Viel Betrieb auf der Saar

Die Saarschleuse bei Kanzem ist in Dauerbetrieb: Güterschiffe passieren sie, an Bord haben sie vor allem Kohle und Stahl. Die Wasserstraße wird auch nach dem Ausstieg des Saarlands aus dem Bergbau wichtig bleiben, der Verkehr sogar eher zunehmen.

Kanzem/Taben-Rodt/Dillingen. Reinfahren, hochfahren lassen, rausfahren: An der Schleuse Kanzem wurden im vergangenen Jahr etliche Güterschiffe registriert. 1350 Schiffe fuhren von der Mosel kommend in Richtung Saarland. Ein bevorzugtes Ziel ist der Hafen Saarlouis/Dillingen. Ebenfalls 1350 nutzten die andere Richtung.

Die Güterschiffe, die in der Regel vom Rhein über die Mosel auf die Saar kommen, haben 3,4 Millionen Tonnen Güter transportiert. Laut Wasser- und Schifffahrtsamt Saarbrücken (WSA) konnte damit das hohe Vorjahresniveau gehalten werden. Denn auch 2010 waren es 3,4 Millionen Tonnen. "Der Gütertransport auf der Saar hat sich in den vergangenen Jahren zwischen drei und vier Millionen Gütertonnen eingependelt", sagt Elisabeth Richrath vom WSA. Deutlich steigend ist die Tendenz zu größeren Schiffen, also Großmotorgüterschiffen mit einer Länge von 135 Metern.
Die Wasserstraße ist beliebt - vor allem für den Transport von Kohle und Stahlerzeugnissen. So werden etwa zum Hafen Saarlouis/Dillingen überwiegend solche Montangüter transportiert. Erze für die Dillinger Hütte, Stahlerzeugnisse aus der Hütte, außerdem Schrott und Kohle. Zwar gab es einen leichten Rückgang beim Umschlag in den Häfen Saarlouis/Dillingen, Merzig und Völklingen (insgesamt 3,08 Millionen Tonnen). Der Rückgang sei mit 2,6 Prozent aber nicht der Rede wert, sagt Michael Müller, Prokurist der Hafenbetriebe Saarland GmbH. Die Umschlagszahlen seien ziemlich stabil.
Neben Kohle und Stahl werden aber auch andere Güter wie Futtermittel, Kies und Sand transportiert. So beladen auch die Hartsteinwerke Johann Düro in Taben-Rodt Schiffe mit Quarzitsteinen aus dem Steinbruch. "Wir haben das in den vergangenen Jahren deutlich gesteigert", sagt Stefan Schworm, Technischer Leiter der Düro-Werke. 2011 waren es mehr als 100 000 Tonnen. "Für die kommenden zwei bis drei Jahre streben wir etwa 200 000 Tonnen an", erklärt Schworm.
Die Schiffe mit Düro-Steinen fahren in der Regel Richtung Mosel und Rhein - ins Ruhrgebiet oder in die Niederlande. Die Wasserstraße sei aufgrund steigender Dieselpreise immer wichtiger geworden. "Mit dem Schiff können sie bis nach Holland für den gleichen Preis fahren wie mit dem LKW nach Trier", erklärt er bezogen auf die Frachtkosten pro Tonne. 2500 bis 3000 Tonnen passen auf ein Schiff, 25 bis 27 Tonnen auf einen LKW.
Michael Müller sieht in Zukunft ebenfalls noch mehr Schiffe auf der Saar. Und das hängt mit dem Ausstieg des Saarlandes aus dem Bergbau zusammen. Die Gesamtmenge der transportierten Güter - wie Rohstoffe für die Stahlerzeugung - werde sich erhöhen. Wenn die Kohleförderung in Ensdorf im Sommer eingestellt wird, dann wird laut Müller auch mehr Kohle ins dortige Kohlekraftwerk transportiert werden müssen. Und dafür kommt eben neben der Schiene auch das Wasser als Transportweg infrage, zumal er die Aussage Schworms bestätigt: "Je weiter sie transportieren, desto günstiger wird das Schiff."Extra

Auf der Saar gibt es eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 16 Kilometern pro Stunde. Für die 60 Kilometer lange Strecke zwischen der Mündung in Konz bis zum Hafen Saarlouis-Dillingen, dem größten im Saarland, braucht ein Güterschiff zwischen sechs und acht Stunden. Berücksichtigt sind dabei die vier Schleusen, durch die die Schiffe durchfahren müssen, und die Strömungsverhältnisse. jka

Nachtrag: Ursprünglich hatten wir gemeldet, dass fast 15 000 Güterschiffe auf der Saar unterwegs waren. Diese Zahl stimmt nicht. Das Wasser- und Schifffahrtamt Saarbrücken hat uns leider falsche Zahlen geliefert. Richtig ist, dass sowohl flussauf- als auch flussabwärts 1350 Schiffe gefahren sind. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.