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Viel Planerei für seltene Eremiten und Orchideen in der Region

Viel Planerei für seltene Eremiten und Orchideen in der Region

Wie geht es weiter mit Orchideenwiesen, Urwaldreservaten und Feuchtgebieten? Erstmals hat die Naturschutzbehörde festgelegt, wie spezielle Schutzgebiete gepflegt werden sollen. Die Pläne, die auch Privatflächen betreffen, stoßen nicht überall auf Zustimmung.

Saarburg/Konz/Schweich/Hermeskeil/Kell am See Bei Wasserliesch blühen derzeit die Orchideen im wohlbehüteten Naturschutzgebiet Perfeist. Eine vielbewunderte und fragile Augenweide auf Gemeindegrund. Die Ortsgemeinde ist von daher offen in Sachen Naturschutz. Dennoch versagte sie beim Bewirtschaftungsplan für das sogenannte Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (siehe unter "Welche Gebiete sind betroffen? ") Obere Mosel bei Oberbillig - zu dem auch Perfeist gehört - schlichtweg ihr Einvernehmen. "Zu viele Einschränkungen", lautete die Begründung.
Auf Nachfrage erklärt Ortsbürgermeister Thomas Thelen: "Wir haben mehr als 40 Seiten schwer verständliche Erläuterungen erhalten und eine Karte, die sehr grob ist, so dass man die Pflegemaßnahmen nicht genau zuordnen kann. Wir wussten nicht, was das für uns und auch für Privatleute bedeutet."
Anderen Gemeinden ging es wohl ähnlich. Sie erteilten nur teilweise Einvernehmen wie beispielsweise Kirf und forderten die Verantwortlichen auf, Maßnahmen zu konkretisieren und die Landwirtschaft nicht einzuschränken. Die Konzer Verwaltung bat, die privaten Grundeigentümer zu sensibilisieren, da die Öffentlichkeit zu diesem Thema bisher so gut wie gar nicht eingebunden war. Immerhin hat das rheinland-pfälzische Landwirtschaftsministerium reagiert. Es beantwortet im Internet (siehe unten) häufig gestellte Fragen zur komplizierten Materie. Der TV fasst die wichtigsten Punkte zusammen.

Um welche Gebiete geht es? Es geht um Natura 2000, ein staatenübergreifendes Netz von Schutzgebieten in der Europäischen Union, mit dem der Erhalt bestimmter Lebensräume und Arten gesichert werden soll. In diesem Netz gibt es zwei Arten von Schutzgebieten: Vogelschutzgebiete und Fauna-Flora-Habitat-(FFH)-Gebiete. Beide werden nach speziellen Richtlinien ausgewählt. Letztere umfassen beispielsweise Lebensraumtypen wie Moore, magere Mähwiesen, Auwiesen und Auwälder. Die 15 Schutzgebiete im Kreis Trier-Saarburg und in Trier sind in der Karte rechts zu finden.

Worum geht's im Bewirtschaftungsplan? Ziel eines Bewirtschaftungsplans ist es, den günstigen Erhaltungszustand der in den Schutzgebieten bedeutsamen Lebensraumtypen und Arten zu bewahren oder wiederherzustellen. Die dafür erforderlichen Arbeiten werden im Bewirtschaftungsplan allgemein formuliert.

Wie sieht das konkret aus? Beispiel Perfeist. Mit etwas Ortskenntnis ist das Gebiet auf der Maßnahmenkarte zu finden. Es trägt die Nummer 6210. Die Kartenlegende verrät zu dieser Nummer: Trockenrasen mit Orchideenreichtum. Das Gelände ist rot schraffiert, heißt: herausragende Bedeutung, hoher Sicherungsbedarf. In den 22-seitigen Erläuterungen werden unter Nummer 6210 Maßnahmen empfohlen wie extensive Beweidung oder Mahd, Entbuschung, Verhindern der Ausbreitung stickstoffanreichernder Wicken und Verbessern der Besucherlenkung (Holzzäune verbessern).
Wer stellt die Pläne auf und wo sind sie zu finden? Die Oberen Naturschutzbehörden, angesiedelt bei den Struktur- und Genehmigungsdirektionen (SGD) Nord und Süd, haben erstmals Bewirtschaftungspläne für Natura-2000-Gebiete in ganz Rheinland-Pfalz aufgestellt. Sie haben dabei Naturschutzverbände sowie Land-, Forst- und Wasserwirtschaft miteinbezogen. Für den Kreis Trier-Saarburg sind zwölf Planentwürfe bereits verfasst, zwei noch in Bearbeitung. Orts- und Verbandsgemeinden hatten die Möglichkeit, sich zu äußern, ein wirkliches Mitspracherecht haben sie nicht. Für acht der Pläne erfolgt nun die Offenlage (siehe unten). Danach werden die Pläne dauerhaft ins Internet gestellt. Für die Gebiete Mosel und Mattheiser Wald liegen bereits fertige Pläne vor.

