Viel riskiert – alles gewonnen

NITTEL. Der Geschichts- und Kulturverein Nittel hat viel riskiert – und alles gewonnen: Das Publikum im sehr gut gefüllten Nitteler Bürgerhaus erlebte ein wunderschönes Konzert mit Melodien aus Musical und Operette.

Großen Mut bewies "Impresario" Paul Trauden, und der Erfolg gab ihm Recht. Mit gewisser Bangigkeit verfolgten die Mitglieder und Organisatoren des Nitteler Geschichts- und Kulturvereins den anfangs zögerlichen Vorverkauf der Eintrittskarten zu einem be-sonderen Konzertabend im Bürgerhaus Nittel. Für die Melodien aus Operetten und Musicals hatte Trauden mit Norbert Kleinhenn einen renommierten Tenor verpflichtet - nach dem Motto "klotzen, nicht kleckern". Aber da ein Konzert dieser Art in Nittel noch nie stattgefunden hat, war das Publikum die unbekannte Größe.In einem mediterranen Garten

Letztlich waren aber alle Sorgen im Vorfeld unbegründet: Das Bürgerhaus war voll besetzt, die Bühne mit großen Kübelpflanzen und Gemälden des Spaniers David de Ubaldis in einen mediterranen Garten verwandelt, und das Können der Vokalartisten - neben Kleinhenn noch Nadja Schmalenberg (Sopran) und Daniela Dostert (Mezzosopran) - verzückte das Publikum, begleitet von einem sehr takt- und temposicheren Klauspeter Bungert am Piano. Dabei war das Repertoire weit gefasst. Operettenmelodien wie "Wer uns getraut" aus dem Zigeunerbaron von Johann Strauß oder "Dein ist mein ganzes Herz" von Franz Lehár wechselte mit Musical-Klassikern wie "Mondlicht" aus Cats oder folkloristischen Melodien wie "O Danny Boy" aus Irland. Die Zuhörer waren durchweg sehr zufrieden mit den Darbietungen, die Künstler kamen alle ohne jegliche technische Unterstützung aus. Norbert Kleinhenn hatte das Publikum mit seiner Bühnenpräsenz sofort im Griff und leistete sich keinerlei Schwächen im Vortrag. Die Stimme überzeugte auch in dem für seine Akustik nicht gerade berühmten Bürgerhaus mit bester Verständlichkeit und Stabilität. Dynamisch schöpfte Kleinhenn die Möglichkeiten voll aus, in den Duetten mit Schmalenberg und Dostert gab er Sicherheit, ohne die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Daniela Dosterts Stimme hatte große emotionale Wucht, wobei ihr anfangs noch leichte Nervosität anzumerken war. Doch im Verlauf des Konzertabends sang sie sich frei und packte das Publikum mit Kraft und Energie im Ausdruck. Nadja Schmalenberg repräsentierte einen äußerst angenehmen Kontrast und überzeugte im klassischen und romantischen Lied mit einer klaren und durchsichtigen Stimme. Ihre zurückhaltende Art, dazu eher die leisen Töne, gepaart mit einer eleganten Erscheinung, überzeugte Konzertbesucherin Bianca Opitz aus Nittel besonders: "Ich hätte von Nadja Schmalenberg gern noch mehr gehört." Andere Besucher hatten andere Vorlieben. Mechthild Apel aus Nittel: "Mich hat der Gesang von Daniela Dostert sehr berührt. Ich fühlte mit der jungen Frau richtig mit." Erwartungsgemäß thronte über den beiden Damen aber der Star des Abends - Norbert Kleinhenn. Auf dem Nachhauseweg pfiffen manche noch die Melodien der Evergreens, die Kleinhenn mit Souveränität und kraftvollen, natürlich wirkendem Vortrag zum Besten gab. Der Veranstalter, der Geschichts- und Kulturverein Nittel, zog ein sehr positives Fazit. "Der hohe künstlerische Standard hat die Leute überzeugt", freut sich Paul Trauden. "Und der Aufwand mit der Bühnendekoration hat sich gelohnt." Der Abend endete in so freudiger Stimmung, dass noch eine gute Stunde nach dem Konzert im Foyer und anschließend in den Weinstuben gefeiert wurde.