkundet Christian, was sein Körper trotz Grenzen leisten kann. Dabei wird er von ausgebildeten Therapiehunden wie Happy unterstützt. "Er reagiert auf die Nähe der Tiere. Durch die Berührungen entspannen sich seine Muskeln", erklärt Akademieleiter Thiel. Happy hat sich inzwischen vorsichtig auf den Schoß des Baldringers gelegt. Seine Hände streichen durch das dichte schwarze Fell der Hündin. "Wir fördern so auch seine Motorik", sagt Tierheilpraktikerin Alexandra Rex. Ein Ziel sei auch, die Zahl von Christians Krampfanfällen zu senken.

Familie Kiwitz kam Anfang der 1990er Jahre aus Polen nach Deutschland. Vorher habe ihr Bruder gar keine Therapie erhalten, erzählt Schwester Therese Schmidt. Seit er vor sechs Jahren mit der Hundebegleittherapie begonnen habe, mache er riesige Fortschritte. "Er ist ein Ausnahmetalent", lobt auch der gelernte Sozialpädagoge Thiel. "Anfangs konnte er nicht mal die Hand heben, um das Hunde-Leckerli zu halten."

Auch seine Aussprache sei besser geworden, findet Mutter Christina Kiwitz. Kommunikation sei auch ein Schwerpunkt der Therapie, sagt Thiel. "Er muss uns und den Hunden sagen, was er möchte." Für die nächste Übung legen die Therapeuten ihren Schützling auf eine Bank. Er soll nun die Beine so weit anheben, dass sich Nikan - ein weiterer Therapiehund - darunter legen kann. Ob er bereit sei, fragt Thiel. "Ja! Bereit!", ruft Christian und winkelt langsam die Unterschenkel an. "Er passt auf, weil er den Hund nicht erdrücken will. So trainieren wir seine Muskeln."
Ein bis zweimal im Monat begleitet die Familie den 36-Jährigen nach Brauneberg. Einmal pro Jahr bleibt er für drei Tage zur Therapie dort. Ihre Eltern finanzierten das allein, sagt Therese Schmidt. Von der Krankenkasse gebe es kein Geld, "weil die Erfolge nicht wissenschaftlich belegt sind". Ihr Bruder mache zusätzlich Krankengymnastik. "Aber den Therapeuten steht weniger Zeit zur Verfügung."Finanzielle Hilfe nötig

Um für finanzielle Unterstützung zu werben, hat die Familie eine Internetseite ( www.christian.ein-besonderes-leben.de ) eingerichtet. Dort und im sozialen Netzwerk Facebook informiert sie regelmäßig über Christians "Arbeit". Der Baldringer begleitet beispielsweise das DogTher-Team jedes Jahr zur Hundemesse nach Trier und hilft dort bei den Vorführungen. "Darauf freut er sich immer sehr, er ist schon eine richtige Rampensau", sagt Therese Schmidt und lacht.

Aufsehen erregt habe auch ein Fernsehbeitrag für die Vox-Sendung "Hund, Katze, Maus", der im November ausgestrahlt wurde. Der Beitrag zeigt Christian während einer Therapie-Einheit in Brauneberg. Die Nachbarn ihrer Eltern, Uwe und Michaela Wenzke, hätten Christian daraufhin 500 Euro gespendet. "Dafür sind wir sehr dankbar", sagt Therese Schmidt.

Den positiven Effekt der Therapie spüre man auch im Alltag. Ihr Bruder sei "viel selbstständiger". Er könne jetzt hinter einem Rollator hergehen, was früher undenkbar gewesen sei. Manchmal gelinge es ihm, seine Anfälle zu unterdrücken. "Er ist ein Kämpfer", sagt Therapeut Thiel. "Er beschwert sich niemals, das beeindruckt mich am meisten."Betreut wird der 36-Jährige tagsüber beim Club Aktiv in Trier. Vorher besuchte er einige Jahre die Lebenshilfe in Konz. In das Familienleben der Kiwitz' ist Christian voll integriert. Er verbringt auch viel Zeit bei Schwester Therese, ihrem Mann Jörg und den zwei Kindern. "Er wird ganz normal einbezogen", sagt die Baldringerin. "Er muss zum Beispiel den Tisch abräumen." Kontakt habe Christian auch zu seinen zwei Schwestern, die in Waldweiler und Hannover leben. Im nächsten Jahr wollen alle zusammen verreisen: "Da ist er natürlich dabei." Für heute hat der 36-Jährige genug geleistet. Er liegt neben Nikan auf einer Matte und ruht sich aus. "Es war anstrengend. Aber er hat toll mitgemacht", sagt Thiel.
Extra

Wer Christian Kiwitz finanziell unterstützen möchte, kann dies über den Verein zur Förderung der Therapiebegleithundearbeit Deutschland e.V. tun. Der Verein hat dafür folgendes Spendenkonto bei der Sparkasse Mittelmosel eingerichtet: IBAN: DE 42 5875 1230 00 3231 1912, BIC: MALADE51BKS, Verwendungszweck Christian Kiwitz. cwebExtra

Hundebegleittherapie: In der Naturakademie DogTher in Brauneberg arbeiten 34 Therapeuten in einem Team, in dem viele verschiedene Fach- und Berufsrichtungen vertreten sind - vom Sozialpädagogen bis zur Tierheilpraktikerin. Sie folgen dem Motto "Natur heilt Wunden" und bieten eine tiergestützte Therapiebegleitung an. Betreut werden neben Menschen mit Behinderung auch Wachkoma-Patienten, autistische Menschen und Kinder, die unter Hyperaktivität (ADHS) leiden. Mit ihren Hunden - es sind insgesamt 54 - besuchen die Therapeuten auch Senioreneinrichtungen, Schulen und Kindergärten. Kinder beispielsweise lernen durch den Kontakt zu den Vierbeinern soziales Verhalten, bauen Ängste ab und werden sensibilisiert, mit Tieren liebevoll umzugehen. Die Hunde werden individuell ausgebildet und erfahren laut Akademieleiter Gerd Thiel keinerlei Zwang oder Begrenzung, sie würden "sanft" und in "jahrelanger Ausbildung" an ihre Aufgabe herangeführt. Nähere Informationen gibt es auf www.dogther.com . Dort findet man auch einen Link zu der Vox-Sendung vom 5. November, in der die Hundebegleittherapie vorgestellt wurde. cweb