Viel Rauch um nichts?

Erbitterte Gegnerschaft, freudiges Unterstützen oder Gleichgültigkeit - das neue "Nichtraucherschutzgesetz" ruft ganz unterschiedliche Meinungen hervor. Erste Erfahrungsberichte zeigen noch kein einheitliches Bild.

Konz. Seit gut zwei Monaten ist das rheinland-pfälzische "Nichtraucherschutzgesetz" in Kraft. In der Verbandsgemeinde Konz sind die Erfahrungen mit der neuen Regelung ganz unterschiedlich. Im Konzer Ratskeller war die Umstellung unproblematisch. "Wir haben Nichtraucher- und Raucher bereiche eingerichtet", erzählt Cilli Rohn. "Während früher Gäste nach Nichtraucher-Plätzen gefragt haben, werden heute Tische im Raucherbereich reserviert." Der Raucherraum werde gut frequentiert, berichtet die Gastronomin. Der Umsatz habe nicht gelitten. Aber Cilli Rohn sieht andere Nachteile: "Man weiß manchmal nicht, ob die Leute das Lokal verlassen oder nur zum Rauchen vor die Tür gehen."Raucher und Nichtraucher diskutieren

Im "Eiscafé Dolomiti" in der Granastraße hat man bis jetzt wegen des schlechten Wetters nur wenig Kundschaft gehabt - und daher auch nur wenige Erfahrungen gesammelt. "Für Familien mit Kindern ist es jetzt besser", sagt Mara del Favero. Im Café ist keine Raucherecke eingerichtet worden. "Wir haben ja nur einen Raum", erklärt die Frau des Inhabers.Im "Chamäleon" am Saar-Mosel-Platz schlagen dagegen die Wellen der Empörung hoch. Gast Wolfgang Junker: "Was die Regierung macht, ist eine Schweinerei!" Mitarbeiterin Heike Haas berichtet von einem deutlichen Umsatzrückgang. "Viele Stammgäste bleiben weg", fasst sie das Problem des Bistros zusammen. Dagegen freut sich Guy Thinnes, dass im "Gasthaus Adam-Schmitz" in Oberemmel im Thekenbereich nicht mehr geraucht wird. "Seitdem bleibe ich nach der Chorprobe manchmal länger und trinke noch ein Bier", sagt der Konzer Augenarzt.Es gibt aber auch Nichtraucher, denen es nichts ausmacht, mit Rauchern zusammen in einer verqualmten Kneipe zu sitzen. In der "Gaststätte zur Granahöhe" sitzen mehrere Männer mit brennenden Zigaretten. Ein Gast: "Ich bin seit 37 Jahren Nichtraucher, fühle mich aber durch den Rauch der anderen Gäste nicht belästigt." "Bis zur endgültigen Klärung der Einsprüche gegen das Nichtraucherschutzgesetz werde ich meinen Gästen das Rauchen nicht verbieten", sagt Inhaber Werner Grossmann. Die aktuelle Regelung ist auf seiner Seite: In Gaststätten mit nur einem Raum, in denen keine Angestellten arbeiten und kein Essen serviert wird, darf mit Einverständnis des Wirts bis zur Entscheidung des Koblenzer Verfassungsgerichts weiter geraucht werden (der TV berichtete).In der Pizzeria "Pinocchio" hat Inhaber Vittorio Bosco von Gästen gehört, dass sich selbst Raucher freuen, wenn während des Essens nicht am Nebentisch gequalmt wird: "Die Gäste sind mit der neuen Regelung überwiegend zufrieden." Nur ganz wenige Gäste kämen nicht mehr. Doch die Umsatzeinbußen wurden durch neue Restaurantbesucher ausgeglichen. Ebenfalls keine Probleme mit der Gesetzgebung hat man im "Weingut Apel" in Nittel. "Wir haben in der Weinstube einen zweiten Raum, den wir für Raucher zur Verfügung stellen", sagt Gabi Apel. Sollte der Raum zum Beispiel für eine Weinprobe belegt sein, müssen die Gäste zum Rauchen vor die Tür gehen. Gabi Apel: "Bislang gab es noch keine Beschwerden."