Acht Mal Offenlage Die acht Bewirtschaftungsplanentwürfe für die FFH-Gebiete Wiltinger Wald, Kalkwälder bei Palzem, Nitteler Fels und Nitteler Wald, Serriger Bachtal und Leuk und Saar, Obere Mosel bei Oberbillig, Ruwer und Seitentäler, Untere Kyll und Täler bei Kordel sowie Fellerbachtal liegen bis zum 29. Juni offen. Sie sind im Internet (siehe unten) zu finden. Außerdem sind die Pläne bei der Kreisverwaltung Trier-Saarburg im Raum 252 einzusehen nach Absprache mit Heike Ulrich, Telefon 0651/ 715315.

Muss jeder die Pläne umsetzen? Nein. Für Behörden sind die Bewirtschaftungspläne verbindlich. Für Eigentümer oder Bewirtschafter einer Fläche besteht keine rechtliche Verpflichtung, Maßnahmen selbst umzusetzen oder hinzunehmen. Dies geschieht auf freiwilliger Basis, das heißt, dazu schließt die Behörde Verträge mit Besitzern ab, deren Arbeit wiederum über Förderprogramme unterstützt wird.
Woher weiß ich, ob meine Flächen betroffen sind? Auf der Internetseite www.naturschutz.rlp.de sind Karten der Natura-2000-Gebiete zu finden. Nähere Auskünfte erteilen die Unteren Naturschutzbehörden bei der Kreisverwaltung und der Stadt Trier und die Obere Naturschutzbehörde bei der SGD Nord. Laut SGD Nord kann die Naturschutzbehörde die oftmals geforderte flurstücksgenaue Auskunft, welche Maßnahme wann und wie umgesetzt wird, im Rahmen der Aufstellung der Bewirtschafungspläne noch nicht beantworten. Erst wenn konkrete Arbeiten umgesetzt würden, würden alle mit der Fläche betrauten Institutionen und Privatpersonen informiert und das Geplante mit ihnen abgestimmt.
Mehr Infos zu Natura 2000 und den Bewirtschaftungsplänen sind im Internet zu finden: www.naturschutz.rlp.de unter Fachinformationen/Natura 2000Extra: DIE UNGEWÖHNLICHSTEN FFH-GEBIETE IM KREIS

Viel Planerei für seltene Eremiten und Orchideen in der Region
Foto: (h_sab )


Die beiden ungewöhnlichsten FFH-Gebiete im Kreis Trier-Saarburg sind laut Sandra Hansen-Spurzem, Pressesprecherin der SGD Nord, die Gebiete Obere Mosel bei Oberbillig und Serriger Bachtal und Leuk und Saar. In dem ersten liegt das Naturschutzgebiet Perfeist bei Wasserliesch. Es besteht aus einem Kalkhalbtrockenrasen mit mehr als 20 Orchideenarten (einige Knabenkräuter und Ragwurze) und vielen bedeutenden Schmetterlingsarten wie Schwalbenschwanz und Schachbrettfalter. Im FFH-Gebiet Serriger Bachtal und Leuk und Saar liegt das Naturwaldreservat "Urwald bei Taben", ein seit 200 Jahren unbewirtschaftetes Waldökosystem mit sehr alten Bäumen. Dort kommen mehr als 1000 Käferarten vor, darunter viele Rote-Liste-Arten und Urwaldrelikte wie der seltene Eremit und der in Europa fast ausgestorbene Veilchenblaue Wurzelhalsschnellkäfer.