Viel Lärm um Wind in Greimerath - Gegner kritisieren alternative Energiepläne in Irsch und Serrig

Viel Lärm um Wind in Greimerath - Gegner kritisieren alternative Energiepläne in Irsch und Serrig

Die CDU und die Bürgerinitiative Pro Natur Hochwald in Greimerath lehnen die Pläne der Verbandsgemeinde Saarburg ab, Windräder am Judenkopf zwischen Greimerath, Irsch, Serrig und Britten aufzustellen. Diese Auffassung haben sie am Mittwoch bei einer Bürgerversammlung in der Hochwaldgemeinde noch mal betont.

Greimerath/Serrig. Die Klagen sind in der Greimerather Windkraftdebatte stets präsent: Der Lärm, den die Räder im Windpark Losheim-Britten verursachen, sei oft unerträglich. Auch dass man sich in Greimerath über die Art und Weise, wie die Räder betrieben werden, oft ärgert, ist bekannt.
Josef Leineweber, Mitglied der CDU-Fraktion im Ortsgemeinderat Greimerath, kritisiert in der Bürgerversammlung am Mittwoch in der Grimoldhalle, zu der 80 Zuhörer gekommen sind, die jüngsten Entscheidungen des Ortsgemeinderats. In dem Rat stellen SPD und FWG gemeinsam die Mehrheit. "Weshalb spricht sich der Gemeinderat im Februar für eine Prüfung von Vorrangflächen für Windkraft aus? Und das, obwohl der Judenkopf die Kriterien, die die Verbandsgemeinde aufgestellt hat, nicht erfüllt. Wir wollen vom Gemeindevorstand wissen, wo die Reise hingeht", sagt Leineweber. Er fürchtet, dass am Ende ein Drittel der Höhenzüge um die Hochwaldgemeinde mit Windrädern zugestellt wird.
Edmund Schmitt (FWG), Ortsbürgermeister von Greimerath, erwidert, dass die Gemeinde kaum eine Möglichkeit habe, Einfluss auf den Bau von Windkraftanlagen in der Umgebung zu nehmen. "Wenn am Judenkopf aber Windräder aufgestellt werden, wollen wir davon auch profitieren", sagt Edmund Schmitt. Das sei eine der Lehren, die man aus dem Desaster rund um den Bau des Windparks Losheim-Britten (Extra) gezogen habe.
Martin Alten, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Kell am See, stellt klar, dass der Judenkopf als Vorrangfläche für Windkraft nach der derzeitigen Planung der Verbandsgemeinde Kell am See ausscheide. "Windräder wird es wohl nur am Teufelskopf bei Waldweiler und im Zerfer Wald geben", sagt Alten.
Angst macht den Winkraftgegnern in Greimerath aber auch die Entscheidung des Verbandsgemeinderats Saarburg, Bereiche am Judenkopf im Flächennutzungsplan als Vorrangflächen für Windkraft auszuweisen. Leineweber fragt, "wie denn am Ende eine Absprache mit den Nachbargemeinden der Verbandsgemeinden konkret aussieht".
So konkret, wie von Leineweber gewünscht, wird Jürgen Haag, Ortsbürgermeister von Irsch, am Ende nicht: "Was wir anbieten, ist ein Dialog mit unseren Nachbargemeinden Greimerath und Vierherrenborn." Ob die Gemeinden Irsch und Serrig am Judenkopf tatsächlich Windräder aufstellen, sei zurzeit völlig offen. "Bevor wir das Fell verteilen können, müssen wir den Bären doch erst mal erlegen." Haag widerspricht Befürchtungen, dass sich Irsch auf den Bau von entsprechenden Anlagen schon festgelegt habe. "Im Vorvertrag, den wir mit EnBW abgeschlossen haben, wurden nur Optionen festgelegt, für den Fall, dass wir entsprechend tätig werden." Im Gegenzug beteilige sich der baden-württembergische Energieversorger an Gutachtenkosten.
Egbert Adam wirbt ebenfalls für Windenergieanlagen am Standort Judenkopf. "Nach den von der Verbandsgemeinde Saarburg aufgestellten Kriterien würden auf Greimerather Gemarkung ebenfalls Vorrangflächen geprüft", sagt der Ortsbürgermeister von Serrig. Er fordert deshalb, über einen Flächenpool nachzudenken, an dem sich Nachbargemeinden beteiligen könnten, in denen der Bau von Windrädern rechtlich ausgeschlossen sei.
Von dieser Idee hält Bernhard Schmit, zweiter Vorsitzender der Bürgerinitiative Pro Natur Hochwald, nichts. "Die Bürger der Gemeinde Greimerath sind offensichtlich die Versuchskarnickel zum Thema Infraschall, einem Schall unterhalb der menschlichen Hörschwelle. Einem Problem, das bislang nicht ausreichend ausgeforscht wurde." Für ihn ist klar: Die Gemeinden Irsch und Serrig sollen freiwillig auf den Bau von Windenergieanlagen verzichten.Meinung

Grabenkampf und Polemik beenden
Der allein politisch motivierte Grabenkampf um die Windkraft am Judenkopf bindet in der Hochwaldgemeinde unnötig Ressourcen. Die Entscheidungen dort sind längst gefallen. Die Verbandsgemeinde Kell am See sieht für diesen Bereich keine Windräder vor, für Serrig und Irsch in der Verbandsgemeinde Saarburg dauert die Prüfung noch an. Da ist es politisch doch klug, zu sagen, dass man vom Fell des noch zu erlegenden Bären gerne etwas abbekäme, um so für die mit dem Bau von Windrädern einhergehenden Belastungen wenigstens einen Teilausgleich zu bekommen. Da ist Polemik fehl am Platz. Schon gar, wenn mit Gesundheitsargumenten, die wissenschaftlich nicht haltbar sind, Stimmung gemacht wird. Eine Belastung durch Infraschall ist dank moderner Windräder nur über geringe Entfernung wahrnehmbar. saarburg@volksfreund.deExtra

Direkt an der Landesgrenze in Sichtweite der Gemeinde Greimerath hat vor zwei Jahren eine Investorengemeinschaft, zu der die Industriellenfamilie Wendelin von Boch, die Technischen Werke Losheim sowie der Energieversorger VSE AG zählen, fünf Räder mit einer Höhe von 200 Metern errichtet. Gegen den Bau des Windparks Losheim-Britten protestierten und prozessierten die Gemeinde Greimerath und die Bürgerinitiative Pro Natur Hochwald einmütig. Sie mussten aber vor dem Verwaltungsgericht Saarlouis eine Niederlage einstecken. Die Verwaltungsrichter erlaubten letztlich den Bau der Windräder. Die Debatte um den Betrieb der Windräder dauert nach wie vor an. Die Greimerather Windkraftgegner werfen den Betreibern vor, sich nicht an Auflagen zu halten. Zudem seien in der Vergangenheit unter einem der weißen Riesen große Schrauben gefunden worden, die zumindest Zweifel an der Betriebssicherheit der Räder aufkommen ließen. itz

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