Viel Strom aus neuen Quellen

Die Landesregierung hat das Ziel ausgegeben, dass bis 2030 in den Kommunen genauso viel Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt wird, wie dort verbraucht wird. In der Verbandsgemeinde Saarburg könnte diese Forderung schon früher umgesetzt sein.

Kirf/Saarburg. Die K 118 zwischen Dittlingen und Kirf ist zwischenzeitlich wieder freigegeben. Seit Anfang Januar war die Verbindung zwischen beiden Orten im Saargau gesperrt, weil auf der Kirfer Gemarkung ein Windrad errichtet wurde. Es ist die insgesamt 14. Windkraftanlage, die in der Verbandsgemeinde Saarburg gebaut wurde. Davon stehen 13 auf Privatgrundstücken, eines bei Kirf steht auf einer kommunalen Fläche.
Mit der Fertigstellung dieses Windrads bei Kirf wächst die in der Verbandsgemeinde Saarburg mit erneuerbaren Ressourcen erzeugte Strommenge nochmal um sieben bis acht Millionen Kilowattstunden (KWh) pro Jahr. Jürgen Dixius, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Saarburg, ist zufrieden: "Zusammen mit der Photovoltaikanlage, die auf dem Schießplatz in der Nähe der früheren französischen Kaserne demnächst gebaut wird, kommen wir bis Ende des Jahres wohl auf einen Anteil von 85 Prozent aus erneuerbaren Energien im Verhältnis zur verbrauchten Energiemenge."
Die rund 22 000 Einwohner in der Verbandsgemeinde Saarburg haben im Jahr 2010 etwa 96,4 Millionen KWh Strom verbraucht. Bislang wurden etwa 66,6 Millionen (Stand 2012) KWh Strom, das entspricht einem Anteil von rund 69 Prozent des Gesamtverbrauchs, aus erneuerbaren Energien ins Stromnetz eingespeist. Jürgen Dixius sagt: "Schon dieser Grad des Anteils erneuerbarer Energien am Gesamtverbrauch hat mich überrascht."
Konkret ist es so, dass der meiste Strom aus erneuerbaren Quellen mit Windkraft erzeugt wird (31 Millionen KWh im Jahr 2012). An zweiter Stelle steht die Wasserkraft. Mit ihr werden 28,5 Millionen KWh Strom gewonnen. Weit abgeschlagen folgen der aus Sonnenenergie (sechs Millionen KWh) und Biomasse (1,1 Millionen KWh) erzeugte Strom.
Und die Quote könnte noch weiter steigen. Eines der wichtigsten Projekte für die nächste Legislaturperiode des Verbandsgemeinderats ist die Überarbeitung des Flächennutzungsplans, in dem dann die Flächen ausgewiesen werden sollen, auf denen Windräder zulässig sind. Hier könnte die vor rund einem Jahr von der Verbandsgemeinde gegründete Anstalt des öffentlichen Rechts ins Spiel kommen. In ihr sollen kommunale Flächen gebündelt werden, die sich zum Aufstellen von Windrädern oder Photovoltaikanlagen eignen, um sie an Stromerzeuger zu verpachten. Es soll aber kein eigener Strom erzeugt werden.
Bislang verdienen am Verkauf des in der Region erzeugten Stroms aus Windkraft- und Photovoltaikanlagen nur die Grundstückseigentümer und die Stromerzeuger. Letztere haben die Möglichkeit, die gewonnene Energie entweder an die Endverbraucher zu verkaufen oder sie über die Leipziger Strombörse EEX (siehe Extra) zu vermarkten. Dort zahlen die Stromkonzerne für den Strom aktuell durchschnittlich 37,08 Euro pro Megawattstunde (MWh; eine MWh entspricht 1000 KWh).
Die Idee, selbst in die Stromvermarktung einzusteigen, findet in der Region wenige Fürsprecher. Allein Stephanie Nabinger, Landtagsabgeordnete der Grünen, fordert immer wieder, dass sich Bürger oder Kommunen etwa als Genossenschaft zusammenschließen und ihren eigenen Strom produzieren, den sie selbst vermarkten sollten.
Extra

EEX ist die Abkürzung für European Energy Exchange (übersetzt aus dem Englischen: Europäische Energie Börse). Die Börse hat ihren Sitz in Leipzig. Dort werden Strom, CO2, Kohle und Erdgas gehandelt. Beim Strommarkt können die Börsenteilnehmer täglich mit Strom für die Zonen Deutschland/Österreich, Frankreich und die Schweiz handeln. Die Preise richten sich dabei nach Angebot und Nachfrage. itz